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Xavier Naidoo in Dresden verurteilt

Die Anwälte des Sängers haben vergeblich versucht, das Bußgeld wegen zu schnellen Fahrens abzuwenden. Beendet ist die Sache aber wohl nicht.

Xavier Naidoo stand in Dresden vor Gericht, weil er geblitzt wurde und das Bußgeld nicht bezahlte.
Xavier Naidoo stand in Dresden vor Gericht, weil er geblitzt wurde und das Bußgeld nicht bezahlte. © Alexandra Wey/KEYSTONE/dpa

Dresden. Der bekannte Soulsänger und derzeitige Juror von „Deutschland sucht den Superstar“ Xavier Naidoo ist mit seinem Einspruch gegen ein Raser-Bußgeld abgeblitzt. Der 47-jährige Mannheimer wurde am Donnerstag am Amtsgericht Dresden verurteilt. 

Zwei Sitzungstage lang hatten seine Verteidiger vergeblich versucht, das Punkte-Konto ihres Mandanten nicht noch mehr zu belasten. Naidoo selbst hatte an dem Prozess nicht teilgenommen. Weil er nicht bestreitet, gefahren zu sein, war sein Erscheinen nicht erforderlich.

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Naidoo war am 1. Juli 2017 mit seiner Band, den „Söhnen Mannheims“, in der Dresdner Jungen Garde aufgetreten. Viele Zugaben scheinen die Musiker nicht gegeben zu haben, denn Naidoo wurde schon um 22.05 Uhr gut vier Kilometer entfernt in seinem Bentley geblitzt – an einer stationären Tempomessanlage an der Kreuzung Dohnaer-/Fritz-Meinhardt-Straße.

Naidoo hatte 76 Stundenkilometer auf dem Tacho. Nach Abzug aller Toleranzen blieb eine Übertretung von 23 km/h. Erlaubt ist dort Tempo 50. Mit Raserknöllchen hat Naidoo Erfahrung. Wegen mehrerer Verstöße in seinem sogenannten Fahreignungsregister verknackte die Dresdner Bußgeldstelle den Promi neben einem Punkt in Flensburg zu einem Bußgeld von 130 statt der üblichen 80 Euro.

Nun begannen die Probleme, denn zunächst passierte nichts. Naidoo war einfach nicht erreichbar. Fast ein Jahr lang stellte die Dresdner Behörde dem Mannheimer vergeblich ihre Bußgeldbescheide zu. Die Post kam stets zurück. Mal hieß es, Naidoo wohne dort nicht, er sei unbekannt verzogen oder über eine andere Person zu laden. Selbst die Hilfe der Stadt Mannheim blieb ohne Erfolg. Ihr bekannter Sohn ist zwar im Melderegister gesperrt, doch seine Adresse ist selbstverständlich bekannt. Einen Testbrief der Stadt Mannheim hatte Naidoo jedenfalls prompt beantwortet. Auch die Dresdner hatten stets die korrekte Aschrift. Hat Naidoo die Behörden monatelang genarrt? Diese Frage blieb bis zuletzt offen.

Der Sänger meldete sich erst, nachdem sein Fall im Mai 2018 im Dresdner Rathaus öffentlich zugestellt, also bekannt gemacht worden war. Seitdem verstrich nun wieder fast ein Jahr, weil Naidoo nun auch für das Amtsgericht Dresden nicht zu laden war. Wieder scheiterten Postzustellungen, sodass Richterin Annegret Lissel sogar die Polizei einschaltete.

Naidoos hatte zwei Anwälte von Mannheim nach Dresden geschickt, um sein Knöllchen anzufechten. Die Ausputzer griffen alle möglichen Schwachpunkte des Verfahrens an. Die Messung, die Messanlage, Eich- und Wartungsprotokolle, sogar die Schulung des Wartungsmechanikers. Am zweiten Sitzungstag musste ein Sachverständiger ein Gutachten abliefern. Das Bußgeldverfahren sei ohnehin längst verjährt, argumentierten die Anwälte und kritisierten die Dresdner Bußgeldbehörde. Die „öffentliche Zustellung“ im Rathaus sei „rechtswidrig“. Eine solche Aktion sei nur als letztes Mittel möglich, wenn alle anderen Maßnahmen, etwa auch die Hilfe der Polizei, erfolglos geblieben seien.

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In bisweilen scharfen Tönen herrschte einer der Anwälte Richterin Lissel an, verbat sich, dass sie den Kopf schüttelte oder zum Sachverständigen schaut. Richterin Lissel ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Sie verurteilte Naidoo zur Zahlung eines Bußgelds von 80 Euro und den Verfahrenskosten. Die Voreinträge im Verkehrsregister des Sängers seien inzwischen getilgt, auch wenn Naidoo kurz vor der Raserei in Dresden erneut geblitzt worden war und wieder einen Punkt bekommen hatte. Ihrer Meinung nach sei die Sache weder verjährt, noch die öffentliche Zustellung rechtswidrig. Naidoo und seine Anwälte könnten die Frage jedoch vor dem Oberlandesgericht Dresden klären lassen.

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