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Zeichen der Erinnerung und Mahnung

Der Elsterheide-Ortsteil erinnert in würdiger Form an die 36 Sabrodter, die in den zwei Weltkriegen 1914-18 / 1939-45 gefallen sind.

Der Sabrodter Schmied Helmut Pink schuf die eiserne Einfassung des Kriegerdenkmals Sabrodt originalgetreu neu. Wieder eingeweiht wurde das Denkmal am Sonntag, dem 2. August – einen Tag nach Helmut Pinks 80. Geburtstag am 1. August. Wir gratulieren nacht
Der Sabrodter Schmied Helmut Pink schuf die eiserne Einfassung des Kriegerdenkmals Sabrodt originalgetreu neu. Wieder eingeweiht wurde das Denkmal am Sonntag, dem 2. August – einen Tag nach Helmut Pinks 80. Geburtstag am 1. August. Wir gratulieren nacht © Foto: Uwe Jordan

Sabrodt/Elsterheide. Kranick. Noack. Urban. Schwausch. Stramke. Fünf von 36 Namen, die auf zwei der Tafeln des Kriegsgefallenen-Denkmals von Sabrodt stehen: 16 von Opfern des I. Weltkrieges, 20 derer, die im II. Weltkrieg das Leben verloren. Es sind aber auch Namen, die man heute noch auf Sabrodter Haustürnamensschildern findet. Fast jede Sabrodter Familie, sinniert Helmut Pink, hat in den genannten beiden Kriegen mindestens ein Mitglied verloren: Vater. Sohn. Onkel. Neffe ...

Daher hat es nichts, aber auch gar nichts mit Kriegsverklärung oder nationalistischem Pathos zu tun, dass Sabrodt am Sonntag sein Kriegerdenkmal wieder eingeweiht hat. Ja, es steht vornean: „Es starben den Heldentod ...“ – eine Floskel jener Tage, da das Denkmal entstand; um 1920 muss das gewesen sein. Einfacher und auch heute noch gültig ist das „Ehre Ihrem Andenken!“ unter der I.-Weltkrieg-Tafel – und das „Den Toten und Vermißten des 2. Weltkrieges ... aus der Gemeinde Sabrodt zum Gedenken“, das die 1995 hinzugefügte Tafel mit den Namen der im II. Weltkrieg getöteten Sabrodter umrahmt.

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Helmut Pink ist derjenige, dem Sabrodt die Wiederauferstehung der Gedenkstätte in Gänze verdankt. Der Schmiedemeister hatte 1989 das DDR-zeits offiziell kaum mehr gepflegte Denkmal rückgebaut; sprich, die kurz vor dem endgültigen Verfall stehenden Teile, etwa den Zaun, eingelagert – in der Hoffnung auf bessere, würdigere Tage. Die kamen tatsächlich; 1995 mit der besagten zweiten Tafel und einer Restaurierung des Steins für 25.000 Mark. Aber das Ensemble als solches blieb Torso. Bis der Sabrodter Schmied 2016 beim Ortschaftsrat forderte (und Zustimmung fand); man müsse jetzt etwas tun.

2016 gab es erste Pläne, 2017 wurden bei einer Haustürsammlung in Sabrodt 887 Euro für Sockel und Umfriedung aufgebracht und Helmut Pink machte sich daran, in seiner Werkstatt mit Helfern das Eisengitter wieder originalgetreu herzustellen – ehrenamtlich.

Am Sonntag nahmen gut 100 Sabrodter Besitz von ihrem Denkmal. Die Schalmeienkapelle spielte, Ortsvorsteher Siegbert Bogott (auch dieser Name steht auf einer der Tafeln) und Elsterheide-Bürgermeister Dietmar Koark sprachen. Bogott sagte schlicht: „Der Stein ist Zeuge großer Trauer in den Familien der Gefallenen. Er gehört daher zur Ortsgeschichte. Zur Tradition.“ Koark ergänzte: „Der Umgang mit solch einem Denkmal ist eine Gratwanderung – dass wir den Patriotismus für unser Land nicht verlieren, aber auch nicht in neuen Nationalismus verfallen. Das ist die Kunst derer, die das moderieren. Für uns alle aber ist es Mahnung, dass 75 Jahre Frieden, wie wir ihn haben, eben keine Selbstverständlichkeit ist, sondern täglich neu bewahrt werden muss.“

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