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Freital

Wozu ein Geopark, Herr Jähnig?

Der Unternehmer will die Region unter dem Titel einen. Welches große Ziel dahintersteckt, erklärt er im Interview.

Jens Jähnig ist Vorsitzender der Georado-Stiftung in Dorfhain, unter deren Dach das Projekt Geopark vorangetrieben wird. Der gebürtige Dorfhainer will die Region am Tharandter Wald stärken und alle Einwohner für diese Pläne begeistern.
Jens Jähnig ist Vorsitzender der Georado-Stiftung in Dorfhain, unter deren Dach das Projekt Geopark vorangetrieben wird. Der gebürtige Dorfhainer will die Region am Tharandter Wald stärken und alle Einwohner für diese Pläne begeistern. © Foto: Andreas Weihs

Herr Jähnig, es gibt die Idee, die Region am Tharandter Wald in einem Geopark zu vereinen. Ist der Titel schon greifbar?

Wir sind vorangekommen und bei der Geo-Union Alfred-Wegener-Stiftung, die die Zertifizierung vornimmt, als Interessengemeinschaft gelistet. Nachdem sich aus der Georado-Stiftung 2015 der Verein Geopark Erlebnis Tharandter Wald gegründet hatte, der das Projekt führt, begannen wir damit, Gespräche in den Kommunen zu führen. Schon dabei zeigte sich, dass der Blick nur auf den Tharandter Wald zu kurz gewählt ist. Also haben wir die Gespräche erweitert. Die Region des geplanten Geoparks umfasst nun Freital, Rabenau, Dippoldiswalde, Klingenberg, Wilsdruff, Bobritzsch-Hilbersdorf, Halsbrücke, Tharandt und Dorfhain. Aktuell bewirbt sich noch die Gemeinde Reinsberg um die Aufnahme, die mit der Zertifizierung zum nationalen Geopark Sachsens Mitte geprüft wird. Für 2021 streben wir das Gütesiegel an. Wichtig ist, dass alle Kommunen hinter der Idee stehen. Ich finde, das ist eine große Leistung.

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War das bisher ein steiniger Weg?

Ja, mit großen Wackersteinen. (lacht)

Ist es Ihre Idee gewesen, die Region mit dem Titel Geopark zu versehen?

Nein. Von einem Verein aus Mohorn wurde die Idee geboren, die Region um den Tharandter Wald zu einem Geopark zu vereinen, mit dem Ziel: Gemeinsamkeit macht stark. Diese Idee hat mich begeistert. Deshalb haben wir sie weiterverfolgt.

In Dorfhain befindet sich das Besucherzentrum für den neuen Geopark, dessen Fassade jüngst der Künstler Michael Fischer-Art mit weiteren Künstlern bunt gestaltete. Warum wird das Zentrum des Geoparks ausgerechnet hier eingerichtet?

Der Standort in Dorfhain ist sehr wichtig für die Region, seit mehr als einhundert Jahren. 1902 haben hier die Unternehmer Ellinger und Geißler einen Betrieb für Elektrotechnik gegründet, Elrado. Dieser Betrieb hat die Elektrotechnik aufgegriffen, als diese gerade im Entstehen war. Ende 1945 gab es hier eintausend Beschäftigte. 1989 waren es 2 400 Beschäftigte in weiteren Zweigbetrieben. Dieser Standort hat die Region geprägt. Wir haben das Gelände erworben und eine Stiftung gegründet mit dem Namen Georado. Aus Elrado wird also Georado. Diese Stiftung hat klare Ausrichtungen. Dazu gehören Bildung und Erziehung, Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie Natur und Umweltschutz, ebenso die Förderung der Region.

Was hat das alles mit dem Geopark zu tun?

Spannend an den verschiedenen Ausrichtungen ist die Schnittmenge. Was wäre der Geopark ohne Wissenschaft? Dann gäbe es keine Geologie, keine Umweltbildung. Ein Beispiel ist der Tharandter Wald und sein Bezug zur Forstwissenschaft. Der gemeinsame Nenner im Geopark ist natürlich die Geologie. Diese findet sich in allen Bereichen wieder. Für das Thema Bildung haben wir im Außengelände Geotechnik ausgestellt. Hinsichtlich der Kunst stehen hier etwa einhundert Stahlskulpturen. Diese stammen aus dem Tacheles, einer Kunstszene in Berlin, die 2013 geschlossen wurde. Außerdem haben wir einen Fundus an Gemälden. Das alles ist in einer Ausstellung zusammengeführt.

Im Geopark dreht sich also nicht alles nur um Steine?

