merken
PLUS

Xaver bringt Verwüstung und Schnee

Das Orkantief hat auch zwischen Löbau und Zittau gewütet. Noch ist das Unwetter nicht vorbei.

Von S. Paul, M. Klaus, C. Brestrich, M. Heinke, T. Solysiak, K. Zimmermann, K.-P. Längert und Thomas Mielke

Ingolf Sperling sitzt der Schreck noch in den Knochen. Nachdem er gestern seine Tochter in der Schkola Hartau abgeliefert hat, fuhr er auf dem Rückweg an der Zittauer Friedensstraße entlang – als es plötzlich gewaltig krachte. Gegen 7.25 Uhr flogen die Steine einer Mauer neben der „Dicken Bohne“ auf die Straße. Der Unternehmer glaubte zunächst, dass dort Abrissarbeiten im Gange sind. Nach einer Runde ums Karree wurde dem Hirschfelder aber klar: Das war Xaver. Die Mauer war errichtet worden, um die nach dem Abriss eines Hauses entstandene Lücke zu schließen.

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Oppacher füllt Heimat in Flaschen ab und überzeugt seine Kunden mit regionalem Mineralwasser in ausgezeichneter Qualität.

Nicht nur auf der Zittauer Friedensstraße hat das Orkantief mit Spitzengeschwindigkeiten in der Oberlausitz von über 100 Kilometern pro Stunde Glätte und viel Schnee gestern Schäden angerichtet. Auf der neuen B 178 bei Obercunnersdorf kippte der Wind gestern Nacht einen Laster um. Auf der alten B 178 bei Großhennersdorf ist einer von der vereisten Straße gerutscht und ebenfalls umgekippt. Der 41-Jährige fuhr in Richtung Zittau und wollte in der Kurve an der Lindenallee in dem Herrnhuter Ortsteil seinen MAN abbremsen, geriet nach rechts von der Fahrbahn ab und rutschte in den Straßengraben. „Am Lkw entstand etwa 1 000 Euro Sachschaden, der Fahrer blieb zum Glück unverletzt“, teilte die Polizei mit. Beide Fahrzeuge sind inzwischen geborgen. Weitere Brummis waren auf der B178, unter anderem eben in Großhennersdorf und in Strawalde, liegengeblieben. Im Gebirge waren die Straßen trotz Schnees meist eisfrei.

Die Probleme auf der B 178 bestätigt auch Alfons Dienel, Chef des Kraftverkehrs Dreiländereck. So kam es wegen überfrierenden Regens oder Schneeregens zu Verspätungen. „Auch wenn das für den ein oder anderen ärgerlich gewesen ist: Sicherheit geht vor Pünktlichkeit“, sagte Dienel.

Von einem Neubaublock in der Zittauer Straße der Freundschaft fegte der Sturm gestern ein riesiges Stück Dachpappe. Die Feuerwehr musste am Vormittag zu einem Einsatz ausrücken. „Die Kameraden haben den Bereich um das Gebäude abgesperrt und die restliche Pappe entfernt“, sagte Zittaus Feuerwehrchef Lothar Reichbodt. Noch vor dem Mittag war der Einsatz beendet. „Die Zittauer Wohnbaugesellschaft hat danach die Hauseingänge sichern lassen und eine Dachdeckerfirma beauftragt“, sagt Geschäftsführerin Uta-Sylke Standke. Wegen des anhaltenden Sturmes konnte im Moment aber noch kein Gerüst aufgestellt werden. „Die Mieter sind informiert. Sie können derzeit nur die Hinterausgänge nutzen“, so Frau Standke. Mit einem Bauzaun ist der Bereich vor dem Haus abgesperrt. Auch die Parkplätze sind nicht zugänglich. Die Versicherung ist verständigt. Durch die Dachpappe ist im Erdgeschoss ein Fenster zerstört worden. „Den Schaden können wir aktuell nur schätzen.“ Vermutlich wird er sich zwischen 30 000 und 40 000 Euro bewegen.

Darüber hinaus ist auf deutscher Seite offenbar nichts Schlimmeres passiert. „Uns sind nur kleinere Schäden bekannt, das Ganze scheint bislang glimpflich ausgegangen zu sein“, sagte Marina Michel von der Pressestelle des Landkreises gestern Vormittag. In Zittau und Bautzen stürzten laut Polizei Dachziegel, Solarplatten und andere Dachaufbauten zu Boden und beschädigten parkende Autos. Vor allem umgeknickte Bäume und abgerissene Äste beschäftigten Feuerwehren und Gemeindeangestellte in der Nacht und versperrten Straßen. Das passierte in Lawalde samt Ortsteil Lauba, Neugersdorf, Löbau, Niedercunnersdorf, Olbersdorf, Oderwitz und Seifhennersdorf. Auf der Bahnhofstraße in Großschönau ist ein Baum zwar nicht entwurzelt, dafür aber in Schieflage geraten. Laut Gemeindeverwaltung hat der Bauhof den Baum inzwischen gefällt.

In den anderen Städten und Gemeinden des Altkreises Löbau-Zittau ist es offenbar ruhig geblieben. „Außer ein paar umgefallenen Mülltonen habe ich nichts gesehen“, sagte zum Beispiel Albrecht Gubsch, Leiter des Bau- und Ordnungsamtes Neusalza-Spremberg.

Auch an der Grenze hat Xaver nicht Halt gemacht. In Jablonec (Gablonz) ist der Weihnachtsbaum auf dem Markt samt Beleuchtung vom Wind abgeknickt worden. In der kommenden Woche soll aber schon ein neuer aufgebaut werden, hieß es aus dem Büro des Oberbürgermeisters. In Bílý Kostel (Weißkirchen) hat der Sturm einen Baum in eine Hochspannungsleitung geworfen. In Václavice (Wetzwalde) musste die Feuerwehr sechs umgefallene bergen. Im Schluckenauer Zipfel waren gestern Dutzende Haushalte ohne Strom, schreibt die Zeitung Deník. In Rybniste (Teichstatt) lag ein Baum auf den Eisenbahngleisen. Die Feuerwehr von Varnsdorf wurde an einen Supermarkt gerufen, wo sich Bleche einer Reklametafel lösten und Fußgänger bedrohten.

Im polnischen Nachbarkreis Zgorzelec (Görlitz) rückte die Feuerwehr 22 Mal aus.Die Brandschützer entfernten wie ihre deutschen Kollegen vor allem entwurzelte Bäume und abgebrochene Äste. Heftige Windböen führten darüber hinaus zu abgerissenen Stromleitungen und Beschädigungen von Dächern wie auch in Sieniawka (Kleinschönau). Dort hatte der Sturm das Dach eines Wirtschaftshauses abgedeckt.

Noch ist „Xaver“ auch nicht Geschichte. Der Deutsche Wetterdienst warnt für den Landkreis Görlitz auch heute vor Unwetter mit starken Windböen, Glatteis und Neuschnee.Auf ein Wort