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Wülknitz als Goldesel

Als eine von dreißig in Sachsen ist die Gemeinde besonders finanzkräftig. Woran das liegt. Und warumes auch eine Bürde ist.

© Wolfgang Wittchen

Von Eric Weser

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Wülknitz ist reich – und keiner hat es gemerkt. So scheint es zumindest. Dass der besondere finanzielle Status seiner Gemeinde bei Anwohnern, Vereinen oder Räten besondere Begehrlichkeiten geweckt hat, das könne er nicht sagen, so Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos).

Seit vorigem Jahr wird die nach Einwohnern zweitkleinste Gemeinde des Landkreises in der Statistik unter dem Stichwort „abundant“ geführt. Abundanz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Überfluss“. Als abundant gelten Gemeinden für den Gesetzgeber dann, wenn ihre Finanzkraft höher ist als ihr Finanzbedarf. Ein glücklicher Zustand. Und ein vergleichsweise seltener: Im Freistaat gab es laut Jahresbericht des Sächsischen Rechnungshofes im Vorjahr 30 abundante Kommunen – bei 430 sächsischen Städten und Gemeinden insgesamt.

Die besondere finanzielle Potenz hat ihren Ursprung in den zuletzt ziemlich üppigen Steuereinnahmen. Vor allem bei den Gewerbesteuern ist das Aufkommen der Gemeinde Wülknitz in den letzten Jahren stark angestiegen: Jahr 2009 nahm die Gemeinde noch 224 000 Euro ein, 2013 waren es schon mehr als eine Million. Der Aufwärtstrend setzte sich im Vorjahr noch einmal fort: mehr als 1,4 Millionen Euro habe die Kommune letztlich an Gewerbesteuern eingenommen, sagte Kämmerer Bodo Mischke auf SZ-Anfrage.

Aber woher stammen die Einnahmen? Große Gewerbegebiete sucht man in Wülk-nitz vergebens. Und auch Industriebetriebe sind auf den ersten Blick in der ländlichen Gemeinde nicht auszumachen. Die Verwaltung hält sich bedeckt, woher die Einnahmen stammen – Steuergeheimnis. Nach SZ-Informationen ist es vor allem die Energiebranche, die für die kräftigen Zuwächse bei der Gewerbesteuer verantwortlich ist. Allein die Betreibergesellschaft des Umspannwerkes soll einen sechsstelligen Betrag an die Kommune überweisen. Und auch neu angesiedelte Betriebe wie die Lichtenseer Biogasanlage und der Solarpark in Wülknitz sorgen dafür, dass die Steuern kräftig sprudeln.

„Demütig sein“

Daneben sind in Wülknitz auch einige kleinere und mittelgroße Handwerksbetriebe ansässig, die ebenfalls ihren Teil zur komfortablen Finanzlage der Kommune beisteuern. Sie alle sind sozusagen die Wülk-nitzer Reichmacher und verantwortlich dafür, dass die Kommune „Reichensteuer“ zahlen muss.

So heißt die 2009 eingeführte Finanzausgleichsumlage im Volksmund. Im Vorjahr musste Wülknitz 73 000 Euro berappen, für 2015 rechnet die Kämmerei mit rund 200 000 Euro. Der sprunghafte Anstieg hängt auch damit zusammen, dass die Reichensteuer progressiv gestaltet ist, also allmählich ansteigt. „Im ersten abundanten Jahr sind es 30, im zweiten 40 und im dritten Jahr 50 Prozent der Gewerbesteuern“, erklärt Kämmerer Mischke. Das Geld erhält der Freistaat, der es an andere Gemeinden als Schlüsselzuweisungen verteilt. Wülknitz allerdings gehört zu den eher kleineren Reichensteuer-Zahlern in Sachsen.

So groß die Freude über die steigenden Einnahmen also ist – durch die gleichzeitig steigenden Abgaben wird sie getrübt. „Unter dem Strich bleibt natürlich noch etwas übrig“, so Bodo Mischke. Dass die Gemeinde reich sei, davon wollen aber weder er noch der Bürgermeister sprechen. Schließlich seien die gestiegenen Steuern trotz allem eine relativ neue Entwicklung. Zudem gebe es noch Kredite, die abgetragen werden müssten. Und so sehr sich die Verantwortlichen über das kleine Finanzpolster freuen, das in den letzten Jahren entstanden ist: Es könnte ziemlich schnell aufgebraucht sein, wenn die Einnahmen nicht so stattlich ausfallen wie zuletzt.

Auch wenn es derzeit keine Anzeichen dafür gebe, dass die Einnahmen sinken: Die Möglichkeit eines abrupten Steuereinbruchs bestehe im Prinzip immer, so Bodo Mischke. „Da wären wir nicht die ersten, denen so etwas passiert“. Und auch Bürgermeister Clauß mahnt: „Die Gemeinde sollte demütig sein.“

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