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Zeitplan für die Sanierung der Görlitzer Stadthalle steht

2024 könnte die Halle eröffnet werden. Doch erst muss die Stadt ein Nutzungskonzept vorlegen.

Die Görlitzer Stadthalle soll bis 2024 saniert werden.
Die Görlitzer Stadthalle soll bis 2024 saniert werden. © Foto: SZ/Christian Suhrbier

Jörg Mühlberg kam extra aus Dresden. Der Abteilungsleiter Stadtentwicklung, Bau- und Wohnungswesen im Sächsischen Staatsministerium des Innern spielt bei der Stadthallen-Sanierung eine Schlüsselrolle. Mühlberg stimmt die Pläne mit dem Bund ab, koordiniert die Abläufe. Und kam gestern mit einer klaren Erwartung zu einem Treffen an die Neiße gereist, zu dem CDU-Landtagsabgeordneter Octavian Ursu eingeladen hatte: Die Stadt Görlitz ist am Zuge und muss ein Nutzungskonzept erarbeiten und vorlegen. Auf dessen Grundlage kann dann der Bauzeitplan entwickelt werden und die nötigen Gelder zur Verfügung gestellt werden.

Dass Görlitz weiterhin ohne Nutzungskonzept für die Stadthalle – sieben Monate nach der grundsätzlichen finanziellen Zusage durch den Bund – dasteht, überrascht. Hatte der Görlitzer Baubürgermeister Michael Wieler doch immer gesagt, er könne praktisch von heute auf morgen ein Nutzungskonzept vorlegen. Und noch beim Neujahrsempfang seiner Wählervereinigung „Bürger für Görlitz“ vor drei Wochen schob er dem Freistaat den schwarzen Peter zu. Er müsse endlich liefern. Noch nicht mal Geld sei im sächsischen Haushalt für die Stadthalle eingestellt worden. Mühlberg sagte dazu gestern: „Der Blick in den aktuellen Haushalt sei nicht sonderlich glücklich.“ Denn noch sei nicht klar, in welchem Jahr welche Summe für den Bau benötigt wird. Eins stünde aber fest: „Bund und Land wollen mit der Stadthalle ein hochbedeutendes kulturelles und kunstgeschichtliches Zeugnis für die Nachwelt erhalten.“ Deswegen habe der Freistaat auch zugesichert, dass er die Kofinanzierung aufbringt, wenn der Bund bis zu 18 Millionen Euro für die Stadthalle freigibt. Zusammen mit dem städtischen Eigenanteil von zehn Prozent, kämen so 40 Millionen Euro für die Stadthalle zusammen – eine Summe, die als realistisch für die Sanierung und einen etwaigen Anbau zur Neißeseite hin eingeschätzt wird. „Eine einmalige Gelegenheit“ nannte das Ursu, der natürlich mit dem Treffen auch seine eigene Kandidatur bei der OB-Wahl im Blick hatte.

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Ob der Anbau am Ende verwirklicht wird, hängt auch vom Nutzungskonzept ab. Nach Angaben von Oberbürgermeister Siegfried Deinege überarbeitet derzeit das Büro Drees & Sommer seine Machbarkeitsstudie vom August 2011. Anschließend bereitet das Görlitzer Rathaus eine Stadtratsvorlage vor, die ein Betreiberkonzept enthalten soll. Deinege rechnet damit, dass Ende April der Stadtrat darüber abstimmen könnte. CDU-Fraktionsvorsitzender Dieter Gleisberg äußerte die Erwartung, dass es am wahrscheinlichsten sein werde, dass die Stadt oder eine ihrer Gesellschaften die Halle betreiben wird. Nach dem Stadtratsbeschluss soll der Planer für die Sanierung per Ausschreibung gesucht werden. Deinege rechnet damit, dass der Planer Ende dieses Jahres feststeht. Dann könnte die Bauplanung im Spätsommer 2020 vorliegen. Auf deren Grundlage wollen sich Stadt, Land und Bund bis Ende 2020 auf das Baukonzept und die Finanzierungsetappen verständigen. Daran würde sich die Ausschreibungsphase für den Bau anschließen, so dass Ende 2021 oder Anfang 2022 die Sanierung beginnen könnte. Kommt es so, dann rückt eine Eröffnung im Sommer oder Herbst 2024 in greifbare Nähe.

Fördervereinschef Thomas Leder hörte sich den jetzt vereinbarten Ablauf mit einem lachenden und einem weinenden Auge an. Auf der einen Seite war er froh, dass es überhaupt einen Fahrplan gibt. Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch, dass die ursprünglichen Ziele des Fördervereins nicht mehr zu erreichen sind, die Stadthalle zur 950-Jahr-Feier von Görlitz 2021 einzuweihen. „Ja, wir nehmen nun Abstand von diesen Plänen“, erklärte Leder gegenüber der SZ. Immerhin aber, so sagte der Stadtrat, wäre es möglich, den Großen Saal, so wie er jetzt aussieht, für eine „kleine Festivität zum Stadtjubiläum“ zu nutzen. Der Kleine Saal soll bereits ab diesem Sommer für Veranstaltungen zur Verfügung stehen – aber nur in den Sommermonaten, weil keine Heizung vorhanden ist.

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