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Zahnärzte haben kaum noch was zu tun

Jeder wird behandelt. Doch viele Patienten sind verängstigt. Bei Corona-Verdacht darf nur eine bestimmte Praxis bei Zahnschmerzen helfen.

Die Notfallversorgung in Zahnarztpraxen ist gesichert.
Die Notfallversorgung in Zahnarztpraxen ist gesichert. © Markus Scholz/dpa

Zeit zum Desinfizieren ist derzeit reichlich vorhanden. Türklinken, Wartezimmer, Tresen - alles ist geputzt, nur die Patienten fehlen. "In den Praxen ist derzeit nicht viel los. Die Menschen sind verängstigt", sagt Dr. Axel Pütz, der in einer Gemeinschaftspraxis in Pirna auf Patienten wartet. 

Auch wenn es eine Zeit lang ganz schön ist, dass die Arbeit ohne Hektik abläuft wie jetzt - das Ausbleiben der Patienten hat harte finanzielle Auswirkungen für die Zahnärzte. Denn sie werden nach den Behandlungen bezahlt, die sie abrechnen können. Weniger Behandlungen oder Vorsorgeuntersuchungen bedeuten weniger Einnahmen. "Je länger diese Situation dauert, desto mehr Zahnärzte werden Liquiditätsprobleme bekommen", sagt Dr. Pütz. Gerade für jüngere Zahnärzte, die gerade erst eine Praxis übernommen haben, ist das sehr belastend. Sie müssen meist noch Kredite bedienen ebenso wie jene Ärzte, die sich erst kürzlich neue Technik gekauft haben.

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Notbehandlungen müssen möglich sein

Manche Zahnärzte haben die Sprechzeiten wegen der Patienten-Flaute reduziert oder überlegen gar, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Ganz schließen dürfen die Zahnärzte ihre Praxis aber nicht. "Wir haben einen Sicherstellungs-Auftrag für Notbehandlungen und den erfüllen wir auch", sagt der Pirnaer Zahnarzt.

Dr. Pütz koordiniert auch die Vertretung von Zahnärzten in der Region. In seinem Bereich ist ihm nur eine Praxis bekannt, die wegen Umbaus vorübergehend geschlossen war. Probleme wegen Corona-Infektionen gibt es offenbar nicht.

Das bestätigt auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) Sachsen. "Wir haben im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nur eine Krankmeldung von einer Zahnärztin, die aber eine Vertretung benannt hat. Es müssten also weiterhin fast alle Praxen zur Verfügung stehen", erklärte KZV-Pressesprecherin Beate Riehme vor Kurzem auf Anfrage von Sächsische.de. In ganz Sachsen seien laut KZV weniger als 20 Prozent der Praxen aus unterschiedlichen Gründen geschlossen.

Jeder Patient mit Zahnschmerzen wird behandelt

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Praxis-Inhaber selbst zur besonders gefährdeten Personengruppe gehören. Problematisch werde es aber auch, wenn nicht mehr ausreichend Schutzausrüstung vorhanden ist. "Dann dient eine Praxis-Schließung durch Vermeidung unnötiger Kontakte dem Schutz der Patienten sowie des gesamten Praxisteams", erklärt Riehme.

Dann übernimmt eine andere Praxis die Vertretung. Dazu wurden regionale Notdienstpläne erarbeitet. Auch wenn es Umsatzeinbußen der Zahnärzte bedeutet, gelte es "abzuwägen zwischen der Behandlungsnotwendigkeit auf der einen Seite und dem Schutzbedürfnis aller Beteiligten auf der anderen Seite", so die KZV.

In der aktuellen Situation sollten Zahnarzt und Patient vor einem geplanten Behandlungstermin telefonisch besprechen, welche Behandlung im Moment geleistet werden kann beziehungsweise geleistet werden muss.

Es bleibe ganz klar dabei, dass jeder Patient mit Zahnschmerzen behandelt wird. "Dies gilt für gesunde ebenso wie für coronainfizierte Patienten", erklärt Riehme. Bei Letzteren gelte allerdings, sich nicht direkt in die Praxis zu begeben. Wer sich in Quarantäne befindet, hat ohnehin eine Kontakt-Telefonnummer des Gesundheitsamtes, über die ein Termin in einer Corona-Praxis vereinbart wird. Dahin würden auch die jeweiligen Heimat-Zahnärzte Patienten weiter vermitteln.

Für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist das eine Praxis in Dresden, die extra dafür eingerichtet wurde, auch nachweislich Corona-Infizierte oder sich in behördlich angeordneter Quarantäne befindliche Patienten zu behandeln, wenn es sich um einen unaufschiebbaren Notfall handelt. Für Vorsorgeuntersuchungen oder Ähnliches sind diese Praxen nicht vorgesehen.

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Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist der KZV bislang noch kein Fall bekannt, dass ein Corona-Infizierter in der Spezial-Praxis in Dresden behandelt worden wäre.

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