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Stalking: Was geht in den Tätern vor?

Eine Frau aus Neukirch ist zwei Jahre lang bedroht und angegriffen worden. Die Interventionsstelle erklärt, wie sich Opfer schützen können.

Bis zu 60 Anrufe in einer Stunden und noch dazu Nachrichten auf ihr Handy bekam eine 30-Jährige aus Neukirch von ihrem Stalker.
Bis zu 60 Anrufe in einer Stunden und noch dazu Nachrichten auf ihr Handy bekam eine 30-Jährige aus Neukirch von ihrem Stalker. © Symbolfoto: Christin Klose/dpa

Bautzen. Bis zu 60-mal in einer Stunde klingelte das Telefon von Alice Hartmann zuweilen, erzählt die Frau. Briefe, Facebook- oder Whatsappnachrichten kamen dazu. Besuche vor dem Haus. Und körperliche Angriffe. Verantwortlich dafür wird ihr Ex-Freund gemacht; über zwei Jahre lang soll der Mann ihr nachgestellt haben. Aber was bewegt Stalker eigentlich zu ihren Taten?

„Bei Stalking“, erklärt Andrea Stiebitz von der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt Ostsachsen, „geht es darum, auf unterschiedliche Art und Weise gegen den Willen des Opfers mit diesem Kontakt aufzunehmen, um eine Beziehung aufrechtzuerhalten oder herzustellen“. Bereits wenn das Stalkingverhalten über einen Zeitraum wie zwei Wochen andauert, könne von Stalking gesprochen werden.

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Besonders häufig handelt es sich beim Stalking um Ex-Partner

„Häufige Motive sind das Ausüben von Macht, Dominanz und Kontrolle sowie das übersteigerte Bedürfnis, von der oder dem Betroffenen wahrgenommen zu werden“, sagt Stiebitz. Die Täter verfolgen unterschiedliche Ziele. Die häufigste Konstellation ist das sogenannte Ex-Partner-Stalking. Der zurückgewiesene Stalker könne dabei das Ende einer Beziehung nicht akzeptieren und wolle durch die ständige Kontaktaufnahme die Beziehung wiederherstellen. Oder: Die Person möchte den Partner nicht freigeben. Aber auch andere Arten des Stalkings gibt es. So zum Beispiel den Typ des Liebe suchenden Stalkers. Dabei geht es beispielsweise um Stars, zu denen der Stalker eine Beziehung wünscht.

Auch die Variante des Rache suchenden Stalkers gibt es, wo der Stalker seinem Opfer auf jede erdenkliche Art Schaden zufügen möchte. Eher lästig, aber weniger gefährlich sei der Typ des sogenannten inkompetenten Stalkers, der sich vor allem durch geringe Intelligenz auszeichne und durch das Stalking eine Bindung zum Opfer aufbauen möchte. Bei einem weiteren Typ Stalker kann es sich um einen Sexualstraftäter handeln.

Aber was kann jemand tun, der Opfer eines Stalkers wird? „Der Kontakt zum Stalker oder zur Stalkerin sollte aktiv verweigert werden“, sagt Stiebitz. Jeder Kompromiss lehre einen Stalker, dass er nur lange genug drängen muss, um einen Kontakt zu erreichen. Betroffene sollten möglichst wenig im Netz von sich preisgeben. Bei Verfolgungen helfe es, direkt zur Polizei zu fahren. Hilfe gibt es bei der Polizei oder bei Opferberatungsstellen.

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