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Zähneputzen in der Ziller-Villa

Seit 1993 stehen in Deutschland am 2. Septembersonntag Denkmäler für Besucher offen. Besonders beliebt in der ständig steigenden Publikumsgunst sind solche, die sonst geschlossen sind. In diesem Jahr lassen sich einige Leute in ihre Wohnungen schauen.

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Von Katja Solbrig

Beim morgendlichen Augenaufschlag der erste Blick auf ein Deckengemälde, Speisen im historischen und Zähneputzen zwischen altem Holzgebälk – so in etwa muss es sich anfühlen, in einem Baudenkmal zu wohnen. Ob dem wirklich so ist, davon kann man sich am Sonntag ein eigenes Bild machen. Denn der Tag des offenen Denkmals steht in diesem Jahr unter dem Motto: Wohnen im Baudenkmal.

Der Verein für Denkmalpflege und neues Bauen wählte gemeinsam mit der Stadtverwaltung die sehenswürdigen Häuser für Radebeul aus. Im Mohrenhaus werden 10 Uhr Baubürgermeister Jörg Müller und Vereinsvorsitzender Thomas Gerlach den Tag eröffnen. Und das Mohrenhaus selbst steht an diesem Tag für alle Neugierigen offen. „So richtig wohnt da zwar keiner drin“, sagt Thomas Gerlach über die Heimstatt des Kinderschutzbundes. Aber wo Kinder spielen, da ist der Wohnanspruch nicht zu weit entfernt. „Die alte Ziller-Villa reizt durch ihren Zustand vor der Sanierung zur Besichtigung“, empfiehlt Gerlach, „hinter dem allgemeinen Glanz einer Sanierung verschwinden oft viele schöne Details, die man jetzt noch sehen kann.“ Halbstündlich gibt es Führungen durch die Villa.

Mindestens genauso reizvoll findet Gerlach die Villa Anabella. „Die sieht man sonst nur durch die Bäume schimmern, sie ist mit sehr viel Liebe und Verständnis saniert worden.“ Dafür bekamen ihre Bewohner im vergangenen Jahr den Bauherrenpreis. Elisabeth Fuchs wird 15 Uhr durch die 1898 erbaute Villa führen. Ähnlich spannend dürfte es in der Ziller-Villa in der Dr.-Schmincke-Allee 19 werden. Der Eigentümer Bernd Ringhoff wird 14, 15, 16 und 17 Uhr Schmuckstücke in Haus und Garten zeigen.

Heruntergucken, wo man sonst nur aufschaut

„Auch ein Besuch der Lutherkirche wird sich lohnen“, verspricht Gerlach. „Da schaut man plötzlich in Ecken, die man sonst nicht wahrnimmt.“ Und herunterschauen können die Besucher vom Turm der Lutherkirche, genauso wie vom Turm der Moritzburger Kirche. Auch die Alte Kirche in Coswig mit Pfarrhaus und Gemeindesaal steht Interessierten offen.

Thomas Gerlach sieht es für sich als Chance, dass Radebeul dieses Mal ein kleines, aber feines Programm zum Tag des Offenen Denkmals anbietet. „Dann schaffe ich es vielleicht endlich, auch noch nach Meißen oder Dresden zu fahren“, hofft er. In den vergangenen Jahren ist er nie dazu gekommen. S. 18