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Zehn Extreme dieser Landtagswahl

Der Landkreis verzeichnet einige sächsische Höchstmarken. Auf manche hätten die Parteien gern verzichtet.

Die Wahlhelfer hatten wie hier in Pesterwitz alle Hände voll zu tun beim Auszählen der Stimmzettel. Noch nie zuvor traten so viele Parteien (18) zur Landtagswahl an.
Die Wahlhelfer hatten wie hier in Pesterwitz alle Hände voll zu tun beim Auszählen der Stimmzettel. Noch nie zuvor traten so viele Parteien (18) zur Landtagswahl an. © Andreas Weihs

Viel wurde über die 121 Prozent Wahlbeteiligung zur Landtagswahl in Königstein diskutiert. Der Wert stimmt, weil die Stadt auch die Auszählung der Briefwahlstimmen für Nachbargemeinden übernommen hat. In der Statistik wurden diese Zahlen auf die Gesamtstimmen in Königstein draufgeschlagen.

 Ein Zurückrechnen auf die jeweilige Gemeinde der Briefwähler ist faktisch nicht möglich, weil zum Wahlgeheimnis gehört, dass der Stimmzettel separat zur Einverständniserklärung in Umschlägen geführt wurde. So gab es rein statistisch mehr Stimmen als Wahlberechtigte. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat aber noch ganz andere Extreme und Spitzenplätze bei dieser Sachsen-Wahl zu bieten.

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Drei Viertel gingen wählen

Nimmt man nur die Städte und Gemeinden, die weder für andere Kommunen Briefwahlunterlagen auszählen oder in anderen auszählen lassen, sind Bannewitz und Kreischa mit einer Wahlbeteiligung von 76,4 Prozent Spitzenreiter im Landkreis. Mehr als drei Viertel aller Wahlberechtigten gingen dort wählen. Sachsenweit liegen die beiden Kommunen damit unter den Top 8. Am eifrigsten wählten im Freistaat die Markersdorfer (Landkreis Görlitz): 81,5 Prozent.

Die meisten Briefwähler

Zu der hohen Wahlbeteiligung in Bannewitz haben insbesondere die Briefwähler beigetragen. In der Gemeinde hatten auf diese Weise 30,7 Prozent der Wahlberechtigten teilweise schon weit vor dem Wahltermin am 1. September ihre Stimme abgegeben. Damit liegt Bannewitz sachsenweit auch in dieser Kategorie unter den Top 10. Nur in einigen Wahlbezirken in Dresden, Leipzig und Coswig lag der Anteil der Briefwähler höher. Somit haben sich die Bannewitzer auch nicht von der Panne zur Kommunalwahl im Mai abschrecken lassen. Die Wahlverantwortlichen hatten damals vergessen, einen der vielen Stimmzettel mitzuschicken. Wahlentscheidend war die Anzahl aber nicht.

Tiefpunkt im Osterzgebirge

Die einzige aller im Landtag vertretenden Parteien, die in keiner einzigen Stadt oder Gemeinde im Freistaat einen Zugewinn zur Wahl 2014 verzeichnen konnte, war Die Linke. Das schlechteste Ergebnis sachsenweit wurde im Osterzgebirge in Hartmannsdorf-Reichenau mit nur noch 2,8 Prozent aller Stimmen registriert. Allerdings muss einschränkend erwähnt werden, dass die Stimmen der Briefwähler aus dieser Gemeinde im benachbarten Klingenberg ausgezählt wurden und damit ist das Ergebnis von Hartmannsdorf-Reichenau verzerrt. In jenem Klingenberger Briefwahllokal kam die Linke immerhin auf 6,9 Prozent aller Stimmen. Das ist überdurchschnittlich viel für die Linke im Landkreis und könnte auf die Wähler aus Hartmannsdorf-Reichenau zurückzuführen sein.

Größter Zugewinn in Bahretal

Die Alternative für Deutschland war die einzige Partei, die in keiner Stadt oder Gemeinde Verluste gegenüber der Landtagswahl 2014 zu verzeichnen hatte. Der größte Zugewinn gelang der Partei im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, nämlich in der Gemeinde Bahretal. Dort steigerte sich die AfD von 9,4 auf 43,6 Prozent der Zweitstimmen. Einen größeren Sprung gab es nirgends sonst in Sachsen.

