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Zahl der Sex-Übergriffe steigt

Aber Corona ist nicht unbedingt ein Grund dafür. Seit Jahren gibt es das Phänomen.

Häusliche Gewalt: Die Zahl der Fälle, die dem Opferring Görlitz gemeldet werden, steigt.
Häusliche Gewalt: Die Zahl der Fälle, die dem Opferring Görlitz gemeldet werden, steigt. © dpa

Seit über 20 Jahren betreibt der Verein Opferhilfe Sachsen ein Büro in Görlitz. Häusliche Gewalt, Stalking, Körperverletzung Bedrohung und Nötigung - damit haben es  üblicherweise die Berater zu tun. Aber auch die sexualisierte Gewalt spielt eine große Rolle. 

Was trägt die Corona-Krise dazu bei? Bei der Polizei gehen aktuell nicht mehr Hinweise auf Gewalt und Missbrauch in der Familie ein als sonst - bundesweit gesehen. Holger Münch, Chef des Bundeskriminalamtes,  rät bei den Zahlen jedoch zu äußerster Vorsicht. Das Dunkelfeld sei sehr groß. Zudem könne die aufgrund der Corona-Auflagen verstärkte häusliche Isolation zu mehr Fällen von familiären Konflikten führen. Viele Familien lebten in einer Ausnahmesituation und hätten mitunter existenzielle Sorgen. Zugleich seien Kinder im Moment weniger in Kontakt mit Erziehern, Lehrern und Kinderärzten, die Sozialkontrolle sinke.

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Corona bringt nicht mehr Gewalt mit sich

Corona und mehr Gewalt in den Familien - zumindest die Opferhilfe Sachsen kann das für die Oberlausitz ebenfalls nicht bestätigen. "Die Fallzahlen, die uns gemeldet werden, steigen generell", sagt Josephine Hollmann von der Opferhilfe. Mit der Corona-Pandemie habe das aus ihrer Sicht nicht unbedingt etwas zu tun. Vielmehr sei die Gesellschaft zu dem Thema sensibilisiert worden, etwa durch Aktionen wie etwa Metoo. 

"Fälle häuslicher Gewalt gab es schon vor der Corona-Krise, so Josephine Hollmann.  Der Begriff "Opfer" habe  heute einen negativen Beigeschmack, schildert sie. Langsam käme es aber zu dem Bewusstsein, dass man Übergriffe melden müsse - deshalb auch die steigende Zahl von Fällen.

Häusliche Gewalt auch vor der Pandemie

Wichtig sei es, heißt es aus der Beratungsstelle Görlitz, dass dem oder der Betroffenen geglaubt wird. Wenn sich Aussagen widersprechen, diene dies meist dem Selbstschutz oder auch zum Schutz des Täters oder der Täterin. Diese Aussagen sollten trotzdem ernst genommen und geprüft werden. Unabhängig von einer Strafanzeige raten wir von eigenen Befragungen ab, heißt es von der Beratungsstelle in Görlitz.

Die Berater der Opferhilfe vermeiden es, die Tat zu besprechen oder ein Urteil zu fällen.  Eine Aussage könnte dadurch verändert oder im schlimmsten Fall vor Gericht nicht mehr verwertbar sein. Dennoch würden alle Aussagen ernst genommen und geprüft.  "Dem Opfer muss deutlich gemacht werden, dass nichts unternommen wird, was es nicht möchte, und die mögliche Bindung  zum Täter oder der Täterin sollte verstanden und akzeptiert werden", heißt es von der Görlitzer Opferhilfe.

In der Politik gibt es derzeit einige Veränderungen. Die Bundesregierung hat die Reform des Sexualstrafrechts beschlossen und möchte auf den Ernst der Lage und die Geschehnisse hinweisen. Die Haftstrafen als Folgen von sexualisierter Gewalt sollen höher angesetzt sowie der „minder schwere Fall“ abgeschafft werden. Nicht nur die Strafen für Täter und Täterinnen, sondern auch die Anforderungen an Richter und Richterinnen sowie Anwälte und Anwältinnen verschärfen sich. Die "Qualitätsanforderungen" sollen gesetzlich geregelt und eine Fortbildungspflicht angeschafft werden. 

Beratung und Telefonabsprache unter 03581 3299023.

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