merken
PLUS

Zentrum ist legitim, aber nicht akzeptiert

über das geplante Jugendprojekt

Sebastian Beutler

Es ist das Prestigeprojekt von Oberbürgermeister Siegfried Deinege: das Jugendzentrum im Waggonbau-Werk. Damit hat er bei seiner Wahl auch viele jugendliche Stimmen eingesammelt, ja unter Teilen der Jugend eine Aufbruchstimmung vermittelt: Endlich werden wir ernstgenommen, heißt es da. Nun steht er bei ihnen im Wort. So sehen es auch die Parteien und Wählervereinigungen, die ihn bei der Wahl unterstützten.

Anzeige
Abwrackprämie für Ihren "Alten"
Abwrackprämie für Ihren "Alten"

Die Autogalerie Dresden hat sich ein besonderes Angebot ausgedacht: 5.000 Euro Umtauschprämie.

Es ist aber nicht nur ein Prestigeprojekt. Das griffe zu kurz. Tatsächlich haben Jugendgruppen erklärt, dass es in der Stadt Defizite bei jugendlichen Angeboten gibt. Die wichtigsten: Oft geht es in den Einrichtungen nur darum, junge Menschen wieder auf die richtige Bahn zu bringen, „Normalos“ haben keine Möglichkeit, sich auszuprobieren. Es fehlen Räume für größere Veranstaltungen, und sei es ein gemeinsames Frühstück – ohne Eltern. Deutsch-polnische Initiativen sollen ebenso durch das Zentrum eine dauerhafte Heimstätte erhalten. Das sind alles legitime Anliegen, aber rechtfertigen sie auch ein zwei-Millionen-Objekt mit Folgekosten, deren Höhe naturgemäß noch nicht feststehen können?

Sicher, es sollte und darf sich in dieser Stadt in der Kommunalpolitik nicht alles ausschließlich nach dem Geld richten. Es geht auch um Freiräume für bestimmte Gruppen. Senioren wollen etwas anderes als Jugendliche, Kinder streben nach anderen Erfahrungsmomenten als Mittvierziger. Für alle ist die Stadtpolitik da und mitverantwortlich. Und sie muss dann doch wieder mit den Geldern, die sie hat, haushalten. Deswegen kann sie gar nicht anders, als Vorhaben zu favorisieren, die möglichst vielen dieser Einzelgruppen zugutekommen. Dass die Mehrheit der Görlitzer von dem Jugendzentrum nicht überzeugt ist, liegt daran, dass genau diese Schnittmengen gering sind. Die Stadt ist so frei ein Zentrum für Jugendliche einzurichten, sie kommt aber in Erklärungsnot, wenn andere Gruppen auf die Verwirklichung ähnlicher Einzelinteressen drängen und abgewiesen werden. Darüber sollten sich alle Beteiligten klar sein. Es wäre schlimm, wenn die anstehende Kommunalwahl zu einer Abstimmung über das Jugendzentrum werden würde.