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Zeugnisse für den Corona-Jahrgang

Veranstaltungen zum Schuljahresende sind wieder erlaubt. Aber wird es jetzt Abschlussfeiern und Abi-Bälle geben?

Zeugnisausgabe an die Abiturienten des Jahrgangs 2014 am Lessing-Gymnasium. Im Jahr 2020 wäre dieses Foto unmöglich. Der Mindestabstand in Corona-Zeiten muss 1,50 Meter betragen. Abschlussfeiern sind zwar wieder erlaubt, aber nur mit Einschränkungen.
Zeugnisausgabe an die Abiturienten des Jahrgangs 2014 am Lessing-Gymnasium. Im Jahr 2020 wäre dieses Foto unmöglich. Der Mindestabstand in Corona-Zeiten muss 1,50 Meter betragen. Abschlussfeiern sind zwar wieder erlaubt, aber nur mit Einschränkungen. © André Braun/Döbelner Anzeiger

Region Döbeln. Die Absolventen der 10. Klassen der Oberschulen und der 12. Klassen der Gymnasien werden als Corona-Jahrgang in die Geschichte eingehen. Fast nichts am Ende der Schulzeit dieser Klassen ist gelaufen wie in normalen Jahren. Jetzt hat der Freistaat Sachsen im Bereich der Schulen Lockerungen vorgenommen. Veranstaltungen zum Schuljahresende sollen wieder möglich sein. Kann es jetzt doch Festveranstaltungen und Abi-Bälle geben? Sächsische.de hat bei einigen Schulen nachgefragt.

„Wir sind noch bei der Meinungsbildung. Die Signale sind etwas diffus“, sagte Michael Höhme, Leiter des Lessing-Gymnasiums Döbeln. „Abschlussfeiern sind zwar wieder erlaubt, aber die Hygieneregeln sind einzuhalten.“ Der obligatorische Abi-Ball ist nach seiner Meinung auch nach den Lockerungen unmöglich.

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 „So ein Arrangement aus fröhlichem Abi-Balltreiben und Abstandsregeln kann ich mir nicht vorstellen.“ Wie der Schulleiter sagte, will er sich in Kürze mit dem Vorbereitungskomitee für den Abi-Ball beraten, ob es Alternativen gibt. „Vielleicht ist ein Notprogramm möglich oder der Ball wird im September oder Oktober nachgeholt. Dann kann aber nicht der ganze Jahrgang dabei sein.“

Wie die festliche Zeugnisausgabe aussehen kann, das ist auch noch nicht klar. Dem Gymnasium steht dafür die große Sporthalle zur Verfügung. Möglich wäre das übliche Modell mit allen Schülern und Eltern oder die Übergabe in zwei getrennten Gruppen. „Bei 84 Abiturienten plus Lehrern und Eltern sind wie schnell bei einer Zahl, wo es kritisch wird und wir bange Fragen stellen müssen“, sagte Michael Höhme.

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Am Gymnasium sind die Prüfungen fast beendet. Die Vorbereitungszeit für die Abiturienten fiel in eine Periode, in der die Regelungen noch deutlich strenger waren. „Die Schüler hatten Pech, weil die Lehrer nicht greifbar waren. Dafür hatten sie aber einen guten Puffer, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten“, sagte Höhme.

Im Martin-Luther-Gymnasium Hartha ist zu Abschlussfeier und Abi-Ball noch keine Entscheidung gefallen. „Ich warte noch auf die Allgemeinverfügung“, sagte Schulleiterin Heike Geißler. Dass der Abi-Ball stattfindet, könne sie sich aber nicht vorstellen. „An den Hygiene- und Abstandsregeln ändert sich nichts. Was will ich mit einem Abi-Ball ohne Buffet, auf dem man nicht tanzen kann“, sagte sie. „Die Zeugnisübergabe würde ich aber gerne mit Schülern und Eltern machen. Vielleicht in zwei Durchgängen.“

Die Waldheimer Oberschule hatte ihre Abschlussfeier in den vergangenen Jahren immer im Döbelner Volkshaus ausgerichtet. In diesem Jahr ist das abgesagt. „Wir werden für unsere 10. Klassen aber eine Form der wertschätzenden Zeugnisausgabe finden. Das haben sie sich verdient, nachdem sie sich sechs Jahre durch die Oberschule gequält haben“, sagte Schulleiter Jan Genscher. 

Die Zeugnisübergaben sollen in Gruppen erfolgen, voraussichtlich wird dafür die Sporthalle der Schule genutzt. Zwei Elternteile sollen der Feier beiwohnen dürfen. „Die geltenden Abstands- und Hygieneregeln werden für die Feier nicht außer Kraft gesetzt“, stellte der Schulleiter klar. 

Der einzige Kompromiss: Familien könnten sich ihre Stühle zusammenrücken. Für die obligatorischen Klassenfotos wählt die Schule ein unorthodoxes Verfahren. Weil sie die Schüler nicht nebeneinander aufstellen dürfen, werden sie einzeln fotografiert und dann per Bildbearbeitung zusammengeführt.

Auch das Rambazamba zum letzten Schultag ist für die Waldheimer Zehntklässler in diesem Jahr „weichgespült“ ausgefallen, wie Genscher sagte. Ein bisschen Kostümierung, ein klein wenig Pfeifkonzert, aber ohne Programm auf dem Schulhof.

In der Oberschule am Holländer in Döbeln ist der letzte Schultag es ähnlich verhalten gelaufen. Die Schüler haben sich aus den Corona-Bestimmungen einen Jux gemacht. „Die haben sich mit Zollstock fotografiert“, erzählte Schulleiterin Katrin Wagner.

 „Für die Schüler ist alles anders. Sie werden später sagen: Wir sind diejenigen, die den außergewöhnlichsten Schulabschluss hatten. Wichtig ist doch, dass wir keine Corona-Fälle hatten und die Prüfungen normal durchführen konnten.“ Die Abschlussfeier im Theater hat die Schule abgesagt. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern. 

„Ich will keine Schüler mit Masken dasitzen lassen“, sagte die Schulleiterin. Die Abschlusszeugnisse werden in kleineren Gruppen mit einem Programm übergeben. Dieses Jahr verlassen drei Abschlussklassen und zwei Hauptschulgruppen die Oberschule.

An den Oberschulen hatten die Prüfungen später als an den Gymnasien begonnen. Erst am 25. Mai wurde die erste Prüfung geschrieben. Deshalb hatte es auch ausreichend Zeit für die Vorbereitungen gegeben, sagte Thomas Winter, Leiter der Geschwister-Scholl Oberschule in Roßwein. 

Der letzte Schultag war für die Zehntklässler in seiner traditionellen Form ausgefallen. „Montag hätten sie den letzten Schultag gehabt, wir haben bis Mittwoch den Unterricht durchgezogen. Die Schüler haben das eingesehen“, sagte Winter. 

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Die sonst übliche Abschlussfeier für die Absolventen im Roßweiner Rathaussaal mit Programm werde es auf keinen Fall geben. Dort wären die Abstandsregeln nicht einzuhalten. „Wir werden die Zeugnisse wahrscheinlich gestaffelt übergeben und wir werden das Beste daraus machen.“

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