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Zabeltitzer rüsten sich für Radeburg

Tutti Frutti nennen die Faschingsfreunde ihr Bild für den Radeburger Umzug. Da sind freche Früchtchen zu erwarten.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Auffällig viele Autos parken derzeit immer am Sonnabendvormittag auf dem Straucher Weg in Zabeltitz. Hier treffen sich die Faschingsfreunde um Ingolf Seifert, um an ihrem Wagen für den Radeburger Volkskarneval am 2. März zu bauen. Um die 30 Leute – Männer, Frauen und Kinder – wuseln durch das Grundstück und den Partyraum der Hofmanns. Seit Jahresanfang haben sie nur noch eines im Sinn, und das heißt „Tutti Frutti“.

Farbenfroh und fruchtig soll der Umzugswagen werden. Dem diesjährigen Radeburger Faschingsmotto „Bunte RABUblik“ wollen die Faschingsfreunde eine besonders fruchtige Note geben. „Wir bauen einen Obststand und verkleiden uns auch als Früchte“, erzählt Ingolf Seifert. Dass sich die Zabeltitzer, Baudaer, Kleinthiemiger oder Großenhainer zum Obst machen, haben sie demokratisch abgestimmt. Doch sie wissen, was beim Faschingsumzug zählt: Je bunter, umso besser!

Auch Berliner und Thüringer dabei

Die Urgesteine der Gruppe sind schon seit 1978, also weit über 30 Jahre, beim jährlichen Radeburger Faschingsumzug dabei. „Mittlerweile sind wir ein richtig guter Freundeskreis, der auch privat viel unternimmt“, erzählt Joachim Weckwerth. Man feiert gemeinsam Geburtstag oder Silberhochzeit, man hilft sich, wenn Unterstützung gebraucht wird. Am Sonnabendabend stand just ein 30. Geburtstag auf dem Programm. Susann Schuster, die mittlerweile mit ihrer Familie in Berlin lebt, gab im Radeburger Sportlerheim einen aus. „Weiter zur Gruppe zu gehören, ist einfach dufte“, so die junge Mutter. Mindestens dreimal versucht sie, sonnabends vorm Umzug zur Vorbereitung nach Zabeltitz zu kommen.

Selbst aus Thüringen reisen Mitstreiter an: Bettina Tübel und Familie. Die gebürtige Kleinthiemigerin ist mit dem Fasching groß geworden, auch ihren Mann konnte sie mit der Karnevalleidenschaft anstecken. Der Sohn der Tübels lässt sich ebenfalls in ein Kostüm stecken. Sogar Enkelkinder machen schon mit. Einmal beim großen Radeburger Umzug nicht dabei zu sein, das würde keiner aus der Gruppe aushalten. Noch ist von allzu großer Hektik nichts zu merken. Die Männer beginnen mit sägen, bohren und nageln am Anhänger, der unter einer großen Plastikplane versteckt ist. Es riecht nach frischen Spänen. Einen Verkaufsstand zaubern die Herren hier hervor, obendrüber sind schon die Traversen montiert. Die hat Mark Seifert bereitgestellt. Denn der Verkaufsstand soll ordentlich leuchten. 3,70 Meter hoch wird der Wagen – die Maximalhöhe, um in Radeburg durchs Festzelt zu passen.

Joachim Weckwerth will als DJ den Laden rocken. Und die als Früchte verkleideten Laufteilnehmer werden echtes Obst an die Zuschauer am Straßenrand verteilen. Die kleinsten Mitstreiter sind übrigens die Kinder Adrian (5), Jonas und Benjamin (10).

Die Obstkostüme entstehen im Partyraum. Hier prüfen die Frauen, welches Material früherer Umzüge wiederverwendet werden kann. „Natürlich schauen wir, was wir aus alten Kostümen machen können“, sagt Ulrike Hofmann. Gemeinsam mit Angela Weckwerth und Gabi Schreier tüftelt sie an Ideen, die aufgehen. Denn die Kostüme müssen nicht nur nach was aussehen: Sie müssen auch passen und den ganzen Umzug durchhalten. „Kostümbildner müsste man sein“, sagt Ulrike Hofmann und schaut ihr Erdbeerkostüm an. Das sieht aus, als müsste es noch einmal überarbeitet werden. Vielleicht gibt’s ein paar Kniffe im Internet. Doch die ehemaligen Löwenzahnblätter aus grünem Filz können Fruchtstile werden. Ulrike Hofmann setzt einen auf den Kopf und erntet Zustimmung.

Durch Großenhain nach Radeburg

Während sich die Männer mit Bier bei Laune halten, gibt’s bei den Damen ein Gläschen Sekt zur Inspiration. Erst werden Prototypen gebaut – die alte DDR-Nähmaschine Veritas leistet ganze Arbeit – dann geht’s ans eigentliche Kostüm. „Jeder stellt selbst her, was er trägt“, sagt Bettina Tübel. So rattern auch in der Woche zu Hause abends die Nähmaschinen. Bis zum letzten Sonnabend vorm Umzug muss alles fertig sein. Dann geht es bei Hofmanns in Zabeltitz auch mal bis in die Abendstunden.

Doch den Spaß an der Sache lassen sich die Faschingsfreunde auch durch den größten Druck nicht nehmen. „Die tolle Stimmung in Radeburg und der Spaß in der Gruppe sind schließlich das, was uns zusammenhält“, unterstreicht Ingolf Seifert. Wenn dann auch noch ein erster Platz in Radeburg wie 1998 dazukommt – damals gingen die Faschingsfreunde als Fliegenpilze – dann sind die Karnevalisten im siebenten Himmel. Im Vorjahr kamen sie mit ihren Fieberthermometern immerhin auf den neunten Platz bei weit über 100 Teilnehmergruppen. Tatsächlich schafft es die Seifert-Gruppe meistens unter die ersten zehn.

Manfred Richter aus Skaup wird die lustigen Faschingsfreunde auch diesmal mit seiner Zugmaschine fahren. Von Zabeltitz aus geht es am 2. März um 9 Uhr los. Über Walda und Großenhain fährt der Wagen dann gen Radeburg. Wer ihn in Großenhain sehen will: Etwa 10.30 Uhr werden die frechen Früchtchen an jenem Sonntag das Rote Haus passieren. Ist Aschermittwoch dann vorüber, bleiben die Faschingsfreunde sich trotzdem treu: Zu Pfingsten fahren sie alle gemeinsam noch einmal ins Grüne.

2. März, 14 Uhr: großer Faschingsumzug in Radeburg, Eintritt: Erwachsene 3,50 Euro, Kinder bis 16 Jahre frei.

Motto: „Willkommen in der bunten RABUblik“. Das Mdr-Fernsehen will im Internet per Livestream übertragen.

www.rcc-radeburg.de