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Dresden

Warum die Brücke erst jetzt fertig ist

Streit, Bauverzug und steigende Kosten dominierten bei dem Großprojekt am Dresdner Waldschlösschen. Das ging auch nach der Übergabe weiter – bis heute.

Henri Lossau hat die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen an der Waldschlößchenbrücke geleitet.
Henri Lossau hat die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen an der Waldschlößchenbrücke geleitet. © René Meinig

Seit sechs Jahren rollt der Verkehr über die Waldschlößchenbrücke. Trotzdem hat Baufachmann Henri Lossau noch mit dem Großprojekt zu tun, das ihn schon fast sein halbes Arbeitsleben lang beschäftigt. 

Der 54-Jährige Bautzner leitet die Dresdner Niederlassung der Sächsischen Bau GmbH. Beim Brückenbau stand er als technischer Leiter an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen (Arge). Doch erst jetzt hat sie ihre Arbeit ganz geschafft. Denn die letzten Mängel an der Waldschlößchenbrücke sind beseitigt.

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Der Erfolg: Das Einschwimmen des Bogens hat hervorragend geklappt

Alles beginnt vor 14 Jahren. Beim Bürgerentscheid stimmen 67,9 Prozent der Dresdner für den Brückenbau. Danach wird der Großauftrag öffentlich ausgeschrieben und Lossaus Firma bekommt ihn. Doch der Bau kann noch nicht beginnen. Denn die Unesco, die 2005 dem Dresdner Elbtal den Welterbetitel verliehen hatte, kritisiert den geplanten Brückenbau.

Erst nach langem Hin und Her und einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Bautzen kann Lossaus Arge loslegen. Der Brückenbau beginnt im November 2007. „Anfangs sind wir nur durch ein Spalier von protestierenden Menschen zur Baustelle gekommen“, berichtet er. Kräne werden besetzt, ein Bagger zerstört und nachts Sand ins Hydraulikgetriebe eines Bohrgerätes gekippt. Der Schaden: rund 300.000 Euro. „Danach hatte es sich aber beruhigt“, sagt Lossau.

Den größten Erfolg kann die Bau-Arge am 19. Dezember 2010 verbuchen. Der 1.800 Tonnen schwere Bogen schwimmt auf Pontons binnen weniger Stunden in die Brückenmitte. Die komplizierteste Aktion beim Brückenbau gelingt hervorragend. An dem Wochenende war es minus 18 Grad kalt. „Ich habe wie verrückt gefroren und musste mir sogar noch einen Pullover kaufen“, berichtet der Bauchef. „Wir waren viel schneller als gedacht. Ich war erleichtert, dass es so gut funktioniert hat.“

Doch der Brückenbau dauert noch bis 2013. Am 24. und 25. August ist Lossau dann mit dabei, als die Eröffnung gefeiert wird und 190.000 Besucher kommen.

Lossaus schönster Moment war, als am 18. Dezember der Bogen in die Brückenmitte schwamm. 
Lossaus schönster Moment war, als am 18. Dezember der Bogen in die Brückenmitte schwamm.  © Marco Klinger

Der Streit: Jahrelanges Gezerre um die letzten Brücken-Millionen

Der Aufwand für die Arge war beim Bau deutlich höher als erwartet. Nicht nur die Bauzeit hatte sich auch aus Gründen verzögert, die sie nicht beeinflussen konnte. Statt der geplanten 5.600 Tonnen wurden insgesamt 6.900 Tonnen Stahl benötigt. Zudem gab es weitere Ursachen. Die Arge hatte zusätzlich 18 Millionen Euro gefordert. „Die Verhandlungen hatten sich ewig hingezogen“, sagt der Arge-Chef. „Letztlich konnten wir uns im vergangenen Jahr auf einen zweistelligen Millionenbetrag einigen.“ Eine genaue Summe will weder er noch die Stadt nennen. Für den gesamten Verkehrszug wurden rund 179 Millionen Euro investiert, für den reinen Brückenbau etwa 74 Millionen. „Es war ein Kompromiss, um einen viel längeren Rechtsstreit zu vermeiden“, sagt er.

Der Schluss: Zwölf Jahre nach Baustart werden Brückenbauer wieder aktiv

Ende vergangenen Jahres war die fünfjährige Gewährleistungszeit zu Ende. Zuvor hatte die Brücke bei einer Hauptprüfung mit 1,2 eine sehr gute Note erhalten. Dabei waren aber auch einige kleine Mängel aufgelistet worden. 2018 hatte Lossaus Firma viele Aufträge. Deshalb konnte sie erst im September dieses Jahres mit den Arbeiten beginnen. So hatte es unter dem Geh- und Radweg kleine, bis zu 0,3 Millimeter große Risse im Beton gegeben. „Beim Baustoff Beton ist das aber normal“, sagt der Brückenbaufachmann. Sie wurden mit Epoxidharz oder Betonleim verpresst. Zudem wurde an einigen Stellen abgeplatzte Farbe an den Stahlkästen unter der Fahrbahnplatte erneuert. Zudem ersetzten die Baufachleute zwei schützende Gummi-Manschetten an Stahllagern am Fuße der V-förmigen Brückenpfeiler. Die Arbeiten sind jetzt beendet. Für die Arge ist das 14 Jahre nach der Auftragserteilung der Schlusspunkt an der Waldschlößchenbrücke.

Die sehr gute Qualität, die auch die Stadt auf SZ-Nachfrage bestätigt, sei erfreulich. „Es freut mich, dass die Brücke von den Dresdnern und ihren Gästen so gut angenommen wird“, zeigt er sich stolz. Die Arbeit seiner Bau-Arge habe sich gelohnt.

Die offene Frage: Noch unklar, wann die Baugenehmigung kommt

Die Akte Waldschlößchenbrücke kann aber noch nicht geschlossen werden – sie hat bisher keine gültige Baugenehmigung. Im Juli 2016 hatte das Bundesverwaltungsgericht nach einer Klage der Grünen Liga Sachsen den sogenannten Planfeststellungsbeschluss für ungültig erklärt. Die Richter hatten entschieden, dass dieser rechtswidrig ist.

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