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Zankapfel Autowerkstatt

Seit gut zwei Jahren gibt es in Niederjahna einen Gewerbebetrieb für Fahrzeuge. Muss er jetzt schließen?

Streit gibt es um diese Autowerkstatt in Niederjahna, Stört sie den Denkmalschutz?
Streit gibt es um diese Autowerkstatt in Niederjahna, Stört sie den Denkmalschutz? © Claudia Hübschmann

Käbschütztal. Tony Wieczoreck war froh, als er vor gut zwei Jahren ein geeignetes Objekt für seinen kleinen Gewerbebetrieb fand.  Bisher hatte der 34-jährige Familienvater mit den Standorten für seine  freie Kfz-Werkstatt mit drei Angestellten wenig Glück. Seit 2007 ist der gelernte Werkzeugmacher selbstständig, hatte seine Firma am Nicolaisteg gegenüber dem Meißner Amtsgericht. Dort musste er raus, weil auf dem Gelände ein Supermarkt gebaut wurde. 

Vier Jahre war er dann in einem früheren Opel-Autohaus an der Niederauer Straße ansässig. Dort zog er aus, weil die Kaufverhandlungen scheiterten. Nun also Niederjahna. Das Grundstück gegenüber dem Herrenhaus,  in dem sich zuvor schon ein Handwerksbetrieb befand, war zu verkaufen. Tony Wiezcoreck schlug zu. Dass der Ort etwas abgelegen ist, nahm er in Kauf. Viele seiner Stammkunden hielten ihm die Treue. 

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Bauantrag mit "eklatanten Mängeln"

Das Geschäft lief gut, doch jetzt ziehen dunkle Gewitterwolken am Himmel auf. Nachdem er nachträglich einen Bauantrag gestellt hat, hat das jetzt Gegner auf den Plan gerufen. Denn der Gewerbebetrieb in dem beschaulichen Ort war von Anfang an nicht von allen wohlgelitten. Diese haben sich nun mit einem Einspruch gegen den Bauantrag an das Landratsamt Meißen gewandt und führen gewichtige Gründe auf. Aus ihrer Sicht ist die Nutzung des Gebäudes als Autohaus rechtswidrig und sei an diesem Standort nicht zulässig. Der Bauantrag enthalte eklatante Mängel. 

Bei dem Standort handele es sich um einen Teil der Scheunen des ehemaligen Rittergutes Niederjahna. Diese seien für landwirtschaftliche Nutzung zugelassen. Bis 2017 sei das fragliche Gebäude als Lagerraum genutzt worden. Die neue Nutzung stelle eine erhebliche Störung des Wohnumfeldes dar. Im Ortskern von Niederjahna überwiege die Wohnnutzung. Zahlreiche Familien mit kleinen Kindern würden durch den Betrieb gestört, beispielsweise durch den Anfahrts- und Abfahrtsverkehr der Kunden. Zudem sei auf dem Grundstück kein Platz für das Parken von Kundenfahrzeugen. Diese würden deshalb auf fremden Grundstücken und im öffentlichen Verkehrsraum abgestellt.

Kritisiert wird auch, dass der Denkmalschutz nicht ausreichend berücksichtigt werde. In der Nachbarschaft befänden sich mehrere unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Die betreffenden Kulturdenkmäler bildeten ein geschlossenes, zusammenhängendes Ensemble. Die Denkmaleigenschaft werde durch die gewerbliche Nutzung erheblich beeinträchtigt. Es sei ein Neubau aus mehreren Containern errichtet worden. Aus Sicht der Kritiker störe dieses Bauwerk die Denkmalumgebung erheblich. Störend für die umliegenden Kulturdenkmale seien auch anfahrende, parkende und abfahrende Fahrzeuge. Zudem wird fehlender Brandschutz und fehlender Umwelt- und Immissionsschutz beklagt.  Deshalb solle die "illegal vorgenommene Nutzungsänderung" nicht nachträglich legitimiert werden, fordern die Anwohner.

Nichts verändert, nur verschönert

Tony Wiezcoreck ist verwundert. "Es gibt rechtsgültige Bauvorbescheide des Landratsamtes von 2017", sagt er. Baulich sei an dem Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht und erst in den 1980er-Jahren als Maschinenhalle errichtet wurde, nichts verändert, es sei nur verschönert worden. Auch zuvor sei in dem Haus ein Gewerbebetrieb mit einem großen Maschinenpark ansässig gewesen. Zum linken Nachbarn sei eine Brandschutzwand errichtet worden. Auch die Untere Wasserschutzbehörde habe keine Bedenken angemeldet, habe eine Vor-Ort-Besichtigung durchgeführt. Der Boden in der Werkstatt sei ordnungsgemäß versiegelt. Die Firma verfüge auf dem Gelände über einen Privatparkplatz für 15 Fahrzeuge. "Seit mehr als einem Jahr steht kein Kundenfahrzeug mehr auf der Straße", sagt er. 

Wegen des Einspruchs hat der Gemeinderat den Punkt von der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung genommen. Er soll nun am 9. Juni behandelt werden. Allerdings ist es nicht die Gemeinde, die über den Bauantrag entscheidet, sie wird nur angehört.  "Selbst wenn wir dagegen wären, könnte das Landratsamt unseren Beschluss wieder aufheben, wenn für den Bauantrag alle Vorgaben eingehalten worden sind", sagt Käbschütztals Bürgermeister Uwe Klingor (CDU). Bei einer Genehmigung muss Wieczoreck allerdings mit einem Ordnungsgeld wegen des verspätet eingereichten Bauantrages rechnen.  

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