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Zittau

ZDF-Mann bescheinigt Zittau viel Potenzial

Der Sender hat am Abend vor der Morgenmagazin-Sendung zum Bürgerdialog in die Hochschule geladen. Sechs Mal gab es Beifall - nur zweimal für die Fernsehleute.

Die Mainzelmännchen zu Besuch auf dem Hochschul-Campus am Zittauer Stadtring.
Die Mainzelmännchen zu Besuch auf dem Hochschul-Campus am Zittauer Stadtring. © Foto: Matthias Weber

Das ist Balsam für die Zittauer Seele gewesen. Mitri Sirin, der bekannte ZDF-Moderator, ist gar nicht mehr aus dem Schwärmen über Zittau und die Umgebung rausgekommen. Als er am vergangenen Freitag zur Vorbereitung des heute früh zu weiten Teilen aus Zittau gesendeten ZDF-Morgenmagazin erstmals in der Region unterwegs war, Menschen befragte und Filme drehte, hat er einen Überblick bekommen. "Ich war beeindruckt", sagte er gestern Abend beim ZDF-Bürgerdialog im Hörsaal des Peter-Dierich-Hauses auf dem Hochschulcampus am Zittauer Stadtring.

In Berlin ist er noch im Bewusstsein der Probleme im Dreiländereck losgefahren. Über die Abwanderung ganzer Generationen, die De-Industrialisierung, die hohe Arbeitslosigkeit nach der Wende, die geringen Einkommen im Vergleich zum Rest Deutschlands hat er sich belesen. Deshalb wundert er sich auch nicht über das Ergebnis der jüngsten Bundestagswahl. Doch je näher er Zittau kam, desto schöner sei die Landschaft geworden, sagte Sirin gestern Abend auf die Frage aus dem Publikum, wie er sich auf die Sendung aus Zittau vorbereitet, sich der Region angenähert habe. 

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Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Als er in die Stadt fuhr, schoss es ihm eigenen Angaben zufolge durch den Kopf: "Hier sollen nur 25.000 Menschen leben? Die Stadt ist doch viel größer angelegt." Es sei toll, dass man hier in zehn Minuten durch drei Länder fahren könne. Und dann sei er in Zittau und Umgebung auf freundliche, aufgeschlossene Menschen getroffen, erzählte der 48-jährige Fernsehmann mit türkisch-syrischen Wurzeln. "Das passt eigentlich nicht zusammen." Er sehe hier so viel Potenzial und frage sich, warum es kaum Investitionen gebe.

Tosender Applaus war die Antwort des voll besetzten Hörsaals. Viele der Zittauer unterstrichen diese Sicht auf ihre Heimat. Dazu gehörte der 85-jährige Horst Seifert, einst Chef der HSG Turbine. Auch er bekam für seine Worte Beifall. Auf die andere Seite der Medaille, auf die noch nicht so schönen Ecken in Zittau, machte Gerd-Reiner Grocke aufmerksam. "Was ist Ihnen noch aufgefallen", fragte der Mann, der immer wieder mit Provokationen - unter anderem zu der aus seiner Sicht viel zu langsam fortschreitenden Innenstadtsanierung - öffentlich in Erscheinung getreten ist, Sirin. "Oder waren Sie nur auf dem Markt und der Neustadt?" Der ZDF-Moderator räumte daraufhin ein, dass noch nicht alles toll sei und nahm Grockes Einladung zu einem Stadtrundgang an.

Beim ZDF-Bürgerdialog, der von der SZ präsentiert wurde, im Internet live und nachträglich sowie in Ausschnitten heute früh im Moma gezeigt wurde, wollte der Sender eigentlich wissen, was den Menschen im Dreiländereck am ZDF gefällt und was nicht, sich der Kritik stellen. Der Schwerpunkt der Zittauer lag aber eher bei der regionalen Nabelschau. So gab es Beifall für die Kritik eines Bürgers, dass die Region zu wenig im Zweiten Deutschen Fernsehen vorkomme. "Wir sind ein nationaler Sender", antwortete Michael Bewerunge, Leiter des ZDF-Landesstudios Sachsen. Im Gegensatz zur ARD mit ihren Regionalsendern kann das ZDF nicht so häufig aus einzelnen Regionen berichten. Dazu kommt, dass der Blick des Senders vor allem dahin geht, wo für ganz Deutschland  bedeutende Ereignisse passieren. 

