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Zeigen, wie Deutsche sind

Paulsdorf. Marie-Paloma Krauß geht für die Aktion Sühnezeichen ein Jahr nach Großbritannien.

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Von Maik Brückner

Dass die Ferien schon am 30. August zu Ende sind, stört Marie-Paloma Krauß nicht. Die junge Paulsdorferin kann es kaum abwarten, denn danach beginnt ein spannender Lebensabschnitt: Für die Aktion Sühnezeichen geht die 18-Jährige nach London. Im Büro des Anne-Frank-Trusts wird sie für ein Jahr arbeiten, Fortbildungen vorbereiten und organisieren. Der Trust hat sich zur Aufgabe gemacht, das Leben Anne Franks, die sich in Amsterdam während des Zweiten Weltkrieges mit ihrer Familie vor den Nazis verstecken musste und darüber ein Tagebuch geschrieben hat, unter Jugendlichen bekannt zu machen.

Marie-Paloma räumt zwar ein, ein bisschen Bammel vor dieser Aufgabe zu haben: „Ich hoffe, dass ich am Telefon auch alles verstehe“. Groß sind ihre Sorgen aber nicht. Schließlich war sie kürzlich in London, um sich ihren künftigen Arbeitsplatz anzuschauen. „Die Leute waren sehr nett und haben mir ihre Hilfe angeboten“, erzählt die junge Frau mit einem Lächeln.

Außerdem vertraut sie auf ihre Stärken: Und dazu gehört auch, kämpferisch zu sein, sich für Dinge begeistern zu können und sich auch nicht zu scheuen, Zeichen zu setzen. So jedenfalls möchte sie ihren Dienst verstehen. Den Engländern möchte sie zeigen, wie Deutsche heute sind, dass sie sich der Vergangenheit stellen. Schließlich dürfen solche Gräueltaten wie sie im Zweiten Weltkrieg an den Juden begangen wurden, nicht vergessen werden. Darin ist sie sich mit vielen Mitschülern einig. Es gab aber auch andere Stimmen. „Ja es gab auch absolutes Unverständnis“, räumt sie offen ein. 60 Jahre nach dem Krieg könne man es doch langsam vergessen, außerdem habe man genug gebüßt und bezahlt, bekam sie zu hören. Doch die 18-Jährige sieht das nicht so: Damit sich so etwas nicht wiederholt, muss daran erinnert werden. Deshalb ließ sie sich nicht abbringen von ihrem Vorhaben. Leicht war es nicht, es in Angriff zu nehmen. Schließlich musste sie sich um die Stelle bewerben und Referenzen vorlegen. Immerhin haben sich 400 Jugendliche auf die knapp 200 Stellen beworben. Dazu wurden die jungen Leute bei einem speziellen Auswahlseminar getestet. Marie-Paloma Krauß war im Februar dran. Erst im März flatterte dann der Brief ein, der sie glücklich machte. Doch so ganz ungetrübt blieb es nicht.

Die Aktion Sühnezeichen fordert von jedem Teilnehmer, dass er 15 Unterstützer findet, die der Organisation monatlich zehn Euro spenden. „Ich habe deshalb einen Brief geschrieben, mein Vorhaben erklärt und es im Mühlfeld an unsere Nachbarn verteilt“, berichtet die 18-Jährige. Nicht jeder habe ihre Intention verstanden, einige legten das Schreiben als Bettelbrief aus. Es wurde auch getratscht. Marie-Paloma fühlte sich verletzt. Heute räumt sie ein, dass manche Passagen im Text nicht sehr glücklich formuliert waren. „Doch darüber hätte man doch sprechen können“, sagt sie.

Inzwischen hat sie ihre Spender zusammen und kann es kaum erwarten, dass es los geht. Bevor sie nach London aufbricht, wird sie – wie andere Aktion-Sühnezeichen-Teilnehmer auch – für acht Tage nach Polen fahren, um sich vorzubereiten. Die junge Christin hofft, dass ihre Vorhaben andere ansteckt, etwas Ähnliches zu machen.