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Leben und Stil

Zählen Ausbildungszeiten in der DDR für die Rente?

Der Dresdner Rentenberater Christian Lindner erklärt, was anerkannt wird und was nicht.

Die Universität in Leipzig im Jahre 1975.
Die Universität in Leipzig im Jahre 1975. © ADN-ZB / Raphael

„Ich habe zu DDR-Zeiten an einer Fachhochschule studiert und später noch das Diplom gemacht. Wie wird das bei der Berechnung meiner Rente berücksichtigt?“

Wer eine Berufsausbildung im Rahmen eines betrieblichen Ausbildungsverhältnisses absolviert hat, erhält dafür eine Beitragszeit, die unabhängig vom Alter der Versicherten ab Ausbildungsbeginn angerechnet wird. Dies gilt auch für die Berufsausbildung mit Abitur in der DDR. Keine Beitragszeit ist dagegen die Variante „Abitur mit Berufsausbildung“, da dafür nach DDR-Recht keine Sozialversicherungspflicht bestand. Diese Zeit kann jedoch gegebenenfalls als Anrechnungszeit wegen einer Schulausbildung anerkannt werden.

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Der Besuch einer Schule, einer Fach- bzw. Hochschule oder einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme nach dem vollendeten 17. Lebensjahr sind Anrechnungszeiten – insgesamt bis maximal acht Jahre. Dies gilt jedoch nur für die Wartezeit (Mindestversicherungszeit, die Versicherte vor dem Renteneintritt zurückgelegt haben müssen) von 35 Jahren, die für den Anspruch auf Altersrente für langjährig Versicherte oder für die Altersrente für schwerbehinderte Menschen erfüllt sein muss.

Nicht berücksichtigt werden dagegen alle Ausbildungzeiten für die Wartezeit von 45 Jahren, die für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte erforderlich ist. Wer ein Direktstudium absolviert hat, wird deshalb häufig die Zugangsvoraussetzung zu dieser einzigen abschlagsfreien vorzeitigen Altersrentenart nicht erfüllen können.

Unterschied zwischen Fach- und Hochschulabschluss

Auf die Rentenhöhe wirken sich die Ausbildungsanrechnungszeiten unterschiedlich aus. Entgeltpunkte gibt es nur für Zeiten der Fachschulausbildung und der Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme. Bewertet werden maximal drei Jahre mit bis zu 0,75 Entgeltpunkten pro Jahr. Ein dreijähriger Fachschulbesuch nach Vollendung des 17. Lebensjahres kann also den monatlichen Rentenanspruch um bis zu 71,75 Euro (im Osten) erhöhen.

Seit 2004 wird zwischen Fach- und Hochschulabschluss unterschieden. Wer einen Fachschulabschluss in der DDR erworben hat, bleibt rentenrechtlich Fachschulabsolvent, auch wenn später noch ein Diplom erworben wurde. Insbesondere bei Versicherten, deren Kontenklärung schon länger zurückliegt, kommt es hier zu Fehlern. Versicherte, die in ihrem Versicherungsverlauf den Begriff „Hochschule“ finden, sollten daher immer überlegen, ob sie seinerzeit wirklich einen Hochschulabschluss erworben haben.

Sollte es sich nämlich um einen Fachschulabschluss gehandelt haben, müssen sie beim Rentenversicherungsträger unter Vorlage ihres damaligen Studienabschlusses eine Änderung beantragen. Im Ergebnis kann sich dadurch die Monatsrente um bis zu 71,75 Euro erhöhen. Auch wer bereits Rente bezieht, kann einen solchen Antrag stellen und erhält eine Nachzahlung für vier Jahre.

Der Fachhochschulbesuch gilt rentenrechtlich als Hochschulausbildung. Begann die Rente schon vor 2004, besteht kein Handlungsbedarf. Ohne Bedeutung für die Rente sind Zeiten eines Fernstudiums. Da dieses berufsbegleitend erfolgte, liegt in der Regel eine sich aus dem Beschäftigungsverhältnis ergebende Beitragszeit vor.

© Robert Michael

Christian Lindner ist selbstständiger Rentenberater in Dresden. Bei Sächsische.de beantwortet er regelmäßig Fragen von Lesern.