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Zerstört Dohna die alten Rathausfenster?

Raus, sagt der Bürgermeister. Lassen, die Opposition. Entscheidet der Denkmalschutz?

© Marko Förster

Von Heike Sabel

Bleiglasfenster sind etwas Besonderes. Sie geben einem Raum, noch dazu einem Ratssaal, das gewisse Etwas. Die ersten Fenster dieser Art wurden im Dohnaer Rathaus vor etwa hundert Jahren eingebaut. Dem Denkmalschutz liegt ein Foto von 1915 vor. Auf einem Zeitungsfoto von 1939 sind ebenfalls Bleiglasmosaikfenster erkennbar, aber eindeutig andere als jetzt. Die sind 1991 eingebaut worden.

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Von innen: Die Decke, die Holzverkleidungen und auch das Sandsteinrelief im Ratssaal bleiben. Noch sind auch die Fenster drin, doch sie sollen nun ausgetauscht werden, geht es nach Bürgermeister Müller.
Von innen: Die Decke, die Holzverkleidungen und auch das Sandsteinrelief im Ratssaal bleiben. Noch sind auch die Fenster drin, doch sie sollen nun ausgetauscht werden, geht es nach Bürgermeister Müller. © Marko Förster

Sie machen nicht den Eindruck, etwas Besonderes zu sein. Weder große Muster noch aufwendige Mosaike, nur ein schmaler, relativ dezenter Rand und die typische Gliederung. Die dunkelbraunen Fensterrahmen sind ein Kontrast zum hellen Eichenholz, mit dem die Decke und Wände des Raumes verkleidet sind. Nun sollen im Rahmen der Rathaussanierung insgesamt rund 80 Fenster im Gebäude ausgetauscht werden. Vor allem um die sechs im Ratssaal entbrannte nun ein Streit zwischen Stadtrat und Bürgermeister.

„Da gehen wir auf keinen Fall mehr mit“, kündigte Hans-Jörg Fischer (Freie Wähler) an. Damit provozierte er eine harte Auseinandersetzung. Für die Freien Wähler geht das rein menschlich nicht, „solchen Mist“ zu machen. „Wir wollen einfach appellieren, dass nicht über jede Tradition hinweggegangen wird.“ So weit, so gut. Doch der in solchen Fällen immer als Schiedsrichter fungierende Denkmalschutz legt keinen besonderen Wert auf die Fenster. „Beim Einbau neuer Fenster sind die denkmalschutzrechtlichen Bestimmungen hinsichtlich Flügeligkeit, Gliederung und Profilbreiten einzuhalten“, lautet der Hinweis des Landratsamtes.

Dass der Denkmalschutz so lapidar mit den Fenstern umgeht, können Fischer und sein Fraktionskollege und Tischler Rudolf Werner nicht nachvollziehen. Sie haben drei Gutachter herangezogen, die sagen, die Fenster sind erhaltenswert und passen zum gesamten Bau. Genau dabei gehen die Meinungen offenbar auseinander. An so einem Rathaus ist über Jahrhunderte immer wieder etwas verändert worden, sagte die Baubetreuerin. Nun müsse man sich für einen Stil entscheiden. Und der sieht eben die Bleiglasfenster nicht mehr vor.

Tolles Bild oder klare Sicht

Die Freien Wähler halten die Gutachteraussagen der drei selbstständigen Handwerksmeister dagegen. Zwei davon wollen mit ihren Namen nicht in die Öffentlichkeit. Deren Aussagen würden jedoch mit denen der Firma Jäkel übereinstimmen. Die schätzt ein: keine Schäden, Montage erfolgte nach den Normen, Verglasung entspricht den Anforderungen. Quintessenz: Die Fenster im Rathaus sollten nur teilweise ausgetauscht werden, da sie sanierungsfähig sind, sagt Fischer. Vor allem aber geht es ihm um die sechs im Ratssaal. „Sie bieten ein tolles Bild für einen würdevollen Raum.“ Sie gegen einfache Klarglasfenster auszutauschen, sei absurd und zeige, wie weit sich Bürgermeister und Planer vom Willen der Dohnaer Bürger entfernen. Viele Dohnaer seien mit dem Ratssaal in seiner bisherigen Form eng verbunden, da früher hier die Trauungen stattfanden. Für Müller verständlich, aber kein Grund, die Fenster zu behalten. Jedenfalls nicht im Rathaus und nicht für die Stadt. Wenn sie jemand wolle, bitte schön.

Müller öffnet eines der Fenster. Da sie einflüglig sind, bekommt es der dort Sitzende ins Kreuz. Deshalb sollen die neuen wieder zweiflüglig sein. Außerdem blättert die Farbe von den äußeren Rahmen. Müller kritisiert unter anderem, dass die Fenster, die seit 1992 alle fünf Jahre hätten gestrichen werden müssen, bis 2008 nicht einmal neue Farbe erhalten hätten. Fischer, der mit seiner Baufirma maßgeblich an der Rathaussanierung 1992 beteiligt war, hat schon im Dezember in einem Brief an die Stadt auf die Brisanz hingewiesen.

Auf die jetzt erfolgte mehrheitliche Vergabe der Aufträge für den Fenstertausch hatte das keine Auswirkungen. Für Fischers Fraktion ist das Geldverschwendung und Missachtung von Traditionen. Noch in dieser Woche soll ein Termin vor Ort mit dem Denkmalschutz stattfinden.