Chefredakteur Peter Frey gab aber auch unumwunden zu, dass das ZDF eine urwestdeutsche Institution ist, die eher Richtung Westen orientiert ist. Wenn es zum Beispiel um Europa geht, denken die Mainzelmänner eher an die deutsch-französische Grenze als an die deutsch-polnische. "Es dreht sich aber in Richtung Osten", sagte er. Dafür bekam er von den Zittauern anerkennenden Applaus. Ebenfalls kritisch äußerte sich ein Bürger über Zittaus Ambitionen auf die Kulturhauptstadt und die damit aus seiner Sicht zusammenhängenden finanziellen Risiken für die Stadt. Ein Fast-Abiturient, der daraufhin aufstand und die Idee verteidige, wurde mit unterstützendem Applaus bedacht. 

Kritische Fragen zur Arbeit des Senders gab es dann auch noch. Ob es wahr sei, dass die öffentlich rechtlichen Sender mehr Gebühren wollen, fragte eine Bürgerin. "Ja", sagte Frey. Seit vielen Jahren seien die Gebühren stabil geblieben, die Kosten aber gestiegen. "Ich glaube, dass wir das Geld wert sind." Bis es so weit sein könnte, dauert es aber noch. Frey erklärte den langen Weg bis dahin. Am Ende müssen die Länderparlamente zustimmen.

Ein Landwirt beschwerte sich, dass die Bauern im Zuge der Glyphosat-Debatte als "Schwerverbrecher" gebrandmarkt würden. In dem Zug ist "dem gesamten Volk die Wertschätzung abhanden gekommen", sagte er unter Applaus der Bürger und bat darum, dass sich die Fernsehleute wieder stärker den Aufgaben und Sorgen der Bauern zuwenden. 

Als ein weiteres kritisches Thema wurde die vermeintliche Voreingenommenheit der deutschen Sender im Allgemeinen und des ZDF im Besonderen gegenüber Themen wie Asyl und Russland angesprochen. Als Beispiel diente die Anmoderation von Nachrichten-Mann Claus Kleber, der am 4. April im heute-Journal die Bewegung von Nato-Truppen in Richtung Baltikum angekündigt hatte, um eine russische Invasion zurückzuschlagen - die es nie gab. Das ZDF erklärt den Vorfall damit, dass Kleber mit dieser Dramaturgie auf ein Was-wäre-wenn-Szenario hinleiten wollte. "Sie waren nicht der Einzige, der sich beschwert hat", antwortete der Chefredakteur dem Bürger und machte deutlich, dass das Stilmittel zumindest unglücklich gewesen ist. Man habe den Vorfall kritisch ausgewertet. Frey betonte aber, dass Kleber kein Russland-Basher sei und auch das ZDF nichts gegen Russland hat. Generell gilt bei dem Sender, dass jeder Zuschauerbrief, egal, ob freundlich oder kritisch, beantwortet wird. Fehler räumt das ZDF ein. Dafür hat der Sender im Internet eigens eine Rubrik eingerichtet. Schwerere Vorfälle werden im Fernsehrat, dem Aufsichtsgremium des Senders, öffentlich besprochen. 

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Wann der jüngste Fehler passiert sei, wollte jemand wissen. "Heute", hieß gestern die Antwort. Bei der Ankündigung des bald darauf stattfindenden EU-Gipfels in Rumänien habe man im Vorspann der Nachrichten ein Bild der Staatschefs gezeigt - was es aus Rumänien noch gar nicht geben konnte. Es war bei einem früheren Treffen in Salzburg aufgenommen worden. "Richtig fette Böcke haben wir in den letzten Jahren aber nicht geschossen", sagte der ZDF-Chefredakteur.

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