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Zäune am Lingnermarkt fallen

Auf dem beliebtesten Dresdner Wochenmarkt dürfen künftig mehr Händler arbeiten. Was Kunden und Anbieter dort und auf den anderen Märkten erwartet.

Die Zäune am Lingnerplatz werden abgebaut.
Die Zäune am Lingnerplatz werden abgebaut. © René Meinig

Dresden.  Es waren nur wenige Tage Ende März, an denen die Dresdner aufgrund des Corona-Lockdowns nicht auf  den zehn Wochenmärkten der Stadt einkaufen konnten. Schon ab 1. April wurden sie unter besonderen Hygienebedingungen wieder geöffnet. "Unser Ziel war es, dass die Kunden weiterhin die regionalen Produkte einkaufen konnten und den Händler zu helfen, die wirtschaftliche Krise bestmöglich zu überstehen", sagt Robert Franke, der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung. 

Das gelang natürlich nicht sofort und für alle. Zuerst hat das Marktamt die Händler ausgewählt, die Lebensmittel und andere leicht verderbliche Waren angeboten haben. 

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Wie wird das Angebot nun erweitert?

„Wir wollen lieber heute als morgen in den Normalzustand zurück, aber Corona ist noch nicht vorbei. Wir passen die Konzepte regelmäßig an die gesetzlichen Vorschriften und das Infektionsgeschehen an und lockern schrittweise und mit Augenmaß“, sagt Franke. Konkret sieht das auf dem Markt am Schillerplatz so aus, dass die Stände weitauseinandergezogen sind und die Fläche bis an das Elbufer erweitert wurde. Das funktioniere gut, sagt Madeleine Lukaß, die Verantwortliche für die Dresdner Wochenemärkte bei der Sächsischen Marktgilde. Die Stadt gibt dafür rund 1.000 Euro monatlich für zusätzliche Stromzuführungen aus.  

Auch auf Sachsens größtem Markt, dem Lingnermarkt, hat die Stadt die Standflächen  bis in Richtung der Halfpipe an der St. Petersburger Straße ausgedehnt. Statt Doppelreihen der Händler waren nur noch einfache zulässig. Doch jetzt wird weiter gelockert. Nicht nur die Zahl der Händler, die zunächst von 150 auf 75 reduziert werden musste, steigt jetzt wieder auf 100 an. Das Sortiment wird somit wieder breiter. "Bis zum Freitag bauen wir auch den Zaun ringsum ab. Damit gehen wir den nächsten Schritt und setzen auf mehr Eigenverantwortung", sagt der Wirtschaftsförderer, der auch das Straßen- und Tiefbauamt kommissarisch führt. Gab es anfangs noch Sicherheitsdienste, die auf das Einhalten der Abstände achteten, überwacht dies jetzt nur noch verstärktes Personal der Marktgilde wie am Schillerplatz auch.

Am Schillerplatz wurden die Marktstände weit auseinandergezogen.
Am Schillerplatz wurden die Marktstände weit auseinandergezogen. © René Meinig

Was passiert, wenn der Platz nicht reicht?

Zum Beispiel am Münchner Platz ist nicht genügend Raum, um die Stände auseinanderzuziehen. "Hier haben wir uns mit einem Rotationsprinzip beholfen, dass die Händler nur alle zwei Wochen kommen konnten", sagt Franke. Die Kundschaft sei dennoch froh gewesen, dass der Markt überhaupt wieder stattfinden kann. Über weitere Lockerungen werde nachgedacht.

Kommen die Kunden wie bisher?

Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es Dresdner, die darauf verzichten, auf die Märkte zu gehen, sagt Robert Franke. Genaue Umsatzzahlen kann Madeleine Lukaß von der Marktgilde nicht nennen. Doch habe sie im Gespräch mit den Händlern am Schillerplatz erfahren, dass diese von rund zehn bis 15 Prozent Umsatzrückgang sprechen. Das sei angesichts der schwierigen Situation ein guter Wert. 

Nach wie vor regelmäßig kommt Susann Klauß zum Schillerplatz, meist einmal pro Woche. "Ich kaufe hier oft regionales Obst und Gemüse und nur hier bekommen ich den Lieblingskäse meines Sohnes", sagt sie, die in der Nähe wohnt. "Außerdem kann man das schön mit einem Spaziergang an der Elbe verbinden und noch ein Fladenbrot mit Oliven zum Mittag mitnehmen." 

Insgesamt verzeichne das Amt für Wirtschaftsförderung das große Interesse an den Märkten in den Stadtteilen. "Das Einkaufen dort ist für die Kunden attraktiv und damit kommen auch weniger auf den Lingnermarkt, was wieder positive Auswirkungen auf die Abstandregeln hat."  

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Plant Dresden weitere Wochenmärkte?

Einer hat sogar schon geöffnet. "Mitten in der Corona-Krise startete am 2. April der Wochenmarkt am neu gestalteten Wasaplatz in Strehlen", sagt Franke. Seither bieten dort jeden Donnerstag und Sonnabend sechs Händler ein breites Angebot an Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs. Ohne die  notwendigen Sicherheitsabstände wäre Platz für bis zu zehn Händler.

Und es gibt ein weiteres Projekt, das noch dieses Jahr an den Start geht. Der Bönischplatz in der Johannstadt wird seit Ende März dieses Jahres umgebaut. Er soll weitaus attraktiver werden, als er es derzeit ist. Dazu beitragen soll auch ein Wochenmarkt. Auf einer Teilfläche an der östlichen Spitze des Bönischplatzes soll der nach Bauende im November 2020 mit bis zu zehn Händlern öffnen.

 „Wochenmärkte sind der Landeshauptstadt eine Herzensangelegenheit – wir wollen ihre Rolle weiter stärken. Sie sind nicht nur Wirtschaftsfaktor, sondern seit Jahrhunderten wichtiger Ort des gesellschaftlichen Miteinanders“, so Franke. Dresden wolle regionale Erzeuger und Händler fördern, das gehe am besten mit neuen Marktstandorten. An weiteren arbeite sein Amt, die seien aber noch nicht spruchreif.   

Sind weitere Lockerungen vorgesehen?

Laut Franke werde die Stadt die Regeln immer wieder an die aktuelle Situation anpassen. "Wir lernen ja daraus, was passiert, wenn wir mehr Händler zulassen. Möglicherweise kreuzen sich die Schlangen neben zwei Ständen, dann müssen wir umdisponieren." Insgesamt merke sein Amt aber, dass die meisten Marktbesucher sehr besonnen sind und sich an Regeln halten. Selbst die Querungs des Elberadweges, die am Schillerplatz nötig ist, um an die unteren Stände zu gelangen, sei bisher ohne Konflikte mit Radfahrern verlaufen. Bei allen Einschränkungen und Auflagen überwiege bei den Dresdnern die Zufriedenheit, dass so die Versorgung mit regionalen und frischen Lebensmitteln aufrechterhalten wird.  

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