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Zankapfel Königsbrücker Straße

Vierspurig, zweispurig oder ein Kompromiss: Noch vor den Ferien könnte feststehen, wie die Holperpiste saniert wird.

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© Norbert Millauer

Von Tobias Wolf

Dresden. Sie entzweit Generationen von Politikern und erhitzt die Gemüter von Anwohnern und Pendlern: Die Sanierung der maroden Königsbrücker Straße. Um das „ob“ geht es schon lange nicht mehr, aber auch das „wie“ ist längst nicht ausgemacht, weil viele Interessen aufeinander prallen. Drei Sanierungsvorschläge hat Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung im Romain-Rolland-Gymnasium der Öffentlichkeit vorgestellt, die dort diskutiert wurden. Noch vor der Sommerpause soll der Stadtrat einen davon beschließen.

Die vierspurige autofreundliche Variante ist der Liebling von FDP und CDU. Dabei können Autos auch die Bahngleise befahren. Allerdings geht der durchgängig vierstreifige Ausbau zu Lasten von Fußgängern, weil nur schmale Gehwege neben die mindestens 17,50 Meter breite Fahrbahn passen. Die Gegner des Vorschlags sprechen von einer Autobahn, die die Flaniermeile Königsbrücker zerstört. Zwar würde auf vier Spuren der meiste Verkehr gebündelt und verteilt, aber die Zahl der Fahrzeuge nimmt stetig ab, die täglich über die Königsbrücker rollen. Zwischen Katharinen- und Louisenstraße hat sich der Verkehr seit 2012 sogar um 30 Prozent verringert, statt 25 000 Autos am Tag fahren dort nur noch 17 600. CDU und FDP halten dennoch am vierspurigen Ausbau fest und lehnen die zweispurige Variante ab. Eine nichtrepräsentative SZ-Umfrage im Internet kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Zwei Drittel der Stimmen entfallen auf die autofreundliche Variante. Immerhin ein Viertel ist für den zweispurigen Vorschlag.

Der ist der Liebling der Bürgerinitiative „Königsbrücker muss leben“, die ihre Argumente am Donnerstagabend noch einmal deutlich machte. Teilen sich Autos und Straßenbahnen nur eine Spur je Fahrtrichtung, bleibt Platz für breite Gehwege und Tische vor den Cafés. Dabei bliebe die Breite von 12,50 Meter inklusive eines neuen Radwegs erhalten. Allerdings verschlechtern sich die Verkehrsbedingungen gegenüber heute noch mehr, sagt Gunter Thiele, bau- und verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, die den Vorschlag ablehnt. Autos und Bahnen würden sich gegenseitig blockieren. Ein großer Teil des Durchgangsverkehrs verlagert sich in die benachbarten Wohngebiete. Ob zwei Spuren vom Freistaat überhaupt genehmigt, geschweige denn gefördert würde, ist unsicher.

Die wenigsten Stimmen in der SZ-Umfrage erhielt der Kompromissvorschlag. Nur acht Prozent befürworten ihn. Diese Mischung aus den beiden anderen Varianten, aber nur mit zwei Autospuren, wollen CDU und FDP ebenfalls nicht.

Zeit- und Geldverschwendung?

Zwischen Albertplatz und der Katharinenstraße sowie nördlich des Bischofswegs soll die Bahn bei diesem Vorschlag ein separates Gleisbett bekommen sowie daneben je eine Fahrspur und einen Radstreifen. Damit kommt die Bahn in diesen Abschnitten immer zügig voran, ohne mit im Stau zu stehen. Zwischen Katharinenstraße und Bischofsweg teilen sich Autos und Bahn wie bei der zweispurigen Variante einen Fahrstreifen, sodass Platz für breite Gehwege bleibt. Diesen Abschnitt bezeichnen CDU und FDP als „geplanten Flaschenhals“, der zur Staufalle nicht nur für Autos, sondern auch für die Straßenbahn werde. Die bisherige Staufalle an der Kreuzung Königsbrücker Straße/Bischofsweg soll durch einen simplen aber wirkungsvollen Planungstrick entschärft werden.

Bisher kommt es in Richtung Zentrum im Bereich der Bahnhaltestelle immer wieder zu Staus durch wartende Rechtsabbieger. Um diesen Konflikt zu beseitigen, soll die Haltestelle Bischofsweg in stadtwärtiger Richtung von der Nord- auf die Südseite direkt vor die Schauburg verlegt werden. Damit ist Platz für eine Geradeaus- und eine separate Rechtsabbiegespur. Kinobesucher können dann direkt vor der Schauburg aussteigen. Der Kompromissvorschlag ist die Vorzugsvariante des Rathauses, die nach bisherigem Stand wohl auch durch den Stadtrat bestätigt würde.

FDP-Fraktionschef Holger Zastrow nennt die neuen Pläne Zeit- und Geldverschwendung. Der alte schwarz-gelb dominierte Stadtrat hatte gegen die Stimmen des linken Lagers die vierspurige Variante beschlossen. Die neue rot-grün-rote Mehrheit hatte das nach der Kommunalwahl 2014 wieder rückgängig gemacht.