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Zeithainer lehnen weitere Windräder ab

Die Planer von Anlagen in Mautitz und Streumen wollen jetzt auch in Sichtweite der JVA bauen. Das kommt nicht gut an.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Zeithain. Dass das Thema Windanlagen polarisiert, ist sich Hans-Peter Grafe von der Aufwind GmbH bewusst. Trotzdem hat er sich von seinem Besuch des Technischen Ausschusses in Zeithain am vergangenen Donnerstagabend sichtlich mehr erwartet und kritisiert die Beeinflussung der Gemeinderäte durch die Beschlussvorlage. In der hatte die Verwaltung nämlich die Empfehlung niedergeschrieben, den Aufwind-Plänen nicht zuzustimmen.

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Das Unternehmen mit Sitz in Friedrichshafen am Bodensee und einem Büro in Prösen plant, errichtet und betreibt seit 1994 Windenergieanlagen – so auch vier Anlagen im Windpark Streumen und zwei in Mautitz. Nun hat Aufwind die nördliche Ecke des Gewerbegebietes Glaubitz-Zeithain ins Auge gefasst. Nahe des Umspannwerkes will es zwei Windräder mit einer Nabenhöhe von 85, beziehungsweise 135 Metern aufstellen. Die Anlagen bestünden aus einem Betonfundament, einem Betonsockel und einem Stahlrohr und hätten einen Rotordurchmesser von 82, beziehungsweise 101 Metern. „Wir werden die Schallwerte einhalten“, verspricht Hans-Peter Grafe, und auch die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände zur Wohnbebauung von 750 Metern. So würden zwischen den Windrädern und der JVA Zeithain 780 Meter liegen, nach Glaubitz wären es 1 300 Meter, nach Neudorf 940 Meter sowie zur Nikopoler Straße über 1 000 Meter. „Wir rechnen nicht mit einer zusätzlichen Belastung für die Anwohner“, so Hans-Peter Grafe. Für Aufwind eigne sich der Standort dagegen sehr durch die Nähe zum Energiepark und des Umspannwerkes und der guten Infrastruktur. Und auch die Gemeinde hätte einen großen Nutzen von den Neubauten, findet Hans-Peter Grafe. Allein die Ausgleichsmaßnahmen, die Aufwind für die Versiegelung von Flächen leisten muss, hätten in der Regel einen Gegenwert von etwa 50 000 Euro pro Windrad. Im besten Fall ließen sich damit Projekte in Zeithain selbst umsetzen.

Empfehlung: Ablehnen!

Der geplante Standort liegt jedoch nicht in einem Vorranggebiet für Windenergieerzeugung, argumentiert dagegen Zeithains Bauamtsleiter Holger Koßwig. Allein deshalb habe die Genehmigung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes, der jetzt zunächst erstellt werden müsste, keine großen Erfolgsaussichten. Außerdem sei anzunehmen, dass der Schattenwurf der Räder durchaus bis zur Nikopoler Straße reichen könnte. „Wir können im Moment die Belästigung durch Lärm und Schattenwurf nicht absehen“, sagt er und empfiehlt deshalb den Gemeinderäten, der Erarbeitung des Aufstellungsbeschlusses zum Vorhabens- und Erschließungsplan nicht zuzustimmen – also das Projekt im Prinzip abzulehnen.

„Ich möchte mir solche Probleme wie in Mautitz nicht auf den Tisch holen“, erklärt Gemeinderat Holger Krüger (parteilos) ganz ähnlich wie Jens Förster (BIG). Und CDU-Rätin Sabine Winter ist der Meinung, dass die Flächen an der Bundesstraße 98 eher für die Ansiedlung neuer Industrie vorbehalten sein sollen. „Dazwischen kann nie wieder etwas gebaut werden“, sagt auch Heinz Rudolph (Die Linke).

Mit nur einer Enthaltung ist sich der Technische Ausschuss deshalb letztlich einig, keine neuen Windräder in der Gemeinde zulassen zu wollen.