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Yellow Cap zwischen Bühne und Strand

Die Görlitzer Skaband war zum zweiten Mal in Brasilien unterwegs. Die nächste Tour ist schon in Planung.

Von Ingo Kramer

Alles begann mit einer kleinen Katastrophe. Monatelang hatte sich die Görlitzer Skaband Yellow Cap auf ihre zweite große Brasilien-Tournee vorbereitet und dann das: „Die geplante Karneval-Konzert-Woche mit fünf Auftritten ist uns kurz vor dem Tourstart abgesagt worden“, berichtet Sänger Kay Natusch. Die Kulturorganisation, mit der die Band dazu kooperierte, entschied sich kurz vorher, das Geld lieber in die Fußball-WM zu stecken.

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Neben den Auftritten blieb den Musikern von Yellow Cap genug Zeit für die brasilianischen Strände, hier zum Beispiel im Fischerdorf Trindade, in dem die Band fünf Tage verbrachte und vier weitere Konzerte spielte.
Neben den Auftritten blieb den Musikern von Yellow Cap genug Zeit für die brasilianischen Strände, hier zum Beispiel im Fischerdorf Trindade, in dem die Band fünf Tage verbrachte und vier weitere Konzerte spielte.

Die Folge war nicht nur die Lücke im Terminkalender, sondern auch, dass die Musiker in der ersten Woche im Linienbus statt im eigenen Tourbus reisen mussten – mitsamt der im Flugzeug mitgebrachten Instrumente. „Aber egal, wir hatten trotzdem eine sehr lustige, erfolgreiche und erlebnisreiche Woche“, so der Sänger: „Den Rest der Zeit waren wir mit Tourbus und Chauffeur unterwegs.“ Das Schlagzeug und größere Technik hatten die Musiker nicht dabei. Das wurde jeweils vor Ort gestellt.

Insgesamt sind die neun Musiker auf der dreiwöchigen Tour bei 13 Konzerten aufgetreten. „Beim Karnevalskonzert in Belo Horizonte waren ungefähr 30 000 Menschen vor der Bühne“, sagt Kay Natusch. Bei den anderen Konzerten sah es ganz unterschiedlich aus: Mal hat die Band vor 50 Leuten entspannt am Strand von Trindade mit traumhafter Kulisse gespielt, dann wieder in Clubs und Konzertsälen vor etwa 400 bis 800 Leuten und schließlich auf weiteren Festivals mit rund 6 000 Zuschauern. Wie viele Menschen es alles in allem waren, kann keiner so genau sagen.

Doch für die Band standen auch nicht die Zahlen im Mittelpunkt, sondern der Spaß. Vor der Tour nämlich fühlten sich die neun Musiker, die verteilt auf die Städte Dresden, Görlitz und Berlin leben, ziemlich urlaubsreif. „Eine dreiwöchige Auszeit bedeutete für uns alle immensen Stress vorab“, sagt Thomas Kühn, der bei Yellow Cap Percussion spielt, also Schlaginstrumente. „Tausend Dinge sind noch zu erledigen, bevor man verschwindet“, erzählt er. Zur Entschädigung für den Stress gab es Orte wie Trindade. Das Fischerdorf hat vorn den Strand und den blauen Ozean, hinten den Regenwald. „Die fünf Tage dort sind so langsam vergangen wie anderenorts zwei Wochen“, sagt Thomas Kühn. Die Gefahr sei groß, dort einfach hängen zu bleiben, denn außer Badeshorts brauche man nicht viel zum Glücklichsein. Yellow Cap haben dort vier in jeder Beziehung außergewöhnliche Konzerte gespielt – mit einem Minimum an Technik, dafür aber jeder Menge guter Laune und einem paradiesischen Panorama. „Der einzige Haken daran war, dass wir Trindade irgendwann wieder verlassen mussten“, sagt der Percussionist.

Dass Yellow Cap nach 2013 zum zweiten Mal in Brasilien waren, haben sie Kay Natusch zu verdanken: Er war privat schon dreimal in dem Land unterwegs. Durch seine Kontakte und durch seine Arbeit sind auch die Tourneen zustande gekommen: Kay Natusch hat sein Masterstudium in Kultur und Management abgeschlossen und bewegt sich in Richtung Selbstständigkeit. Dabei baut er sich auch eine Kooperation mit einem brasilianischen Kulturunternehmen auf. Ziel ist es, europäische Künstler zwischen Zuckerhut und Amazonas auftreten zu lassen und umgekehrt Brasilianer in Deutschland und Tschechien. Schon jetzt steht fest, dass Yellow Cap nächstes Jahr wieder in Brasilien touren. Finanziell hat es ihnen dieses Jahr allerdings nichts gebracht. „Wir sind mal wieder bei plus/minus null, mit noch mehr Fans und einer Menge wunderschöner Erfahrungen aus der Geschichte herausgegangen“, sagt der Frontmann. Alle Kosten sind gedeckt. „Nächstes Jahr kooperieren wir aber mit einem professionellen Unternehmen aus Sao Paulo und werden die Lorbeeren unserer Arbeit bei den ersten beiden Touren ernten können“, hofft er.