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Wurzel des Christentums studiert

Seit 1. September haben die beiden Kirchgemeinden Schwepnitz und Cunnersdorf eine neue Pfarrerin: CLAUDIA WOLF. Am Sonntag, dem 5. Oktober, 14 Uhr findet ihre feierliche Ordination in der Kirche zu Schwepnitz statt. SZ sprach jetzt mit der jungen Frau.

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Von Das Gespräch führte Karl Georg Mantel.

Stammen Sie aus der Lausitz?

Nein, ich bin in Meerane geboren und zur Schule gegangen. Hier liegen auch meine Wurzeln als Christin. Es war der übliche Weg. Christenlehre, Kurrende, (Chor) und Junge Gemeinde.

Stammt ihr Berufswunsch aus dieser Zeit?

Eigentlich schon. Ja, es war mein Wunsch Theologie zu studieren. Dann habe ich mich doch anders entschieden und begann 1988 ein Chemiestudium. 1991 erfüllte ich mir meinen Traum und begann das Theologiestudium.

Nicht jeder Christ wird Pfarrer. Worin lag Ihre Motivation?

In der Überlegung und dem Ziel, dem christlichen Glauben mit wissenschaftlichen Methoden nachzuspüren. Ich wollte meinen eigenen Glauben besser kennen lernen. Ich sehe die Bibel nicht als wissenschaftliches Dokument, sondern als Sammlung von Glaubenszeugnissen und Glaubenserfahrungen verschiedener Menschen.

Sie wählten mit Jerusalem eine ungewöhnliche Stätte für ihr Studium. Was hat Sie dazu bewogen?

(lacht) Erst begann alles ganz normal. Sprich, 1991 begann ich in Jena und über Marburg kam ich 1996 an die Hebräische Universität von Jerusalem. Doch um auf Ihre Frage zurückzukommen: Der Wunsch, in Jerusalem zu leben und zu studieren, kam schon 1993 während eines Touristikaufenthaltes.

Und die Gründe?

Es war mir wichtig, die Wurzeln des Christentums zu studieren. Zudem ist der jüdische Alltag einfach spannend. Sonntag fängt die Woche an und der Schabat (Samstag) ist der siebende Tag und da wird ausgeruht. Gut, als ich Weihnachten in der Uni saß, um zu studieren, das war schon etwas bemerkenswert. Aber es ist wie im normalen Leben auch: Das Eigene spürt man erst, wenn man mit anderen Kulturen oder Glaubensfragen konfrontiert wird. Immerhin gibt es in Jerusalem Christen, Juden und Moslems.

Und in welcher Sprache gab es die Vorlesungen?

In Neuhebräisch. Natürlich war das auch für mich schwierig, doch ich habe diese Sprache gelernt, weil ich es wollte. Heute noch träume ich in der Nacht hebräisch. Damit ich sie nicht ganz verlerne, habe ich Bücher und Musikbänder von Rockbands. Doch ist es schwierig, wenn man nicht jeden Tag diese Sprache artikulieren kann.

Wann beendeten Sie Ihr Studium und wo?

Das Examen legte ich 2000 in Deutschland ab. Anschließend habe ich im Gustav-Adolf-Werk gearbeitet. Ab 2001 begann die praktische Ausbildung zur Pfarrerin. In dieser Zeit pendelte ich zwischen Dresden und Leipzig hin und her. Ja und am 1. September diesen Jahres wurde ich vom Landeskirchenamt als Pfarrerin entsandt.

Hatten Sie Befürchtungen, dieses Amt nicht bewältigen zu können?

Ich wurde zwei Jahre lang intensiv darauf vorbereitet. Außerdem sehe ich es als Herausforderung an mich. Viel Zeit zum Überlegen gibt es nicht. Zudem wurde ich sehr gut aufgenommen. Das Umfeld stimmt, die Umgebung ist schön und ich habe gute Mitarbeiter.

Ihr Mann ist aber nicht hier.

Stimmt, mein Mann Michael Gärtner ist Vikar in Bischheim Häslich.

???

(lacht) Ich habe nach der Hochzeit meinen Namen behalten.

Was ist Ihnen für die Gegenwart und die nahe Zukunft wichtig?

Mit Schwepnitz und Cunnersdorf betreue ich zwei Gemeinden. Ich würde mir wünschen, dass es ein stärkeres Miteinander geben möge. Jugendarbeit ist wichtig und lohnt sich. Wir wollen gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Dazu kommt die lebendige Gestaltung des Gottesdienstes für Jung und Alt und die Präsenz unserer Kirche in der breiten Öffentlichkeit.