merken
PLUS

Zahlen Seeligstädter künftig mehr fürs Abwasser?

Der Verband „Obere Röder“ will enger zusammenarbeiten und plant einheitliche Gebühren. Das gefällt nicht jedem.

Von Reiner Hanke

Was verbindet die Gemeinde Großharthau mit der Stadt Radeberg? Eines auf jeden Fall: der Abwasserkanal. Über 15 Kilometer schlängelt er sich durchs Rödertal und nimmt unter anderem im Großharthauer Ortsteil Seeligstadt Fracht auf. Es ist ein langer Weg, auf dem die stinkende Masse Höhen und Tiefen überwindet, bis sie nach Radeberg hinunter plätschern kann – Richtung Kläranlage. Auf einem Tiefpunkt sind derzeit die Beziehungen zwischen Radeberg und den Nachbarn in Sachen Abwasser angekommen. Verbindendes Element ist nämlich nicht nur das Kanalnetz, sondern auch ein Verband: der Abwasserzweckverband „Obere Röder“ mit Sitz auf dem Gelände der Kläranlage in Radeberg. Klärungsbedarf gibt es derzeit unter den Mitgliedern. Radeberg lehnte es jetzt ab, mit den anderen beteiligten Kommunen näher zusammenzurücken.

Anzeige
Die besten Arbeiten aus 2021
Die besten Arbeiten aus 2021

Maler, Tischler und Raumausstatter zeigen in njumii - das Bildungszentrum des Handwerks ihr ganzes Können: kreativ, innovativ und meisterhaft.

Die haben sich bisher in einem sogenannten Teilzweckverband zusammengetan. Der hat den Zweck, bestimmte Dienstleistungen für alle zu übernehmen. Zum Beispiel die Kanäle zu warten und zu reinigen. Was aber für die Bürger wichtig ist: Über die Gebühren entscheiden die Kommunen selbst. Die sind durchaus unterschiedlich. Die Gemeinden wollen aber schon seit Jahren enger zusammenrücken, und einen sogenannten Vollzweckverband gründen, auch mit einheitlichen Gebühren. Die sind der Knackpunkt.

Wegen der Gebühren will sich Radeberg zurückziehen aus dem Gemeinschaftsprojekt Vollverband, kündigte Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) jetzt an. Der Grund: Würde sich Radeberg mit den anderen Gemeinden zum Vollverband mit einheitlichen Gebühren zusammenschließen, müssten die Radeberger wesentlich tiefer in die Taschen greifen. „Wir müssten die Gebühren um gut 23 Prozent erhöhen – das wollen wir nicht und das machen wir auch nicht“, stellte der OB jetzt klar. Die anderen Mitglieder stößt das sauer auf. Das sind Großröhrsdorf, Arnsdorf, Bretnig-Hauswalde, Wachau und Großharthau. Sie ärgern sich vor allem über die nicht nachvollziehbare Berechnungsgrundlage. Die Verbandsgeschäftsführung habe drei dürre Seiten dazu vorgelegt und einen Einheitspreis von 2,82bis 2,97 Euro pro Kubikmeter Abwasser vorgeschlagen. Aber ohne eine wirkliche Analyse und ausreichend belastbares Datenmaterial für eine Gebührenkalkulation vorzulegen, beklagt Großröhrsdorf. So einfach wolle man den Zusammenschluss aber nicht platzen lassen. Die Kommunen forderten die Geschäftsführung auf, nachzubessern.

Nach dem vorliegenden Papier wären tatsächlich die Radeberger von höheren Gebühren betroffen. Derzeit sind 2,53 Euro fällig, in Großröhrsdorf 2,87 Euro, 2,92 in Arnsdorf zum Beispiel. Richtig profitieren könnte Bretnig-Hauswalde. Dort zahlen die Bürger derzeit 3,49 Euro. Freilich müsse ein solcher Verband auch nicht auf Teufel komm‘ raus durchgeboxt werden, schätzt Kerstin Ternes ein. Die Stadt habe einen funktionierenden Eigenbetrieb und könne dort selbst entscheiden. Gewisse Vorteile bringe es aber auch, wenn sich die Kommunen enger zusammenschließen, letztlich auch zum Nutzen der Bürger. Er könne ein stabileres Gebührenniveau sichern und sei finanzkräftiger, wenn es um Investitionen gehe. Davon könnte letztlich auch Radeberg profitieren und sollte den Vollverband nicht nur auf die Gebühren reduzieren, lässt Kerstin Ternes durchblicken. Gerade in Radeberg sei mit einem Investitionsrückstau beim Kanalbau zu rechnen.

So oder so werden die Abwassergebühren dieses Jahr noch in mehreren Kommunen eine Rolle spielen, Es deutet sich an, dass eher mit steigenden Gebühren zu rechnen ist.