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Xaver rüttelt den Landkreis durch

So heftig wie erwartet war der Sturm nicht, trotzdem gab es einige heftige Überraschungen.

© Uwe Soeder

War’ s das schon? Ungläubige Blicke gingen am Freitagmorgen in Richtung Himmel. Zwar hatte Sturmtief Xaver in den Stunden zuvor kräftig an Häusern und Bäumen gerüttelt – allerdings ohne größere Schäden anzurichten. Gerade einmal zwei ernsthafte Sturmeinsätze fuhr die Bautzener Feuerwehr in der Nacht: Am Tunnel der Westtangente kippte ein Schild um. Neben dem Spreehotel am Bautzener Stausee erwischte es einen alten Baum.

Im Oberland meldeten Sohland und Taubenheim Schäden: In Sohland fielen kurz vor dem Fußgänger-Grenzübergang in Neudorf mehrere Bäume auf die Hainspacher Straße. In Taubenheim stürzte ein Baum auf die Albert-Schweitzer-Straße. In beiden Fällen sorgten Mitarbeiter des Bauhofes rasch für freie Fahrt.

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Ähnlich fiel die Bilanz der Polizei für den gesamten Landkreis aus: Hier und da stürzten in der Nacht größere Äste auf die Fahrbahn, bei Großharthau flogen Teile einer Baustellen-Ampel weg. In Wiesa bei Kamenz riss eine Stromleitung.

Doch rasch zeigte sich gestern Morgen, was die Fachleute angekündigt hatten: Dieser Sturm hat mehr Puste als gewöhnlich. Immer wieder meldete sich Xaver mit kräftigen Windböen zurück. Eine Herausforderung vor allem für die Autofahrer. Und so erwischte es gestern gleich mehrere Lkw, unter anderem auf der Straße von Pließkowitz nach Malschwitz: Dort wurde am Morgen ein Kieslaster so unglücklich von einer Windböe getroffen, dass er von der Straße abkam und in den Straßengraben kippte. Schaden laut Polizei: 20 000 Euro.

Einen weiteren Lkw legte es zwischen dem Kreisverkehr bei Dreistern und der Straße nach Neukirch flach. Der 40-Tonner aus der Nähe war nur mit leichten Metallregalen beladen. Der Fahrer versuchte zwar gegenzusteuern, konnte aber nichts mehr ausrichten. Zum Glück blieb er unverletzt. Der Rettungsdienst kümmert sich um den Mann, auch die Feuerwehren aus Göda und Nedaschütz waren vor Ort. Die Straße wurde für die Bergung gesperrt.

Gleich zwei Lastwagen landeten auf der B  178 auf der Seite: der eine rutschte bei Großhennersdorf von der spiegelglatten Straße, der andere wurde bei Obercunnersdorf von einer Windböe erfasst.

Neben den LKW waren es vor allem immer wieder Bäume, welche die Straßen blockierten. Am Morgen lagen zwischen Lieske und Commerau drei Stämme quer. Die Feuerwehren von Guttau, Kleinsaubernitz und Neudorf räumten sie fort. Zwischen Wurschen und Rodewitz packten die Kameraden aus Wurschen und Drehsa zu. Auch hier blockierte ein Baum die Fahrbahn. Ebenso wie in Neukirch und zwischen Luga und Loga.

In Weißenberg musste der Bauhof auf die Nieskyer Straße ausrücken. Im Garten eines Anwohners war eine Lärche umgefallen. Die Krone stürzte auf eine Telekomleitung, die riss zum Glück nicht durch.

In Radibor holte der Bauhof nahe der Kirche einen dicken Ast vom Dorfplatz. In Großdubrau ging zwar kurz nach 10 Uhr die Sirene. In diesem Fall traf Xaver jedoch keine Schuld. In der Bioverwertungsgesellschaft brannte ein Holzschredder.

Auf das Konto des Sturms ging allerdings ein Zwischenfall im Bautzener Wohngebiet Gesundbrunnen. Dort hatte sich auf einem Flachdach an der Curiestraße die Solaranlage gelöst. Eine Platte war bereits abgerissen. Immerhin: Die Bautzener Berufsfeuerwehr hatte von der Feuerwache aus keine weite Anreise. Die Kameraden kannten die Neubaublöcke zudem. Denn in der Curiestraße waren erst vor zwei Jahren bei starkem Wind Solaranlagen vom Dach gestürzt. Damals gab es lange Debatten, ob deren Bau überhaupt genehmigt worden war. Der Vermieter ließ bei der Befestigung nachbessern – offenbar aber nur mit mäßigem Erfolg.

Am Nachmittag fiel dann tatsächlich Schnee, allerdings viel weniger als angekündigt. Meist grieselte es nur. In Sohland lag am Abend eine zarte weiße Schicht, etwa einen Zentimeter dick. Der Winterdienst war dort schon ab dem Nachmittag unterwegs. Die Mitarbeiter kontrollierten die Straßen und streuten auf den Hauptstrecken Salz, um Glätte zu vermeiden.

Die Bautzener Straßenmeisterei setzte im gesamten Gebiet Winterdienst-Fahrzeuge ein. Ebenfalls um Schneematsch und Glätte vorzubeugen. Allerdings blieb die Streuanlage vorerst auf der niedrigsten Stufe, so dass nur fünf Gramm Salz auf jeden Quadratmeter Straße geschleudert wurden. Weil der große Wintereinbruch ausblieb, genügte fürs Erste auch der normale Zwei-Schicht-Dienst, der von früh um drei bis 22 Uhr dauert. (SZ)