Keinesfalls. Um den Titel „Nationaler Geopark“ zu erlangen, müssen bestimmte Kriterien und natürlich auch geologische Grundvoraussetzungen erfüllt sein. Letzteres bringt der Tharandter Wald mit. Er ist geologisch so interessant, dass allein auf dieser Fläche die gesamte Erdgeschichte abgebildet wird. Im Tharandter Wald kommen alle Gesteinsarten auf engem Raum vor, die sonst nur über ganz Sachsen verbreitet sind. Wir haben aber nicht nur eine besondere Erdgeschichte hier, wir haben Wanderwege, Lehrpfade, Besucherbergwerke, Schlösser und andere touristische Anziehungspunkte. Das hat uns von Beginn an Mut gemacht. Das, was wir darüber hinaus zum Gütesiegel Geopark brauchen, ist eine Vernetzung der Städte und Gemeinden, ein Besucherzentrum, das nun in Dorfhain entsteht, ein gemeinschaftliches Auftreten aller Kommunen und Informationspunkte, um die Region zu vernetzen.

Was muss jetzt noch auf dem Weg bis zur Anerkennung als Geopark getan werden?

Derzeit läuft die Ausbildung für die Geopark-Ranger. Dazu haben sich 15 Engagierte gefunden, die sich über ein halbes Jahr zum Geopark-Ranger schulen lassen, mit einem breiten Wissen über Heimatgeschichte und Naturkunde. Künftig sind es jene Leute, welche die Besucher durch die Region führen. Als nächstes wollen wir ein Projektmanagement installieren, also eine Arbeitsgruppe aus drei Personen für den Geopark. Dafür haben wir Fördermittel über Leader einwerben können, die uns die Finanzierungssicherheit geben. Ab Juni soll die Arbeitsgruppe loslegen, die später auch die Zertifizierung zum „Nationalen Geopark Sachsens Mitte“ beantragt.

Die Region um den Tharandter Wald ist doch eigentlich auch ohne ein Gütesiegel ganz hübsch. Wozu braucht es überhaupt diesen Titel Geopark, Herr Jähnig?

Die Frage ist, warum führt man viele Städte und Gemeinden unter ein Interessendach? Als gemeinsames Interesse sollten wir nicht nur den Tourismus denken, sondern auch die Wirtschaft, die Identität, die Heimat. Haben wir denn hier bei uns eine Region? Nein. Die Sächsische Schweiz ist eine Region. Wir haben einzelne Städte und Gemeinden. Aber wir möchten gern eine Region sein, nämlich gemeinsam vereint im „Geopark Sachsens Mitte“. Aus einer Region entsteht Gemeinschaft und aus Gemeinschaft entsteht Kraft. Ein sichtbares verbindendes Element wird auch der Rundweg sein, der derzeit erarbeitet wird, als Qualitätswanderweg um den Tharandter Wald.

Wie steht es jetzt um den Qualitätswanderweg? Der sächsische Wandertag, der dieses Jahr im Tharandter Wald stattfinden sollte, wurde nun wegen Sturmschäden abgesagt.

Wenn man etwas erreichen will, sollte man es fundiert angehen. Der sächsische Wandertag ist ein gutes Projekt für die Region, an dem federführend Wilsdruff und Tharandt wirken. 2020 wird das Ereignis nachgeholt. Bis dahin wollen wir den Qualitätswanderweg zunächst in der Routenführung definieren, 2021 soll er begehbar sein, als spannender Rundweg.

Ist der Tharandter Wald spannend?

Klar. Die schroff eingeschnitten Kerbtäler sind etwas besonderes. Wer „Heinrichs Eck“ kennt oder die „Stille Liebe“, weiß, wovon ich spreche.

Die Zielstellung für den Geopark sind in etwa 60 000 Besucher im Jahr. Ist das nicht eine Nummer zu groß?

Warum? Besucher muss man unterscheiden in Tagestouristen oder Touristen, die einige Tage verweilen. Es muss nicht das Ziel sein, Massentourismus zu aktivieren. Das ist zu kommerziell gedacht. Nachhaltiger Tourismus ist ein besseres Ziel und treffender für unsere Region. Mit dem Namen Nationaler Geopark Sachsens Mitte schlagen wir über einen Qualitätswanderweg den Weg in eine Qualitätsregion ein.

Kann ein solcher Titel auf dem Papier die Region aufwerten?

Natürlich, unbedingt. Die Region wird dadurch an ihrer Vielzahl an Museen, Schlössern, Aussichtspunkten und Wanderwegen zusammengefasst und erst richtig präsent. Was ich mir wünsche, ist mehr Ehrenamt. Dazu sind die Bewohner der Region gefragt, Wanderwege freizuschneiden, Wege auszuschildern und zu überlegen, wie die Region gut präsentiert werden kann. Das fördert Identifikation und schafft Heimat.

Was haben die Menschen der Region davon, sich in das Projekt einzubringen?

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Das klingt danach, als ob es für alles einen Gegenwert braucht. Ich bin der festen Überzeugung, das braucht es nicht. Das Grundprinzip Gemeinschaft basiert auf anderem. Die Zielstellung ist, unsere Heimat zu fördern und unserer Jugend eine Zukunft zu geben. An dieser Gestaltung einen persönlichen Anteil zu haben, ist Erfüllung. Wir sollten das Miteinander wieder in den Vordergrund stellen. Genau das macht den Geopark-Gedanken aus.

Das Gespräch führte Verena Schulenburg.

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