merken
PLUS

Zeithainer schnappt mutmaßlichen Sprayer

An der Mauer des Schlosses taucht ein neues Graffito auf. Ein Anwohner begibt sich daraufhin auf Verfolgungsjagd.

Ein rotes Graffito prangt seit Neustem auf der Mauer von Schloss Promnitz. Das Denkmal an der Elbe ist nicht zum ersten Mal Opfer von Schmierereien geworden.
Ein rotes Graffito prangt seit Neustem auf der Mauer von Schloss Promnitz. Das Denkmal an der Elbe ist nicht zum ersten Mal Opfer von Schmierereien geworden. © Lutz Weidler

Promnitz. Marco Koch kann auch Tage später noch nicht recht glauben, was er am Montagabend im Zeithainer Ortsteil Promnitz erlebt hat. Die Bewohner des kleinen Dorfes waren in diesen Stunden besonders wachsam. Denn am Abend zuvor hatte sich mal wieder ein Sprayer an der Mauer des Schlosses zu schaffen gemacht und dort ein Graffito hinterlassen. 

Als eine Anwohnerin knapp 24 Stunden später einen jungen Mann an der Mauer entdeckte, rief sie Marco Koch an. Der Zeithainer sprang in sein Auto und fuhr nach Promnitz. Doch der junge Mann war schon weg. Koch entschied sich kurzerhand, selbst die Verfolgung aufzunehmen.

Anzeige
So lebenswert ist Döbeln
So lebenswert ist Döbeln

Döbeln ist in den letzten Jahren zu einer attraktiven Stadt herangewachsen, die jungen sowie alten Leuten Vieles bietet. Blättern Sie hier durch die Stiefelstadt.

„Ich bin dann über den Elberadweg Richtung Zeithain gelaufen“, erzählt Marco Koch, der eigentlich anders heißt, seinen echten Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Dort begegnete ich einer Fahrradfahrerin, die gesehen hatte, wie der junge Kerl zur Elbbrücke hoch ist.“ 

Koch spurtete zurück nach Promnitz, sprang wieder in sein Auto und düste gemeinsam mit der Promnitzerin, die ihn angerufen hatte, zur B 169 in Richtung Riesa. „Als wir den jungen Kerl dann auf der Elbbrücke erblickten, haben wir ihn mit Warnblinker angehalten und zur Rede gestellt.“

Doch der junge Mann bestritt die Tat. „Er hat sich damit verteidigt, dass er in Promnitz wohnt und nur auf dem Weg zum Einkaufen gewesen sei“, erzählt Marco Koch. „Ich kenne aber niemanden, der von Promnitz aus zu Fuß nach Riesa einkaufen geht. Da nehmen doch alle das Fahrrad.“ 

Koch hielt den Mann deshalb fest und beschuldigte ihn der Schmierereien an den Mauern von Schloss Promnitz. Weil der junge Mann die Tat weiterhin abstritt und sich aus Kochs Griff lösen wollte, kam es zu einer kleinen Auseinandersetzung. „In einem unachtsamen Moment hat er mich umgeschubst“, erzählt der Zeithainer Anwohner. „Nach einem kleinen Gerangel habe ich ihn dann wieder unter Kontrolle bekommen und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten.“

 Schon in der Vergangenheit machten sich Sprayer an der Schlossmauer zu schaffen.
 Schon in der Vergangenheit machten sich Sprayer an der Schlossmauer zu schaffen. ©  Sebastian Schultz

Noch fehlen die Beweise

Die Beamten nahmen den 17-Jährigen mit aufs Revier. Ob es sich bei ihm tatsächlich um den Verantwortlichen für das neuste Graffito an der Schlossmauer handelt, kann Hermann Braunger, Leiter des Riesaer Polizeirevieres, aber noch nicht bestätigen. „Er ist tatverdächtig“, so Braunger. 

„Es gibt aber noch einige Details, die wir klären müssen.“ So lägen derzeit beispielsweise noch keine schriftlichen Zeugenaussagen vor. Auch müssten verschiedene Hinweise noch verifiziert werden. „Wir haben aber die Kleidung und das Handy des Tatverdächtigen beschlagnahmt“, sagt Braunger. Die werde man nun auf Rückstände von Farbpartikeln überprüfen. „Eine Spraydose hatte der junge Mann aber nicht dabei.“

Sollte sich der Verdacht gegen den 17-Jährigen erhärten, hofft man im Schloss darauf, dass der Vorfall eine abschreckende Wirkung hat. „Die Promnitzer haben jetzt gezeigt, dass sie aufmerksam sind“, sagt Schlossbesitzer Wolf-Nicol von Wolffersdorff. „Wir verurteilen diese Beschmutzung deutschen Kulturguts.“

Weiterführende Artikel

Wer darf Tatverdächtige festhalten?

Wer darf Tatverdächtige festhalten?

Normalerweise ist die Polizei für die Festnahme von Tätern verantwortlich. Doch das Gesetz kennt Ausnahmen.

Vier Vorfälle, über 10.000 Euro Schaden

Vier Vorfälle, über 10.000 Euro Schaden

Die rote Schmiererei ist nicht das erste Graffiti an der Schlossmauer. Doch für die Beseitigung fehlt das Geld.

Und auch Marco Koch wünscht sich, dass das rote Graffito die letzte Schmiererei an der Schlossmauer gewesen ist. „Ich hoffe, dass es jetzt ein Ende hat“, sagt der Zeithainer Anwohner. Nun muss er aber erst einmal seine Verletzungen auskurieren. Bei der Auseinandersetzung auf der Elbbrücke hat er sich einige Schürfwunden zugezogen.