merken
PLUS

Dynamo

Worum es jetzt für Dynamo geht

Von wegen goldene Ananas: Auch wenn der Klassenerhalt feststeht, kann der Verein noch viel Geld verdienen.

Michael Born ist der Mann für die Zahlen bei Dynamo. Den von allen Profiklubs verabschiedeten Verteilerschlüssel für die TV-Gelder hält er für ungerecht.
Michael Born ist der Mann für die Zahlen bei Dynamo. Den von allen Profiklubs verabschiedeten Verteilerschlüssel für die TV-Gelder hält er für ungerecht. © Lutz Hentschel

Die Spieler von Erzgebirge Aue verbrachten die vergangenen Tage auf Deutschland beliebtester Ferieninsel. Dass dabei reichlich Alkohol floss, ist sicher keine böse Unterstellung. Der Mallorca-Trip steht sinnbildlich für die Erleichterung, den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga geschafft zu haben. Das wird gefeiert – gerne auch mal mehrere Tage am Strand.

Bei Dynamo kam niemand auf die Idee, die Spieler auf eine Partyinsel zu schicken. In Dresden ist man zwar auch froh, nächste Saison weiter zweitklassig zu sein, doch unter Erfolg wird das – im Gegensatz zu Aue – nicht eingestuft. Erreichen des Minimalziels trifft es eher.

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Während der Tabellennachbar also auf den Balearen die Beine hochlegte, wurde im Großen Garten weiter trainiert, als sei nichts passiert. Dabei geht es in den beiden restlichen Partien am Sonntag in Kiel und die Woche darauf gegen Paderborn lediglich darum, ob die Mannschaft am Ende im besten Fall auf Platz neun landet oder, wenn es ganz ungünstig läuft, auf Rang 15. Als Synonym für eine solche Konstellation gilt die goldene Ananas. Aber geht es wirklich um nichts mehr?

Es steht noch viel Geld auf dem Spiel. Die Endplatzierung hat Auswirkungen darauf, welchen Anteil der Verein in der kommenden Saison an der Vermarktung der nationalen Medienrechte, wie es offiziell heißt, bekommt. Gemeint sind im Wesentlichen die Fernsehgelder. Und im TV-Ranking sind die Schwarz-Gelben wie in der richtigen Tabelle platziert: unten. Damit sich das ändert, helfen vor allem Siege.

Mit 1,137 Milliarden ist der Fernsehtopf für die kommende Saison bestückt. Geteilt wird der durch die 36 Vereine in der 1. und 2. Bundesliga. Der 2016 von der DFL beschlossene Verteilerschlüssel ist ein höchst kompliziertes mathematisches Konstrukt. Er fußt auf vier Säulen, das Abschneiden in den vergangenen fünf Jahren ist dabei mit Abstand am wichtigsten.

Und da steht Dynamo nicht gut da. Für die Spielzeiten 14/15 und 15/16, als die Mannschaft drittklassig war, gibt es überhaupt keine Punkte. Nach dem Aufstieg landete die Mannschaft auf den Rängen fünf und 14, jetzt steht sie auf Platz 13. Große Sprünge macht man damit nicht. Derzeit belegen die Dresdner in der Fernsehtabelle Platz 33.

Bliebe alles so, würde sich die Summe für die Saison 2019/20 „zwischen 9,2 und 9,9 Millionen Euro bewegen“, erklärt Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born. In der laufenden Spielzeit überweist die DFL zwischen 9,3 und 9,6 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der FC Bayern, der auch in dieser Kategorie führt, bekommt knapp 68 Millionen Euro.

Die Münchner spielen in einer anderen Liga, interessanter sind die Vergleiche mit der direkten Konkurrenz. Union Berlin etwa bekommt fast das Doppelte von Dynamo, weil die Wuhlheider beständig im oberen Zweitliga-Drittel mitspielen. Und selbst der akut vom Abstieg bedrohte FC Ingolstadt liegt weit vor den Dresdnern, weil die Bayern von ihrer Erstliga-Vergangenheit profitieren. Born findet das ungerecht. „Der Verteilerschlüssel begünstigt ehemalige Erstligisten“, kritisiert er. „Die Schere geht mir zu weit auseinander.“

Zu spüren bekommt das die Sportgemeinschaft auch auf dem Transfermarkt. In der Sommerpause wechselt Rico Benatelli nach St. Pauli und Erich Berko zu Darmstadt 98. Die Gründe für ihren Abschied sind sicher individuell und vielschichtig, Fakt ist aber: St. Pauli liegt wie Darmstadt im TV-Ranking weit vor Dynamo. „Mit den Riesenbatzen mehr Fernsehgeld können sich die bevorteilten Vereine auch transfermäßig bei anderen Zweitligisten bedienen“, sagt Born, meint damit aber nicht zwingend die neuen Arbeitgeber von Berko und Benatelli.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Fiels Startelf für Dynamos Spiel in Kiel

Die Dresdner sind gerettet, aber die Saison nicht vorbei. Der Trainer macht für die Partie an der Ostsee eine klare Ansage - und verändert vier Positionen.

Noch aber hat die Mannschaft von Cristian Fiel die Möglichkeit, etwas zu korrigieren. Die Schwarz-Gelben könnten im Zweitliga-Tableau Bochum, Darmstadt und Bielefeld überholen, alle drei Klubs stehen auch im TV-Ranking vor Dresden. Jeder Platz, den sich Dynamo nach oben arbeitet, bedeutet rund 300.000 Euro mehr an TV-Ausschüttung, im Idealfall sind bis zu 10,6 Millionen Euro möglich. Allerdings: Für den Negativfall gilt das Gleiche, dann wird es entsprechend weniger.

Jannik Müller, dessen Vertrag ausläuft, schaut gerade zwangsläufig aufs Geld. Für den Verteidiger ist aber vor allem „wichtig, die Saison mit einem guten Gefühl zu beenden und mit einem positiven Gefühl in die Vorbereitung zu gehen“.