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Zellen zu Wohnzimmern

Für eines der letzten unsanierten Gebäude am Domplatz gibt es Pläne. Doch deren Umsetzung wird gar nicht so einfach.

© hübschmann

Von Christoph Scharf

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Von unten aus betrachtet, ist es einfach nur eine graue Fassade – so wie es noch einige in Meißen gibt. Erst vom Turm des Doms herab zeigt sich, was für ein großer Komplex wirklich am Domplatz 4 steht. Um einen Innenhof gruppieren sich vier Flügel mit Dutzenden Fenstern. In der Mitte entsteht langsam eine Art Urwald.

Der dürfte bald gerodet werden. Denn für das Gebäude liegt seit 2014 eine Baugenehmigung vor. Ihr Titel: „Umbau und Umnutzung des Gebäudes (ehemaliges Arrestantenhaus) zu einem Wohn- und Geschäftshaus“. Damit wird auf den Eigentümer, einen Österreicher, einiges zukommen. Denn der vorerst letzte große Umbau des 400 Jahre alten Gebäudes ist mehr als ein Jahrhundert her. Damals verwandelte man das spätgotische Domherrenhaus in ein Gefängnis – das als solches laut Stadtverwaltung bis zum Jahr 1964 genutzt wurde. Seit dem stand es meist leer, bis auf eine Zwischennutzung als Museumsdepot.

Zeitweise hatte die Stadt überlegt, die Immobilie für die Verwaltung und das Depot des Museums umzubauen. Dazu kam es aber dann doch nicht, nachdem der Freistaat nach 1990 das Gebäude für sich reklamierte – um es etwa 2005 schließlich an Privathand zu verkaufen.

Damals sollte das Gebäude neben dem Amtsgericht in ein Hotel umgewandelt werden – doch es blieb bei einer Nutzungsstudie. Zwischenzeitlich gab es Pläne, dort eine „Event-Pension“ unterzubringen. Es soll ja Leute geben, die gern hinter vergitterten Fenstern Urlaub machen. Vor drei Jahren ging das einstige Domherrenhaus dann aber an den Österreicher.

Der will dort gleich für mehrere Nutzungen Platz schaffen, sagt Meißens Baudezernent Steffen Wackwitz: Räume für Gewerbelokale und Ausstellungen, dazu Wohnungen. Das dürfte nicht so einfach werden. Denn kleine Zellen lassen sich nicht ohne Weiteres in Luxuswohnungen verwandeln. „Die Raumqualität stelle ich mir mäßig zum darin Wohnen vor“, sagt Tom Lauerwald vom Meißner Stadtarchiv. „Um vernünftige Wohnungen darin einzubauen, müsste man die Decken wieder anheben. Und das hätte weitreichende Konsequenzen bis hin zur Fassade.“

Immerhin: Laut Stadt hat der Bauherr denkmalpflegerische Hinweise für den Umbau bislang in der Planung berücksichtigt, ebenso Hinweise zur Bau- und Bodenarchäologie. Die dürften auf dem geschichtsträchtigen Gelände am Dom nicht zu knapp ausfallen. Noch im November 2012 gab es restauratorische Sondierungen. Bis tatsächlich die Handwerker anrücken, sind laut Steffen Wackwitz noch viele Details mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abzustimmen. Dazu gehört etwa die Gestaltung des Belags von Innenhof und geplanter Durchfahrt zum Domplatz – denn der Eigentümer will den Lichthof auch dazu nutzen, um dort Abstellflächen für Autos zu schaffen. Mit Stellflächen ließen sich Wohnungen am Domplatz besser vermieten. Die meisten Nachbarn nutzen dafür das Parkhaus unten am Aufzug.

Ob man einen Innenhof nicht auch besser nutzen kann als für einen Parkplatz, ist die andere Frage. So oder so: Die Stadt hält die Sanierung des Gebäudes dringend für notwendig, auch wenn davon noch keine Gefahr für Passanten ausgeht. Wenn das Haus fertig ist, bleibt dort oben nur noch das Kornhaus als graue Fassade übrig. Die ist aber eine ganze Nummer größer.

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