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Zerstörte Parkbänke ärgern Riesaer

Angekokelte Sitzplanken, heraus- gerissene Verankerungen, Müll: Nahe dem Bootshaus sah es am Wochenende schlimm aus. Das sorgt für heftige Kritik.

Schnapsflaschen, Tabakwaren, Grillreste: Der Zustand nicht nur dieser Parkbank rief am Sonnabend Empörung bei Passanten und Kommentatoren im Internet hervor.
Schnapsflaschen, Tabakwaren, Grillreste: Der Zustand nicht nur dieser Parkbank rief am Sonnabend Empörung bei Passanten und Kommentatoren im Internet hervor. © Eric Weser

Riesa. Pärchen beim Spazieren, Familien beim Picknicken, Radler auf Tour: Sonnabendnachmittag war am Elbufer im Riesaer Stadtpark Wochenendidylle angesagt. Zwei zerstörte Bänke nahe dem Bootshaus aber wollten so gar nicht in die friedliche Szenerie passen. Eine Bank war komplett demoliert. An der anderen fehlte eine Sitzplanke. Das Holzstück lag auf dem Boden, in der Mitte angekokelt. Daneben: Eine Grillschale, Schnapsflaschen, Tabakwaren.

Jugendliche unter Verdacht

Im sozialen Netzwerk Facebook sorgten Fotos von dem Mix aus Zerstörung und Verschmutzung für eine Debatte. „Da fehlen mir die Worte“, schrieb ein Nutzer, dessen Bilder am Sonnabend die Diskussion ins Rollen brachten. Schnell wurden in Kommentaren Mutmaßungen über Schuldige laut: „An der Stelle war gestern Abend eine Gruppe Jugendlicher, zu dem Zeitpunkt war die Bank aber noch ganz“, so ein Kommentator. Forderungen nach teils drakonischen Strafen für die Verursacher machten die Runde.

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Warum ausgerechnet Jugendliche so über die Stränge geschlagen haben könnten, war für eine Nutzerin klar: „Riesa hat keine Angebote für Jugendliche“. Die Idee der Frau: „Programme, Clubs oder Ähnliches ins Leben ... rufen, welches von Pädagogen geleitet oder überwacht wird“.

Eine weitere Parkbank gleich neben der angekokelten wurde offenbar komplett zerstört. Montagvormittag wurden sie von der städtischen AGV zur Reparatur abgeholt.
Eine weitere Parkbank gleich neben der angekokelten wurde offenbar komplett zerstört. Montagvormittag wurden sie von der städtischen AGV zur Reparatur abgeholt. © Eric Weser

Auch Stadtrat Gunnar Hoffmann (parteilos) mischte sich in die Online-Debatte ein. Er brachte die Schäden in Verbindung mit der Stadtpolitik: „Das passiert, wenn unsere konservativen Stadträte den Jugendorganisationen die bereits beschlossenen Gelder wieder streitig machen.“ Damit spielte das Mitglied der Fraktion Gemeinsam für Riesa auf CDU und AfD an. Beide Fraktionen hatten jüngst dafür gesorgt, dass eine Entscheidung über die Geldvergabe an die Träger Outlaw und Sprungbrett verschoben wurde. Die Träger kümmern sich im Stadtauftrag um die Jugendarbeit in Riesa.

Für Streetwork fehlt das Personal

Outlaw-Teamleiterin Anja Müller zuversichtlich, dass die Gelder beim nächsten Stadtratstreffen im September doch bewilligt werden. Zur Frage, ob Outlaw mit Mitarbeitern auf der Straße präsent ist, sagt sie: „Es gibt keine Streetworker im klassischen Sinne.“ Die Mitarbeiter seien vorwiegend in den Einrichtungen wie dem „Riemix“ an der Klötzerstraße aktiv. Vorige Woche gab es dort zum Beispiel die Hip-Hop-Woche mit 20 angemeldeten Teilnehmern. Mobile Arbeit finde auch statt, aber auf Spielplätzen und ausgerichtet auf Familien. Streetwork mit Jugendlichen brauche Kontinuität, um eine Beziehung zu den jungen Leuten aufzubauen, so Anja Müller. Einmal die Woche da zu sein, reiche nicht. Dass kein Streetwork stattfindet, liege daran, dass dafür das Personal fehle.

Was die zerstörten Parkbänke angeht, steht jetzt erst mal eine Reparatur an. Mitarbeiter der städtischen Allgemeinen Grundstücksverwaltung (AGV) haben die Möbel am Montagmorgen mit einem Transporter abgeholt, um sie nach Merzdorf auf den AGV-Betriebshof zu bringen. „Wir gehen davon aus, dass die Bänke bis Ende der Woche erneuert werden“, so AGV-Chef Roland Ledwa. Die Reparaturkosten bezifferte er auf rund 750 Euro.

Öfters als Zerstörung kommt vor, dass in Riesa Parks und Gärten vermüllt werden, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler. Auch am Elberadweg am Stadtpark gab es am Sonnabend neben intakten Sitzbänken reichlich Unrat zu sehen, den Besucher wohl tags zuvor hinterlass
Öfters als Zerstörung kommt vor, dass in Riesa Parks und Gärten vermüllt werden, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler. Auch am Elberadweg am Stadtpark gab es am Sonnabend neben intakten Sitzbänken reichlich Unrat zu sehen, den Besucher wohl tags zuvor hinterlass © Eric Weser

Wie oft Bänke an dem Weg zerstört werden, darüber gibt es nur Schätzungen. Die AGV spricht von zwei bis drei Beschädigungen je Saison. Aus dem Rathaus heißt es, man führe keine Statistik über Vandalismus. Häufiger sei aber die Vermüllung von Parks und Gärten, so Stadtsprecher Uwe Päsler. 

Ordnungsamt bestreift Stadtgebiet

Die Stadt erstatte in solchen Fällen immer Anzeige gegen Unbekannt. Doch was tut die Kommune, um vorzubeugen? „Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes bestreifen regelmäßig das Stadtgebiet, aktuell auch nach wie vor mehrmals in der Woche gemeinsam mit der Polizei“, sagt Stadtsprecher Päsler. Es sei aber „unmöglich, überall gleichzeitig zu sein, erst recht am Wochenende und in den Nachtstunden.“ In puncto Jugendarbeit verweist die Stadt darauf, dass sie Projekte „erheblich über dem Durchschnitt vergleichbarer Städte“ finanziere, die auch viele Jugendliche gern wahrnehmen.

Ob man jene, die für die Zerstörung am Weg im Stadtpark verantwortlich sind, mit irgendeinem Angebot erreichen könne – da ist man aber nicht nur im Rathaus skeptisch.

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