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Zerreißprobe für ein Denkmal

Thomas Wenzel wohnt im alten Ziegelmeisterhaus und nutzt ein fremdes Grundstück. Plötzlich könnte ihm der Zugang fehlen.

© Eric Münch

Von Kay Haufe

Am Beginn seiner Haussanierung schien für Thomas Wenzel vieles unmöglich. 1984 gab es in der DDR weder Baustoffe noch geeignete Maschinen, um das verfallene Denkmal in der August-Böckstiegel-Straße 7 unweit der Dampferanlegestelle wieder herzurichten. Nur eines war klar: Wenzel durfte die benachbarten Grundstücke nutzen, um das alte Ziegelmeisterhaus als Ensemble mit Stützmauern und Bauerngarten wieder aufzubauen. Es gab eine explizite denkmalpflegerische Zielstellung. Heute hat sich die Situation komplett verkehrt: Das alte Haus hat zwei Hochwasser überstanden und ist dank Bauingenieur Wenzel fleißiger Arbeit ein Schmuckstück. Doch ob er es bald noch betreten darf, weiß Hausherr Wenzel nicht.

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Sein neuer Nachbar, Uwe Ulrich, fordert einen Grundstücksteil ein, der quer durch Wenzels herrlichen Bauerngarten und weiter direkt vor der Eingangstür entlang bis zum Gartenzaun verläuft. Nachdem Ulrich im Vorjahr das Restaurant Pillnitzer Elbblick gekauft hat, gehört ihm auch besagtes Flurstück 192. Das weiß Thomas Wenzel. „Ich habe mich deshalb im November 2013 schriftlich um den Kauf des Grundstückes bei Herrn Ulrich bemüht. Darauf hat er nie geantwortet“, sagt Thomas Wenzel. Stattdessen bekam er Post von Ulrichs Anwalt. „Darin wird mir untersagt, die Grundstücke von Herrn Ulrich zu betreten. Außerdem soll ich den Teil des Gartens, meiner Wiese und des Weges räumen, der ihm gehört“, sagt Wenzel. Der 59-Jährige ist niedergeschlagen. „Mein Grundstück ist so gelegen, dass ich weder an den Hauseingang noch an die Grundstückszufahrt komme, ohne das Land von Herrn Ulrich zu betreten.“

Bisher war das für den Pillnitzer kein Problem. Zu DDR-Zeiten hatte er seit 1984 eine Nutzungsvereinbarung über die Flächen mit dem VEB Binnenschifffahrt Oberelbe. Diese besagte, dass Wenzel das Land nutzen darf, wenn er im Gegenzug den Winterdienst auf den Wegen übernimmt sowie Wiesen und Mauern pflegt. Das tut der Bauingenieur nun seit Jahrzehnten sehr gewissenhaft. Nach der Wende hat sich Wenzel sofort beim Nachfolgebetrieb, der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH, um den Kauf des Grundstückes bemüht. „Doch damals wurde gesagt, dass die Lage unübersichtlich sei und man dies nicht entscheiden könne“, erinnert sich Wenzel. Kurze Zeit später erfuhr er, dass das Grundstück gemeinsam mit dem Pillnitzer Elbblick an einen Hamburger verkauft sei. Mit diesem wurde sich Wenzel schnell einig. „Er übernahm den Nutzungsvertrag und so blieb alles beim Alten“, sagt Wenzel. Bis nach dem Hochwasser 2013 Uwe Ulrich das Grundstück kaufte.

„Für mich ist es nicht vorstellbar, dass der Garten so zerstückelt wird“, sagt Wenzel. Mauern müssten eingerissen, Sträucher ausgegraben werden. Ganz abgesehen von den Zugängen zum Haus. „Ich möchte eine friedliche Lösung finden und das Grundstück kaufen oder zu einem vernünftigen Preis pachten“, sagt Wenzel.

Sein Nachbar Uwe Ulrich, der im bayerischen Ichenhausen eine Handelsfirma für Gerüste, Schalungen und Baugeräte betreibt, möchte sich nicht zum Fall äußern. Er habe einen Anwalt damit beauftragt und ein Gericht müsse die Sachlage klären. „Das kann nur ein unabhängiger Dritter: ein Gericht eben“, sagt Ulrich zur SZ.

Doch es gibt Rückendeckung für Thomas Wenzel. Die kommt von der Stadt. „Der in den 1980er-Jahren im Zusammenhang mit der Sanierung des denkmalgeschützten Wohnhauses August-Böckstiegel-Straße 7 angelegte Garten ist als Schutzgegenstand des Denkmalschutzgebietes Elbhänge, in dessen Geltungsbereich sich das Anwesen befindet, geschützt“, scheibt Dresdens Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos). „Bei einer Abtrennung und Einfriedung des durch die Gartenanlage verlaufenden Grundstücks 192 wäre eine Erhaltung des Gartens in der vorhandenen Gestaltung nicht möglich. Gleichzeitig würden auch Erscheinungsbild und Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes August-Böckstiegel-Straße 7 erheblich beeinträchtigt. Es ist Anliegen des Denkmalschutzes, die Gartenanlage möglichst unverändert zu erhalten“, so Lunau weiter. Die Denkmalschutzbehörde sei bereit, Wenzel als Eigentümer eines Kulturdenkmales bei der Findung von Kompromissen zu unterstützen.

Auch die Sächsische Dampfschifffahrt musste Kompromisse mit Ulrich finden, über dessen Grundstück der Weg zur Pillnitzer Dampferanlegestelle verlief. Künftig wird der einstige Treidelpfad zum Schloss ausgebaut, damit die Besucher von und zum Schiff kommen. Nur ein Verkaufshäuschen darf am Anleger stehen.