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Zeit fürs Wilsdruffer Gymnasium wird immer knapper

Weil das Weißeritzgymnasium ausgelastet ist, wird eine neue Schule dringend gebraucht.

Von Annett Heyse

Der Kreistag des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge beschloss im Dezember, ein Gymnasium in Wilsdruff zu errichten. Denn für die kommenden Jahre werden in der Region deutlich mehr Gymnasiasten erwartet. Dabei ist das Weißeritzgymnasium in Freital schon jetzt an seinen Grenzen angelangt.

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Weil allein drei Klassen aus Wilsdruff jedes Jahr die Grundschule Richtung Gymnasium verlassen, fiel die Abstimmung eindeutig aus. Eigentlich soll die Einrichtung schon zum Schuljahr 2015/16 in Betrieb gehen. Dennoch hat das Kultusministerium den Wilsdruffer Schulbau-Plänen bis heute keine Erlaubnis erteilt.

Denn der Landkreis Meißen ist dagegen, die Schule in Wilsdruff zu bauen. Man befürchtet, dass dann weniger Wilsdruffer Kinder das Nossener Gymnasium anstreben und auch viele Klipphausener den kürzeren Weg nach Wilsdruff wählen. Der Landkreis Meißen müsste dann vielleicht Klassen in Nossen schließen. Würde dies der Fall sein, könnte das Land Sachsen Fördermittel zurückverlangen, die in die Schulsanierung flossen. Dies waren immerhin rund acht Millionen Euro.

Um den Debatten ein Ende zu setzen und dem Kultusministerium die Entscheidung zu erleichtern, fasste der Wilsdruffer Stadtrat Ende Mai einen Beschluss: Wilsdruff werde die Fördermittel zurückzahlen, falls das Gymnasium Nossen tatsächlich Klassen schließe. Man schätzt das Risiko gering ein. Denn für zwei Gymnasien so nah beieinander sprechen mehrere Fakten.

Zum einen möchte man den Zugang beschränken und vor allem Wilsdruffer Schüler aufnehmen. „Allein mit Kindern aus unserem Gemeindegebiet lasten wir eine dreizügige Schule aus“, hat Bürgermeister Ralf Rother immer wieder betont. Zum anderen diskutiert man in der Nachbargemeinde Klipphausen, Landkreis Meißen, gerade über eine neue Oberschule. Für die Wilsdruffer ist dies ein Indiz dafür, dass genügend Kinder vorhanden sind, Tendenz steigend. Drittens gibt es eine Stellungnahme aus dem Landkreis Mittelsachsen. Demnach werden für die Region Striegistal, deren Kinder traditionell das Nossener Gymnasium besuchen, ebenfalls mehr Schüler in den kommenden Jahren erwartet. Und viertens herrscht Zuzug in die Region, der in die Prognosen noch gar nicht eingerechnet ist.

Und das Kultusministerium? Dort will man immer noch keine Entscheidung fällen. Sollte es tatsächlich zu Rückzahlungsforderungen kommen, so stelle dies „ein kreditähnliches Rechtsgeschäft dar und bedarf daher der rechtsaufsichtlichen Genehmigung“, teilte Kultus-Sprecherin Manja Kelch mit. Nun muss die Landesdirektion den Wilsdruffer Beschluss erst einmal auf seine Rechtmäßigkeit abklopfen.

So geht weitere Zeit ins Land. Zeit, die der hiesige Landkreis und Wilsdruff eigentlich nicht mehr haben. Denn wenn die Schule tatsächlich 2015/16 eröffnen soll, müsste die Planungsphase jetzt beginnen. Dann könnte frühestens im November das Baugeschehen starten. Selbst Laien dürfte klar sein: Das ist ein knapper Zeitplan.