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Zgorzelecer protestieren mit Spaziergang

Polnische Mitarbeiter deutscher Firmen sitzen in der Heimat fest. Dagegen wollen sie demonstrieren - ohne Konfrontation zu der Grenzpolizei mit Maschinenpistole.

Seit dem 15. März ist die Stadtbrücke in Görlitz dicht. Dagegen gibt es jetzt Widerstand in Polen und Deutschland.
Seit dem 15. März ist die Stadtbrücke in Görlitz dicht. Dagegen gibt es jetzt Widerstand in Polen und Deutschland. © Nikolai Schmidt

Michal Niebudek hat Glück. Er kann von  zu Hause aus arbeiten. Zu Hause, das heißt Zgorzelec. "Home Office funktioniert bei mir gut", sagt er. Eigentlich ist Michal Niebudek bei einer Firma in Kodersdorf beschäftigt. Aber seit das Nachbarland die Einreisebedingungen verschärft hat, bleibt er daheim, zwangsläufig. "Wer will schon für zwei Wochen in Quarantäne?", fragt Michal Niebudek.

Protest wird im Internet organisiert

So lange dauert es, bis sich polnische Staatsangehörige wieder in ihrem Heimatland frei bewegen dürfen, wenn sie aus Deutschland einreisen, coronafrei, versteht sich. Ein unhaltbarer Zustand, findet Michael Niebudek. Auf Facebook hat sich deshalb eine Gruppe zusammengefunden, die eine Protestaktion organisiert. Keine "richtige" Veranstaltung, betont Michal Niebudek. Aber doch eine Art Zeichen.

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Das soll an der gesamten deutsch-polnischen aber auch an der polnisch-tschechischen Grenze zu sehen sein. Rund 5.000 Personen haben auf polnischer Seite schon ihr Interesse im Internet bekundet. Ob tatsächlich so viele mitmachen, ist offen. Von Stettin bis Görlitz soll an der geschlossenen Grenze zwischen Polen und Deutschland protestiert werden, an insgesamt sechs Übergängen.

Arbeiten in Deutschland, Familie in Polen

"Viele meiner Kollegen, die eigentlich jeden Tag in ein Nachbarland zur Arbeit gehen,  trifft die Grenzschließung hart", sagt Michal Niebudek der SZ am Donnerstag am Telefon. Vor dem 27. März, erinnert er sich, mussten Pendler ein Dokument beim Grenzübertritt vorzeigen, das belegt, dass sie in Deutschland arbeiten.  Das ist nun vorbei. "Etliche leben jetzt in Pensionen in Görlitz, im Grenzgebiet. Sie sind von ihren Familien getrennt und wissen nicht, wie lange dieser Zustand noch anhält", sagt Michal Niebudek. Ja, schildert er, es gibt Zuzahlungen. Aber ein Ausgleich zur Trennung von der Heimat, von den Familien sei das nicht.

Eine "echte" Demonstration an der Grenze ist in Polen nicht erlaubt. Deshalb wird es auf eine Art Spaziergang hinauslaufen. Es gibt kein Organisationsbüro oder Ähnliches, alles wird über das Internet koordiniert. Ob der Spaziergang nur an der Stadtbrücke in Görlitz stattfindet, Michal Niebudek kann es nicht sagen. "Ich werde einfach mit meinem Hund eine Runde an der Neiße drehen und schauen, was los ist", sagt der Zgorzelecer. Die gesamte Aktion soll auf jeden Fall im Rahmen der derzeit gelten gesetzlichen Möglichkeiten stattfinden. Sprich: mit Sicherheitsabstand, mit Masken. "Wir wollen keine Probleme", sagt Michal Niebudek. Inzwischen gibt es auch von deutscher Seite Unterstützung für die Aktion - ebenfalls im Rahmen des derzeit Möglichen. 

Deutsch-polnische Nachbarschaft vor Herausforderungen

Die momentan geschlossenen Grenzen beschäftigt auch das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt. Agnieszka Lada, stellvertretende Direktorin, widmet sich den gesellschaftlichen Folgen, die durch die vielen Einschränkungen entstanden sind und viel weitreichender seien als in Deutschland. In dieser Krisenzeit stehe die deutsch-polnische Nachbarschaft vor einigen Herausforderungen. Institutsdirektor Peter Oliver Loew sagt: "Dialog ist nötiger denn je, um die einstweilen geschlossenen Grenzen zu überwinden."

So sieht es auch Michal Niebudek aus Zgorzelec. "Unser Spaziergang dies- und jenseits der Grenze ist einfach nur ein Signal, das wir als Bürger setzen können", sagt er. Los geht es an diesem Freitag um 19 Uhr. 

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