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Zentendorfer beteiligen sich am Protest

Erste Bäume an der Bahnstrecke Knappenrode-Horka fallen schon. Kritiker des Bahnausbaus schließen sich zusammen.

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Von Wulf Stibenz und Katja Schlenker

Aus der Klittener Bürgerinitiative ist jetzt eine Lausitzer Bürgerinitiative geworden. Sind es vor Jahren in Klitten eine Handvoll besorgte Bürger gewesen, die sich um Naturschutz, Naherholungsgebiete und die Lebensqualität in dem von Schienen zerschnittenen Ort gesorgt haben – sind dann Nieskyer Bürger dazugestoßen, die sich gegen einen Bau- und Lagerplatz in Niesky Neuhof gewendet haben. Ebenfalls mit im Boot sind nun Menschen aus Horka, Zentendorf, Petershain, Uhyst oder Knappenrode. Der Tenor ist aber geblieben: Es geht nicht darum, gegen die Bahn oder auch den Ausbau der Bahnstrecke zu agieren – aber es geht um den bestmöglichen Kompromiss für die Menschen vor Ort. Der neue und stark gewachsene Zusammenhalt ist durchaus nachvollziehbar, weil die Aktivitäten der Bahn zum Ausbau anlaufen. Auf dem Gebiet der Stadt Niesky laufen Baumfällungen entlang der Zugstrecke. Die zuständigen Behörden und Ämter haben zwar die Folgen des Bahnausbaus und der damit verbundenen Straßenumleitungen durch die Stadt angesprochen – aber bislang keine rundum akzeptierten Lösungen präsentiert. Ähnlich läuft es derzeit einige Kilometer weiter in Horka: Auch da laufen die ersten Arbeiten für den Ausbau der Niederschlesischen Magistrale. Bäume sind in den vergangenen Wochen entlang der Staatsstraße 121 am Güterbahnhof gefällt worden. „Die Trasse ist mittlerweile fast erkennbar“, sagt Bürgermeister Christian Nitschke (CDU) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. „Demnächst soll der Tunnel zur Wasserscheide hin gebaut werden.“ Es passiert also was entlang der Strecke Knappenrode-Horka. Und deshalb ist aus mehreren Gruppierungen nun eine größere geworden. Es gibt jetzt den Verein „Zu(g)kunft Lausitz“. Laut Vereinssprecher Lutz Grohmann aus Klitten verdichten sich die Hinweise aus allen Initiativen, dass die „Rechtmäßigkeit des bisherigen Verfahrens“ bei der Planung angezweifelt werden müsse. Grohmann: „Dies betrifft auch den Umgang der Behörden mit vorliegenden gutachterlichen Stellungnahmen.“ Kritisch hinterfragen will der Verein mit Sitz in Zentendorf, die Maßnahmen zum Schutz der Bürger vor Lärm sowie des Schutzes der Natur mit Blick auf das Biosphärenreservat.

Der Nieskyer Andreas Clauß begründet den Zusammenschluss der Initiativen und eine jetzt initiierte Information an die Kommunen damit, dass „wir bei unseren Recherchen darauf gestoßen sind, dass die Gemeinden teilweise noch gar nicht wissen, was da in Sachen Zugverkehr auf sie zurollt.“ So würden 180 Züge pro Tag mit bis zu 160 km/h bereits im Jahr 2020 prognostiziert werden. Zwar haben die Bahnplaner um Ulrich Mölke bei den Vor-Ort-Terminen immer wieder betont, dass die neue Technik entlang der Strecke extrem kurze Schließzeiten an den Bahnübergängen zufolge habe. Jedoch kommt unter anderen auch Andreas Claus zu aufrüttelnden Zahlen: „Je nach Taktung wäre etwa mit Schließzeiten zwischen 12 und 15 Stunden pro Tag zu rechnen.“ Und das wolle man kritisch begleiten – damit am Ende die Überraschung nicht zu heftig ausfalle.

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