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Leben und Stil

Zeckenkrankheiten haben sich verdoppelt

Bundesweit gehen die Fälle von FSME zurück - aber nicht in Sachsen. Und es gibt eine neue Zeckenart.

Zecken in Nahaufnahme: links die tropische Riesenzecke Hyalomma, rechts zwei Gemeine Holzböcke, die in Deutschland am häufigsten vorkommen. Das männliche Tier (rechts unten) ist kleiner als das weibliche.
Zecken in Nahaufnahme: links die tropische Riesenzecke Hyalomma, rechts zwei Gemeine Holzböcke, die in Deutschland am häufigsten vorkommen. Das männliche Tier (rechts unten) ist kleiner als das weibliche. © Uni Hohenheim/Marco Drehmann

Milde Winter und warme, trockene Sommer wie in den letzten beiden Jahren haben die Ausbreitung von Zecken begünstigt. „Aber auch neue Arten aus tropischen Gebieten können jetzt bei uns überwintern“, sagte Professorin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim bei Stuttgart am Montag vor dem Beginn des Süddeutschen Zeckenkongresses. Die in Sachsen am häufigsten vorkommende Art ist der gemeine Holzbock. Er kann zwei gefürchtete Erkrankungen übertragen – die durch Viren ausgelöste Hirnhautentzündung Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) und die bakterielle Borreliose, die Nervensystem und Gelenke befallen kann.

„Bundesweit erreichten die FSME-Erkrankungen im Zecken-Rekordjahr 2018 ihr Maximum mit 607 gemeldeten Fällen. Im vergangenen Jahr ging ihre Zahl um 25 Prozent auf 462 zurück“, sagt Dr. Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für FSME.

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Dieser Trend gelte aber nicht für Sachsen. Dort haben sich die Erkrankungszahlen innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt – von zwölf Fällen 2018 auf 27 im Jahr 2019. Eine Erklärung gebe es dafür nicht, denn beide Sommer seien heiß und trocken gewesen – ideal für Zecken, so Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

© SZ Grafik

19 der 27 gemeldeten sächsischen FSME-Fälle kamen aus sogenannten Risikogebieten. Dazu gehören der Vogtlandkreis, die Landkreise Bautzen und Zwickau, der Erzgebirgskreis und seit letztem Jahr der Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Mit acht Fällen war der Vogtlandkreis am stärksten betroffen. Doch vier Erkrankte kamen auch aus dem Stadtgebiet Leipzig, zwei aus Chemnitz und je einer aus den Landkreisen Meißen und Mittelsachsen. 

Ob diese Regionen künftig zu FSME-Risikogebieten erklärt werden, wird das Robert-Koch-Institut (RKI) in den nächsten Tagen entscheiden. Als Risikogebiete gelten Regionen, in denen ein Fall pro 100.000 Einwohner innerhalb von fünf Jahren zur Meldung kommt. In FSME-Risikogebieten übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Impfung, wenn die Versicherten dort leben oder sich dort aufhalten.

Zu den neuen Zeckenarten gehören die Riesenzecke Hyalomma und die Braune Hundezecke. „Beide können bei entsprechender Überpopulation auch für Menschen gefährlich werden“, so Parasitologin Ute Mackenstedt. Die Hyalomma-Zecke werde nicht nur im Vorbeigehen abgestreift, sie jage auch aktiv. Untersuchungen an eingeschickten Exemplaren hätten in vielen Fällen einen Befall mit sogenannten Reckettsien gezeigt. Das sind Bakterien, die das Zecken-Fleckfieber auslösen. 

Eine Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus, Männchen) 
Eine Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus, Männchen)  © Fabian Sommer/dpa

Die Braune Hundezecke könne Mackenstedt zufolge sogar in Wohnräumen überleben und dort zur Plage werden. Stark ausgebreitet hätten sich zudem die Auwaldzecken, die ebenfalls den Menschen stechen können. „Die Zecken kommen mittlerweile ganzjährig vor. Ab sieben Grad sind sie aktiv.“ Deshalb sollte man sich bereits bei diesen Temperaturen mit entsprechender Bekleidung und einem Zeckenabwehrmittel vor Stichen schützen.

Da FSME mit schweren neurologischen Beschwerden einhergehen und auch zum Tode führen kann, empfiehlt die Sächsische Impfkommission den vorbeugenden Impfschutz. Zur Grundimmunisierung gehören drei Impfungen. Zwischen der ersten und der zweiten Dosis sollten höchstens drei Monate liegen, zwischen der zweiten und dritten neun bis zwölf Monate. Dieser Schutz hält laut RKI drei Jahre an, dann muss er aufgefrischt werden. Zur Auffrischung genügt eine Spritze.

Bedrohung für Mensch und Tier

Die Borreliose tritt deutschlandweit zehntausendfach auf. Es ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit. Eine Meldepflicht gibt es nicht in jedem Bundesland, aber in Sachsen. So verzeichnete die Landesuntersuchungsanstalt des Freistaates im Jahr 2018 rund 2.100 Fälle, 2019 waren es knapp 2.300. 

Gegen Borreliose ist noch keine Impfung zugelassen. Hier hilft laut RKI nur das schnelle und fachkundige Entfernen der Zecke, denn Borrelioseerreger werden erst etwa zwölf Stunden nach dem Stich in die Wunde abgegeben, die FSME-Viren jedoch sofort. Borreliose lässt sich bei frühzeitiger Erkennung gut mit Antibiotika behandeln. Gegen FSME gibt es keine Therapie.

Für Aufsehen hatten im vergangenen Sommer Meldungen von Professorin Mackenstedt gesorgt, dass Tropenzecken wie Hyalomma als mögliche neue Quelle für gefährliche neue Infektionen infrage kommen. Nun gibt die Forscherin Entwarnung: „Das sogenannte Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber und das Arabisch Hämorrhagische Fieber sind bislang in keiner Hyalomma-Zecke nachgewiesen worden, die in den vergangenen Monaten eingesandt wurde.“ 

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Da tropische Zecken aber mit Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt werden, müssten sie dennoch als Bedrohung für Menschen und Nutztiere angesehen werden. Um Forschung an Zecken weiterhin zu unterstützen, bittet Mackenstedt darum, auffällige Exemplare zur Untersuchung einzuschicken. Im vergangenen Jahr hätten die Wissenschaftler 3.500 Zecken zugesandt bekommen.

So schicken Sie Ihre Zecke ein

Um die Forschung an heimischen und tropischen Zecken zu forcieren, braucht die Uni Hohenheim die Unterstützung der Bevölkerung. Sie bittet darum, auffällige Zecken mit Angabe des Funddatums und des Fundortes einzuschicken.

So geht man dabei vor: Eine lebende Zecke wird mithilfe einer Pinzette oder Zeckenkarte vorsichtig aus der Haut herausgezogen und in ein kleines, luftdichtes Gefäß, zum Beispiel einen Kunststoff-Cremetigel oder auch ein kleines Einweckglas, gegeben. Dazu kommt ein frischer Grashalm, der für die nötige Feuchtigkeit sorgt, damit die Zecke nicht austrocknet.

Ist die Zecke bereits tot, kann sie in Papier eingeschlagen und in ein Stück Luftpolsterfolie verpackt werden. Der Umschlag ist von außen gut mit Tesafilm zuzukleben.

Auch Fotos von Zecken helfen. Mit Datum und Fundort gekennzeichnet kann man die Bilder per E-Mail senden an:

[email protected]

Adresse für den Postversand: Uni Hohenheim, Fachgebiet Parasitologie 22OB, Emil-Wolff-Straße 34, 70599 Stuttgart-Hohenheim.

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