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Zeichensprache für Kleine

Bei der „ABC“-Premiere im Burgtheater Bautzen entdecken Kinder das Alphabet.

© Theater/M. Nowotny

Von David Berndt

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Die Vorstellung beginnt vor der Vorstellung. Im Foyer des Burgtheaters in Bautzen liegen Wachsmalstifte auf weißem Papier, das am Fußboden befestigt ist. Noch sind es gut 20 Minuten bis zum Beginn der Premiere von „ABC“ im Kleinen Saal, einem „Stück für die Kleinsten“ wie es im Programmheft heißt. Die Kleinsten und Kleinen sind auch schon da und malen gemeinsam mit ihren großen Begleitern drauflos. Wer zur Garderobe oder zum Tresen möchte, muss drum herum gehen. Mitten hinein geht Anna Gabrysz, die für Idee, Ausstattung und Regie von „ABC“ verantwortlich ist und ihr Stück nicht nur mit Jan Schneider spielt, sondern auch mit ihm im Rahmen ihrer Diplomarbeit über Puppentheater für die Allerkleinsten entwickelt hat. 15 Minuten vor Beginn sind die beiden die Treppe vom Kleinen Saal hinabgestiegen. Anna Gabrysz mischt sich unter die malenden Kinder, nimmt Kontakt auf und wer möchte, bekommt von ihr den ersten Buchstaben seines Vornamens auf die Hand gestempelt. Jan Schneider spielt währenddessen auf seiner Ukulele und wandelt barfuß durch den Raum. Die Kinder sind jetzt schon Teil des Stücks.

Anna Gabrysz und Jan Schneider entdecken gemeinsam mit ihrem Publikum in rund 35 Minuten das Alphabet chronologisch. Jeder Buchstabe bekommt seine Bühne und landet, auf ein A4-Blatt geschrieben und mit einer Klammer fixiert, an einer von zwei Leinen, die zwischen schmalen und beweglichen schwarzen Wänden gespannt sind. Mehr Bühnenbild braucht es nicht. Zwischendurch regnet es vor Begeisterung Konfetti oder es schweben Seifenblasen wie Glücksgefühle über die Bühne. Die beiden Darsteller zeigen mit wenigen Mitteln viel. Dazu nutzen sie ihre Körperlichkeit, ihre Mimik, ihre Laute sowie Gesang und Schneiders Spiel auf Flöte und Ukulele. Sie spielen Verstecken oder Hasche und täuschen die Kinder auf den Sitzkissen vor der Bühne mithilfe der beiden Wände gekonnt. In diesen Momenten staunen und lachen die Erwachsenen im Saal gleichermaßen. Ihr Empfinden transportieren Anna Gabrysz und Jan Schneider ohne Wörter: Zuneigung, Freude, Scham oder Ärger, um einige zu nennen. In den 35 Minuten fällt nur ein gesprochener Satz.

Immer wieder sorgen sie für Überraschungen und zaubern Buchstaben hervor, etwa wenn die Schlange aus einem Schuhkarton geflötet wird und sich zum G formt oder eine Kindertrommel mit angedeuteten Ohren was darstellt? Na klar, ein K wie Katze, was von einem Mädchen auch prompt in Richtung Bühne gerufen wird. Gabrysz lässt sich als R-oboter von Schneider fernsteuern, der selbst noch kurz zuvor als Löwe über die Bühne stolziert ist. Die beiden Darsteller spielen mit-, neben- und übereinander, suchen zu fast jeder Sekunde den Kontakt zu ihren 45 Zuschauern.

Es geht in diesem Stück um Semiotik, um Zeichentheorie. Anna Gabrysz und Jan Schneider erklären, was diese Zeichen, die wir Buchstaben nennen, bedeuten und bedeuten können, was für Begriffe, Geräusche, Gefühle und Handlungen mit ihnen verbunden sind und wie flexibel das alles ist. Warum sollte quul also nicht mit q geschrieben werden? Am Ende nehmen die beiden die A4-Blätter von der Leine und verteilen sie, passend zum Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen und locken so auch die wenigen Kinder auf die Bühne, die bislang nicht auf den Sitzkissen, sondern auf den Stühlen dahinter gesessen haben. Das ABC-Lied bildet den Abschluss eines kurzweiligen und erfrischenden Stücks, das zwar für Kinder ab zwei Jahren empfohlen ist und auch funktioniert, aber am nachhaltigsten bei Vorschul- und Grundschulkindern wirken dürfte, da sie den Inhalt besser in ihren Alltag übertragen können.

Weitere Termine: Morgen, 10 Uhr, Burgtheater Bautzen; ab 12. März im Apollo Görlitz

www.theater-bautzen.de