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Wunschzettel auf Arabisch

Der Verkehrsverbund Oberelbe will Flüchtlingen das Bus- und Bahnfahren erleichtern. Dafür gibt’s Flyer und neue Ausdrucke.

© Norbert Millauer

Beate Erler

Dresden/Kamenz. Ein kleines Blatt Papier muss Thabet Azzawi dem Busfahrer vorzeigen, damit er weiß, welches Ticket der junge Syrer kaufen will. Für die Fahrt bis zur Haltestelle Baumwiese in Boxdorf braucht er nur eine Hinfahrt. Auf dem Zettel hat er deshalb dort ein Kreuz gemacht. Obwohl Thabet gut Englisch und mittlerweile auch besser Deutsch spricht, findet er die sogenannten Fahrtwunschzettel für Flüchtlinge eine gute Idee. Denn alle wichtigen Informationen sind ins Arabische übersetzt.

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Bereits letztes Jahr im Oktober hatte der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) angekündigt, mehrsprachige Flyer für Flüchtlinge zu erstellen. In Dresden stecken die Flyer der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) schon längst in den Willkommenspaketen der Stadt. Nun haben auch die Unternehmen und der Verbund des VVO im Kreis Meißen entschieden, die Kommunikation im Personennahverkehr zu verbessern, so Pressesprecher Christian Schlemper.

Eine große Hilfe

Denn Probleme gibt es vor allem bei Fragen zum Ziel und zum Preis. „Viele Flüchtlinge wissen auch nicht, wo sie die Tickets kaufen können und wo sie entwertet werden müssen“, sagt Schlemper. Wie Touristen müssten sie die lokalen Besonderheiten im ÖPNV erst kennenlernen.

Thabet hatte damit zwar keine Probleme, aber das lag auch daran, dass sein Bruder schon länger in Dresden lebt. „Als ich vor fünf Monaten hier ankam, hat er mir sofort erklärt, wie das alles funktioniert.“ Für diejenigen, die auf sich allein gestellt sind und nur Arabisch sprechen, ist der Fahrtwunschzettel eine große Hilfe. Auf der Internetseite des VVO sind jetzt außerdem die wichtigsten Informationen zum öffentlichen Personennahverkehr in Englisch, Französisch, Kroatisch und Arabisch abrufbar. Da nicht alle Flüchtlinge einen Internetzugang haben, verteilt der VVO derzeit die Broschüren an die Ausländerämter. Von dort gelangen sie dann in Erstaufnahmestellen und Unterkünfte.

Eine Buslinie, in der die Fahrtwunschzettel in Zukunft sicher auch zum Einsatz kommen, ist die 400 Coswig-Radebeul-Boxdorf. Für das Fahrpersonal sind ausländische Fahrgäste nichts Neues, sagt Ramona Raden von der Verkehrsgesellschaft Meißen. Durch das seit Jahren bestehende Asylbewerberheim in Radebeul-Naundorf kennen die Busfahrer die Situation bereits. In Zukunft werden die Fahrtwunschzettel aber auch Auskunft über Nutzungsschwerpunkte der Flüchtlinge geben können.

Etwas praxisfern

Thabet ist viel mit der Straßenbahn unterwegs. Jeden Tag nutzt er sie, um zu Terminen und Verabredungen zu kommen. Er hat in Syrien und im Jemen Medizin studiert und ist Musiker. Beim Ticketkauf mithilfe des Fahrtwunschzettels klappt alles problemlos. Für den Busfahrer, der kein Englisch spricht, ist es das erste Mal, dass ein Fahrgast den Flyer dabeihat. Darauf kann der Fahrgast, neben seinem Ticketwunsch, auch vermerken, wo er aussteigen will. Der Fahrer sollte dann am jeweiligen Halt auf den Ausstieg hinweisen.

Diese Bitte scheint etwas praxisfern, und auch unser Busfahrer kommt ihr nicht nach. Für Thabet ist noch ein weiterer Punkt nicht ganz nachvollziehbar. Das Fahrpersonal soll das günstigste Ticket für den Fahrgast auswählen, wenn dieser sich nicht auskennt. Das kann aber nur funktionieren, wenn beide sich verständigen können.

Auf den mehrsprachigen Infoflyern erfahren die Flüchtlinge auch zum Beispiel, dass sie mit ein und demselben Ticket alle Nahverkehrsmittel, den Zug, den Bus, die Straßenbahn und die Fähre nutzen können. Außerdem wird die Aufteilung in Tarifzonen erklärt und wie sich daraus die Ticketpreise ergeben. Auch die Frage, wo die Tickets für die einzelnen Verkehrsmittel gekauft und gelöst werden müssen, wird beantwortet.