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Bautzen

Ärger über Vandalismus in Obergurig

Unbekannte haben Tafeln beschädigt, die an den Landmaschinenbau erinnern. Mutwillige Zerstörungen sorgen aber nicht nur an dieser Stelle für Unmut.

Große Infotafeln erinnern in Obergurig an den Landmaschinenbau. Erst vor einem Jahr sind sie auf Initiative eines Vereins aufgestellt worden. Jetzt wurden sie beschädigt. Vorsitzender Ronald Seckel ärgert sich unter anderem über umgeknickte Teile.
Große Infotafeln erinnern in Obergurig an den Landmaschinenbau. Erst vor einem Jahr sind sie auf Initiative eines Vereins aufgestellt worden. Jetzt wurden sie beschädigt. Vorsitzender Ronald Seckel ärgert sich unter anderem über umgeknickte Teile. © SZ/Uwe Soeder

Obergurig. Wanted. In fetten schwarzen Großbuchstaben prangt das englische Wort – zu deutsch: gesucht – auf knallgelben Zetteln. Aufgehängt hat sie der Oberguriger Helo-Verein, der sich mit der historischen Entwicklung des Landmaschinenbaus in der Oberlausitz beschäftigt. Seine Mitglieder sind bestürzt. Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit haben Unbekannte die „Straße der Erinnerung“ beschädigt. „Diese Vandalen suchen wir jetzt“, sagt Vereinsvorsitzender Ronald Seckel.

Die „Straße der Erinnerung“, das sind zwölf große Tafeln, auf denen Texte, Zeichnungen und Fotos die Geschichte des Landmaschinenbaus in Singwitz und Obergurig darstellen. In der Hoch-Zeit hatte der Betrieb Erntemaschinen Singwitz immerhin rund 2 900 Beschäftigte. Von Anfang der 1950er-Jahre bis 2008 wurden über 90 000 Mähdrescher gebaut. Die Infotafeln waren erst vor einem Jahr auf Initiative des Vereins an der Fortschrittstraße aufgestellt worden. 7 600 Euro kostete das. Die EU förderte das Projekt zu 70 Prozent.

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Jetzt sind die Tafeln verunstaltet. Im März haben Unbekannte vermutlich mit Zigaretten Brandflecke darauf verursacht. Einige Jahreszahlen kann man nun nur noch erahnen. Und in der Nacht zum 26. Mai bogen Randalierer mit viel Kraft die oberen Teile der Seitenflügel von vier Tafeln um. Daraufhin erstattete die Gemeinde Obergurig Anzeige, so wie schon nach dem ersten Vorfall. Inzwischen hat auch der Helo-Verein eine Anzeige bei der Polizei eingereicht. Sie bittet jetzt um Zeugenaussagen. Damit gibt sich der Verein aber nicht zufrieden, sondern sucht selbst nach Hinweisen auf die Täter. Mit den gelben Wanted-Zetteln und mit Erkundigungen in der Nachbarschaft. Dabei hat Ronald Seckel zum Beispiel erfahren, dass in jener Nacht Anwohner zwischen 3 und 4 Uhr Krawall gehört haben, dass an der Wilthener Straße Begrenzungspfosten herausgerissen und auf ein Grundstück geschmissen wurden und dass Öffnungszeitentafeln einer Bäckerei mit Steinen beworfen wurden. Das deute darauf hin, dass eine Gruppe von Leuten auf dem Heimweg von einer Feier randaliert habe, meint Ronald Seckel.

Auch in anderen Orten gibt es Probleme

„Leider sind in letzter Zeit wieder öfter Zerstörungen im Gemeindegebiet zu verzeichnen“, sagt der Oberguriger Bürgermeister Thomas Polpitz (CDU). So wurden am Spreeradweg zwischen Großdöbschütz und Großpostwitz fünf Eichen mutwillig umgebrochen. Sie waren erst letztes Jahr von einer Familie gesponsert und mit Hilfe des Bauhofes gepflanzt worden. „Gerade nach Dorffesten merken wir, dass Straßenbegrenzungspfähle oder Ortseingangsschilder umgebrochen oder rausgerissen werden“, berichtet der Bürgermeister.

Mutwillige Zerstörungen sorgen auch in anderen Orten für Ärger. Zum Beispiel in Sohland. „Vor einigen Wochen haben Unbekannte eine Rasthütte in der Nähe der Sternwarte zerstört. Es wurden Papierkörbe geschrottet, Scherben breit geschmissen und so das Ensemble kurzfristig unbenutzbar gemacht“, berichtet Bürgermeister Hagen Israel (parteilos). Ein Buswartehäuschen im Umgebindehausstil in Taubenheim war in letzter Zeit mehrfach Ziel von Vandalen. Die Jugendfeuerwehr hatte es zuvor bei der 48-Stunden-Aktion neu gestrichen. „Leider wurde es beschmiert und angekokelt“, sagt Hagen Israel.

Während diese Schäden durch die Gemeinde schnell beseitigt und die umgeknickten Bäume von Obergurig ersetzt wurden, prüfen Ronald Seckel und seine Mitstreiter noch, wie sie die Erinnerungstafeln reparieren können. Die umgeknickten Teile einfach gerade zu biegen, ist keine Option. Dabei würden die Plastikplatten vermutlich brechen. Obendrein löst sich in den Knickstellen die Folie, auf der die Infos aufgedruckt sind. Der Austausch der Seitenteile kostet schätzungsweise 800 bis 1 000 Euro. „Das können wir uns nicht leisten“, bedauert der Vereinsvorsitzende. Noch schlimmer als den materiellen Schaden findet Ronald Seckel den ideellen.

Hinweise erbeten

Rund drei Jahre hat der Verein die Aufstellung der Tafeln intensiv vorbereitet. Viel Arbeit war nötig, um aus der Fülle des zusammengetragenen Materials das auszuwählen, was am eindrücklichsten über die Geschichte des Landmaschinenbaus in Obergurig und Singwitz informiert und seine historische Bedeutung vor dem Vergessen bewahrt. Doch nicht nur das Engagement des Vereins haben die Randalierer „mit Füßen getreten“. Sondern auch die Arbeit von Wilthener Oberschülern und Gymnasiasten, die die Tafeln im Rahmen der Aktion „Genial sozial“ regelmäßig pflegen. Auch deshalb hofft der Helo-Verein, dass die Täter gefunden und zur Verantwortung gezogen werden.

Hinweise zu den Zerstörungen an: Polizei in Bautzen  03591 3560, Verein Helo 035938 50341, Gemeindeverwaltung Obergurig 035938 5860

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