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Stolpen nach Preisgeld in der Klemme

Die Burgstadt kann bei Wettbewerben punkten. Kürzlich gab es wieder 250.000 Euro für ein deutschlandweit einmaliges Projekt. Das Ganze hat aber einen Haken.

Bei Wettbewerben hat Stolpen meist die Nase vorn. Jetzt wird die Stadt terminlich festgenagelt.
Bei Wettbewerben hat Stolpen meist die Nase vorn. Jetzt wird die Stadt terminlich festgenagelt. © Daniel Schäfer

Investitionen sollen in Stolpen keine Eintagsfliegen sein. Aus diesem Grund haben sich die Initiatoren des jüngsten Wettbewerbsprojektes "Das Stolpener Land - eine starke Gemeinschaft" auch verschiedene Aktionsfelder thematisiert, mit denen sie die Einwohner animieren wollen, selbst tätig zu werden und die sechs Ortsteile weiter zusammenschmieden. Das ganze ist in einem Spiel verpackt. Diese soll die ersten Impulse vermitteln. "Wir wollen deutschlandweit erstmalig das innovative Instrument des kollektiven Entwicklungsprozesses im ländlichen Raum anwenden", sagt Heike Gestring, Mitinitiatorin des Projektes. Stolpen ist damit Vorreiter bei einer speziellen Form, die Menschen zusammenzuführen. Und Stolpen wurde damit einer der Sieger des Wettbewerbes "Ideen für den ländlichen Raum" und bekam ein Preisgeld in Höhe von 250.000 Euro.

Jetzt geht es an die Umsetzung. Damit sich die Preisgeldgewinner damit nicht zu viel Zeit lassen oder das Geld versickert, schließt das sächsische Umweltministerium mit allen Gewinnern Verträge ab. Damit legen beide Vertragspartner fest, dass sie die Projekte umsetzen und das innerhalb von zwei Jahren. Einzige Ausnahme ist, wenn es keine weiteren Fördermittel für ein Vorhaben gibt, welches im Aktionsplan verankert ist. Aber selbst da muss sich die Stadt schnell um Ersatz bemühen.

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Das sind die Projekte aus dem Aktionsplan

Konkret für Stolpen heißt das, dass der Aktionsplan welcher zehn Projekte beinhaltet, innerhalb von zwei Jahren umgesetzt, zumindest aber geplant sein muss. Das zehnte Vorhaben, ein Amphitheater im Schwimmbad dürfte aber aus dem Plan fallen, da es eh als spätere Aktion eingestuft ist. Aber alle anderen stehen jetzt ganz oben auf der Prioritätenliste. Dazu gehören die symbolische Silberhochzeitsfeier als Auftakt des Spieles. Silberhochzeit deshalb, weil die Ortsteile mittlerweile schon über 25 Jahre zusammengehören. Die Begleitung des gesamten Projektes, die Marketingstrecke samt Homepage. Ein Radparcours sowie die Sanierung des ehemaligen Gasthofes Müller im Ortsteil Rennersdorf-Neudörfel als Rudis Community-Center stehen im Plan. Gedacht ist hier nicht nur an ein Vereinszentrum, sondern auch an einen Platz, wo sich Selbstständige, Kleinstunternehmer, Künstler und Freischaffende niederlassen können.


Gasthof Müller soll zu Rudis Community-Center werden, also nicht nur ein Vereinszentrum, sondern auch mit Platz für Selbstständige, Kleinstunternehmer, Künstler.
Gasthof Müller soll zu Rudis Community-Center werden, also nicht nur ein Vereinszentrum, sondern auch mit Platz für Selbstständige, Kleinstunternehmer, Künstler. © Weber

Im Aktionsplan steht außerdem, dass Picknick-Plätze mit Bewegungsinseln entstehen, Rad- und Gehwege hergerichtet und ein Fußwohlfühlpfad angelegt werden. Darüber hinaus ist ein Budget verankert, aus welchen die Veranstaltungen und Erlebnistage innerhalb dieses Projektes finanziert werden. Da alles bereits mit Kosten untersetzt ist, weiß man in Stolpen worauf man sich einstellen muss. Die Kosten für die neun Projekte belaufen sich auf 2,2 Millionen Euro. Um das zu finanzieren, muss Stolpen weitere Fördertöpfe nutzen.

Aus den Erfahrungen heraus könnte das eine langwierige Angelegenheit werden. Doch dafür ist keine Zeit. Bürgermeister Uwe Steglich (FDP) hat zwar einen Antrag gestellt, dass Stolpen drei Jahre Zeit bleiben, die Projekte anzugehen beziehungsweise umzusetzen. Auch wollte er geringfügige Abweichungen im Aktionsplan geltend machen. Keine Chance. Alles abgelehnt. Damit wird der Zeitplan sportlich.

Das Problem ist, dass man sich in Stolpen für den Wettbewerbsbeitrag samt Aktionsplan ein Preisgeld von reichlich 400.000 Euro erhofft hat. Doch es gab 250.000 Euro. Damit bleibt eine zusätzliche Finanzierungslücke von zwei Millionen Euro zu den geplanten Ausgaben. Das müsste nun mit Fördergeld und Eigenmitteln untersetzt werden. Derzeit wisse jedoch keiner, ob es für bestimmte Projekte wie Radparcours oder Ähnliches überhaupt noch staatliche Zuschüsse gebe. Deshalb hat die Stadt schon mal eine Liste angelegt, um im Notfall auch mit Ausweichprojekten reagieren zu können, die aber ebenfalls zum Aktionsplan passen müssen.

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