Mehr Tierfreunde in Rathen

Auch die Kleinstparteien lieferten im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge für ihre Verhältnisse Bestwerte ab. Die Tierschutzpartei bekam in Kurort Rathen zwar nur fünf Zweitstimmen. Das waren aber immerhin 3,8 Prozent der Wählerschaft, mit Ausnahme der Briefwähler, die in Königstein mitgezählt wurden. In keiner Gemeinde in Sachsen schaffte die Tierschutzpartei einen höheren Wert. Im Übrigen waren das drei Stimmen mehr als noch 2014, was eine Verbesserung um 2,3 Prozent und damit den größten Anstieg sachsenweit bedeutet. Allerdings lieferte der Landkreis auch das schlechteste Ergebnis für die Tierschützer. In Hermsdorf im Osterzgebirge hat nur ein Einziger ein Kreuzchen bei der Tierschutzpartei gemacht, was den schlechtesten Wert im Freistaat von 0,2 Prozent der Stimmen bedeutete.

Keine Blauen in Dorfhain

Dass die Blaue Partei #TeamPetry im Landkreis das beste Ergebnis erzielen würde, war zu vermuten. Schließlich hatte Frauke Petry die Mehrheit der Wählerschaft 2017 überzeugt, sie direkt in den Bundestag zu entsenden. Doch es kam anders. Mit 1,9 Prozent holte die neu gegründete Partei den größten Anteil der Zweitstimmen in der Gemeinde Königshain-Wiederau in Mittelsachsen. Dahinter folgten jedoch mit Struppen, Rosenthal-Bielatal, Lohmen und Rathmannsdorf vier Gemeinden aus dem hiesigen Landkreis. Den höchsten Anteil an Erststimmen holte die Blaue Partei mit Frauke Petry selbst in Dohma mit 2,4 Prozent. Besonders bitter wurde es für die Petry-Partei jedoch in der Gemeinde Dorfhain bei Freital. Dort gab es nicht eine einzige der am Wahltag abgegebenen 553 gültigen Stimmen für die Blauen.

Absturz der Rechtsextremen in Sebnitz

Erwartungsgemäß holte auch die NPD im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ihr bestes Gemeinde-Ergebnis.

In Reinhardtsdorf-Schöna entfielen auf die rechtsextreme Partei 4,6 Prozent der Zweitstimmen. Fünf Jahre zuvor waren es allerdings noch 11,5 Prozent mehr. Das war aber noch nicht mal der extremste Einbruch. Den gab es auch im hiesigen Landkreis. In Sebnitz schrumpfte der Stimmenanteil von 15,2 auf nur noch 1,4 Prozent. Von 684 Wählern blieben fünf Jahre später nur noch 73 übrig.

Büso punktet im Müglitztal

Für die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (Büso) holte Doris Kamke im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge das beste Ergebnis bei Erststimmen in Sachsen, nämlich 1,1 Prozent im Müglitztal. Allerdings gab es im Landkreis auch den Tiefpunkt mit null Zweitstimmen in Bahretal.

Die einzige Kandidatin

Die einzige Direktkandidatin der V-Partei³ trat auch im hiesigen Landkreis an. Den größten Anteil für Martina Hanke gab es in Dorfhain mit 0,4 Prozent.

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Einzelkandidat Eckhard Schaar erhielt in Struppen 1,4 Prozent der Erststimmen, sein Spitzenwert. Fünf Jahre zuvor, als er auch schon antrat, hatte er jedoch noch acht Anhänger mehr für sich begeistern können, was in der Endabrechnung 2,4 Prozent in seiner Heimatgemeinde Struppen bedeutete. Für den Ex-NPDler Johannes Müller stimmten in Sebnitz, wo er als Arzt auch praktiziert, 7,0 Prozent der Wählerschaft. Das ist das beste Ergebnis für einen Einzelkandidaten in ganz Sachsen.

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