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Zahngold lässt Radieschen wachsen

Die Ottendorfer Praxis Stille sammelt immer ein Jahr lang das Altmetall ihrer Patienten. Der jetzige Erlös geht an das Louisenstift. Die Kinder haben auch schon Ideen für das Geld.

© Thorsten Eckert

Von Nadine Steinmann

Ottendorf-Okrilla. Nur 60 Gramm sind notwendig, um Kindern in Königsbrück ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Allerdings handelt es sich bei den 60 Gramm nicht um Gummibärchen oder Smarties. Nein, bei den 60 Gramm handelt es sich um Altmetall – gespendet von den Patienten der Ottendorfer Zahnarztpraxis Stille.

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Natürlich können die Kinder mit einer alten Krone oder einer alten Brücke nicht viel anfangen. Doch eingeschmolzen, ist das Altmetall stolze 1 427,69 Euro wert. Eine schöne Summe, die am Donnerstag Stefanie Wolf vom Louisenstift entgegennehmen durfte. Die junge Frau ist Teamleiterin der sogenannten Wohngruppe „fith“. Hier wohnen Kinder, die aufgrund traumatischer Erlebnisse vorübergehend nicht zuhause bei ihren Eltern sein können.

Der enge Kontakt zwischen der Wohngruppe und dem Team der Ottendorfer Zahnarztpraxis ist bereits im vergangenen Jahr entstanden. Denn die Schicksale der Kinder haben Zahnarzt Hagen Stille so berührt, dass er ihnen für den Sommer eine Gartendusche finanziert hat. „Die kam sehr oft zum Einsatz“, kann Stefanie Wolf lächelnd berichten. Und auch das nun gesammelte Geld soll in die Gestaltung des Gartens in Königsbrück fließen. „Die Kinder wollen ein Hochbeet bauen“,verrät die Teamleiterin. Im Anschluss wollen die kleinen Gärtner Kräuter, Radieschen oder Erdbeeren selbst anbauen. „Zusätzlich brauchen wir noch eine Überdachung für die neue Terrasse“, erklärt Stefanie Wolf. Das Geld der Ottendorfer Zahnarztpatienten ist also schon gut verplant.

Kinder in Königsbrück besucht

Als Dankeschön haben die Kinder der Königsbrücker Wohngruppe übrigens eine kleine Staffelei gebastelt. „Und zuckerfreie Bonbons haben wir ebenfalls mitgebracht“, berichtet die Teamleiterin lachend. Denn natürlich waren die Zahnprofis aus Ottendorf auch in Königsbrück zu Besuch, um mit den Kindern über gesundes Frühstück und richtiges Zähneputzen zu sprechen. Mit solchen Besuchen will das Team vor allem Vertrauen aufbauen und den Kindern die Angst vorm Zahnarzt nehmen. Dass Zucker schädlich für die Zähne ist, haben die Kinder sich durch diese Besuche immerhin gut gemerkt.

Mit der Spendenübergabe an das Louisenstift beginnt gleichzeitig ein neues Sammel-Jahr. Deshalb ruft die Zahnarztpraxis gemeinnützige Initiativen auf, sich zu bewerben. „Es müssen auch nicht zwingend Initiativen sein, die mit Kindern arbeiten. Der gemeinnützige Zweck liegt uns am Herzen“, erklärt Ines Zscharschuch, die in der Praxis unter anderem für das Marketing zuständig ist. Per Losverfahren entscheiden die Mitarbeiter, wer am Ende das gesammelte Altmetall gespendet bekommt. Wie viel dabei rauskommt, ist jedes Jahr aufs Neue eine Überraschung. „Auch wir machen die Box immer erst zum Schluss auf“, berichtet Ines Zscharschuch. Mit Sicherheit kann sie aber sagen, dass die Ottendorfer sehr großzügig sind. „Wir fragen immer, ob die Patienten das Altmetall mitnehmen wollen oder ob sie es spenden wollen“, berichtet die Praxis-Mitarbeiterin. Und die meisten entscheiden sich fürs Spenden. So kommen am Ende eines Aktionsjahres dann 60 Gramm Altmetall raus. 60 Gramm, die für Organisationen wie das Louisenstift und deren Kinder ein kleiner Segen sind.

Weitere Informationen sowie Kontaktmöglichkeiten finden Sie im Internet unter www.zahnarzt-stille.de