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Radeberg

Längere Zecken-Zeit durch milde Winter

Von den milden Wintern in der Region profitieren auch diese Spinnentiere, die mittlerweile ganzjährig aktiv sind.

Warnschilder mit der Aufschrift „Zecke“ sah man bisher nur in der warmen Jahreszeit. Gut möglich, dass man diese Hinweisschilder in der Region künftig auch im Winter aufstellen muss.
Warnschilder mit der Aufschrift „Zecke“ sah man bisher nur in der warmen Jahreszeit. Gut möglich, dass man diese Hinweisschilder in der Region künftig auch im Winter aufstellen muss. © Frank Rumpenhorst/dpa

Wer in diesen Tagen im Radeberger Umland unterwegs ist, per pedes oder mit dem Bike, und sich bei einer Rast im Wald oder auf einer Wiese aufhält, der sollte auf jeden Fall auf der Hut sein. Denn die Gefahr von einer Zecke gebissen zu werden, ist mittlerweile auch in den Wintermonaten ziemlich real geworden.

Das hat auch der Weixdorfer Jagdpächter Andrzej Krysztofinski zuletzt gemerkt. In den vergangenen Wochen habe er bei erlegtem Rehwild Zecken festgestellt. Was für diese Jahreszeit nun eigentlich nicht normal sei. Allerdings weist Krysztofinski auf den Klimawandel hin, darauf, dass sich die klimatischen Veränderungen natürlich auch hier in der Region allmählich bemerkbar machten. Mit anderen Worten: Bleiben die Temperaturen im Winter längere Zeit über sieben Grad Celsius, machen sich die Zecken erneut auf die Suche nach einem geeigneten Wirt. Dabei sollte man eines nicht vergessen: Ein Zeckenbiss im Winter unterscheidet sich nicht von einem im Sommer. Bei den milden Temperaturen können sie mit ihrem Speichel und Kot Krankheiten weitergeben. Dauerte die Zeckensaison bisher von März bis Oktober, so sind die Spinnentiere inzwischen ganzjährig aktiv. Darauf müsse man sich, so Krysztofinski, auf jeden Fall einstellen: „Das sollte man immer im Hinterkopf haben, wenn man derzeit draußen ist." Dennoch war der Weixdorfer vor einigen Jahren etwas überrascht, als er in seinem Wagen einige Zecken fand, die wohl von einem verunfallten Reh stammten, das er abtransportiert hatte.

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Fremde Arten überwintern

Zecken sind Überträger von Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Damit nicht genug. Mittlerweile überwintern in Deutschland auch eingewanderte Arten wie etwa die Hyalomma-Zecke. Diese in Nordafrika, Südeuropa und einigen Regionen Asiens heimischen Zecken werden durch Zugvögel eingeschleppt. Vor allem die Hyalomma-Zecke hat es in sich, nicht nur, weil sie deutlich größer als der Gemeine Holzbock ist. Sie ist potenzieller Überträger des Fleckfiebers und des gefährlichen Krim-Kongo-Fieber-Virus. Eine Infektion mit diesem Virus ruft eine Erkrankung hervor, die auch als hämorrhagisches Fieber verläuft und tödlich enden kann. In einigen Regionen Deutschlands wurden im vergangenen Jahr bereits Hyalomma-Zecken registriert. 

Dr. Carolin Werthschütz, Referentin der Geschäftsführerin des Staatsbetrieb Sachsenforst, erzählt, dass Jäger jüngst bei erlegten Tieren „Zeckenbefall“ registriert hatten. Man könne davon ausgehen, so Carolin Werthschütz weiter, dass sich solche Fälle künftig sicher häufen. Insbesondere die für den Sachsenforst tätigen Waldarbeiter habe man mittlerweile für das ganzjährige Auftreten von Zecken „sensibilisiert“, so die Referentin. Neben den üblichen Schutzmaßnahmen wie der FSME-Schutzimpfung müssten die Mitarbeiter auch Zeckenschutzkleidung tragen. Auch wenn bisher im Landkreis noch keine Hyalomma-Zecken festgestellt wurden, rät Carolin Werthschütz, nach Aufenthalten im Freien „Körper und Kleidung diszipliniert und regelmäßig abzusuchen“.

Keine Hyalomma-Zecke im Kreis

Im Bautzener Landkreis wurde im vergangenen Jahr ein FSME-Fall registriert, es erkrankten 100 Menschen an Borreliose. Laut Pressestelle gebe es derzeit über das Vorkommen der von vielen gefürchteten Hyalomma-Zecke im Radeberger Umland keine gesicherten Erkenntnisse. Ein Verdacht eines Pferdezüchters habe sich, so Pressestellen-Mitarbeiterin Sarah Günther, letztendlich nicht bestätigt. Dennoch sei beim Aufenthalt in der freien Natur große Vorsicht angebracht, so die Auskunft der Pressestelle. Denn im Gegensatz zum Gemeinen Holzbock kann die Hyalomma-Zecke Menschen wittern und Dutzende Meter weit verfolgen.

Der Weixdorfer Jagdpächter Andrezy Kryztofinski lehnt aber jede Panikmache ab. Man solle einfach in diesen Tagen, wenn man draußen in der Natur unterwegs sei, „genauer hinschauen, wo man langgeht“. Und, so der Weixdorfer weiter, man solle sich damit vertraut machen, dass die Spinnentiere künftig das ganze Jahr aktiv sind. Keine angenehme Vorstellung, das sei schon klar. Aber, so der Jagdpächter, die Gefahr von einer Zecke im Winter gebissen zu werden, die sei immer noch geringer als in der warmen Jahreszeit.

Das sollte Sie noch über Zecken wissen:

Gemeiner Holzbock
Das ist die in Sachsen am häufigsten vorkommende Art. Er kann zwei gefürchtete Erkrankungen übertragen - die durch Viren ausgelöste Hirnhautentzündung Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) und die bakterielle Borreliose, die Nervensystem und Gelenke befallen kann.

In Deutschland

Bundesweit erreichten die FSME-Erkrankungen im Zecken-Rekordjahr 2018 ihr Maximum mit 607 gemeldeten Fällen

Neue Zeckenarten 
Die Riesenzecke Hyalomma und die Braune Hundezecke können bei entsprechender Überpopulation auch für Menschen gefährlich werden.

Im Freistaat
Die Landesuntersuchungsanstalt des Freistaates registrierte 2018 rund 2.100 Borreliosefälle, 2019 waren es 2.300.

Borreliose 

Borreliose kann Fieber, Schmerzen in den Gelenken und in Ausnahmefällen Lähmungen verursachen. Gefährlicher ist FSME, die im schlimmsten Fall zur Querschnittslähmung führen kann.

Übertragung

Ein Prozent der Zecken ist mit FSME infiziert. Borrelien treten bei zehn bis 35 Prozent der Tiere auf. Eine Zecke überträgt die Krankheiten nach ungefähr 24 Stunden.

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