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Zahn um Zahn

Ein 19-jähriger Mann aus Knobelsdorf soll vor Gericht falsch ausgesagt haben. Aber das Verfahren wird eingestellt.

Von Helene Krause

Selbst Richterin Marion Zöllner kommt die Verhandlung kurios vor. Anklage und Zeugenvernehmung drehten sich nur um einen Zahn des Angeklagten. Um welchen, blieb während des Prozesses offen.

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Vorgeworfen wird dem 19-Jährigen aus Knobelsdorf, am 20. September 2013 in einer Verhandlung vorm Amtsgericht Döbeln falsch ausgesagt zu haben. Damals erklärte er in der Zeugenvernehmung, dass der Angeklagte ihm einen Faustschlag ins Gesicht versetzt hätte. Durch den Schlag sei ihm ein Zahn abgesplittert. Welcher das war, wurde in der damaligen Verhandlung nicht bekannt. Angeklagt war ein Mann aus Grünlichtenberg. Er soll am 3. März 2013 den Exfreund seiner Stieftochter und dessen Freund geschlagen haben. Die beiden Geschädigten hatten das Mädchen mit dem Auto verfolgt. Sie standen vor dem Grundstück des Opfers und hörten laute Musik. Der Stiefvater verließ daraufhin das Haus und bat die beiden Stalker, wegzufahren. Doch sie blieben. Es kam zur Auseinandersetzung (DA berichtete).

Die 20-jährige Stieftochter des damaligen Angeklagten ist die einzige Zeugin in der Verhandlung. Nachdem sie erklärt, dass die Zähne des Angeklagten schon vor dem Vorfall vom 3. März 2013 abgesplittert waren, betrachten Richterin und Staatsanwältin Angelika Rickert die Zähne des Beschuldigten. Zuvor hatte der bestätigt, dass ihm bei der Auseinandersetzung mit dem Grünlichtenberger tatsächlich ein Zahn abgesplittert wäre. „Es war eine ganz kleine Ecke vom unteren, äußeren, rechten Schneidezahn.“ Beim Zahnarzt war er deswegen nicht. Auch ein paar andere Zähne zeigen Schäden. Nach Aussage der Zeugin war es einer der oberen Eckzähne.

Zum Erstaunen des Gerichts meldet sich ein Zuschauer. Er stellt sich als Rechtsanwalt Reinhold Franta aus Mittweida vor. „Ich bin der Anwalt des damaligen Angeklagten“, sagt er. Er hebt ein Foto des Beschuldigten hoch. Auf dem Bild ist deutlich zu sehen, dass dessen oberer rechter Schneidezahn abgebrochen ist.

Noch einmal appelliert Richterin Zöllner an den Beschuldigten, die Wahrheit zu sagen. Sie droht ihm, das Verfahren auszuweiten und seinen Zahnarzt als Zeugen zu vernehmen. Da der Beschuldigte bei seiner Aussage bleibt, wird die Verhandlung unterbrochen. Danach stellt das Gericht das Verfahren ein. „Es kann nicht zweifelsfrei festgestellt werden, welcher Zahn abgesplittert ist“, sagt Richterin Marion Zöllner. Außerdem ist der Angeklagte nicht vorbestraft und ihn treffe nur eine geringe Schuld.