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Zieht die Hochschule ins Kondensatorenwerk?

Die Hotelpläne sind an der Finanzierung gescheitert. Jetzt sind neue Ideen gefragt, denn abreißen will der Besitzer nicht.

© Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

Der Freistaat kann manchmal ganz schön nüchtern sein. „Bauliches Gesamtentwicklungskonzept“ hat er das Papier genannt, das er von der Hochschule Zittau/Görlitz verlangt. Darin soll die Einrichtung erklären, welchen Flächenbedarf sie für ihre beiden Standorte sieht.

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Aus dem Mund von Hochschulrektor Friedrich Albrecht klingt das alles viel lebendiger. Während seine Leute für Zittau noch am Rechnen und Erstellen sind, ist das Papier für Görlitz schon eingereicht. „Wir wollen entweder eine Campuserweiterung oder einen Campus 2“, sagt Albrecht. Letzteres würde heißen: Der Campus an der Stadtbrücke soll bleiben, wie er ist, aber zusätzlich sollen alle bisherigen Außenstellen geschlossen und ihre Inhalte an einem Ort zusammengelegt werden, an dem 3 000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung stehen. Wegfallen würden das Schloss in Klingewalde, ein Haus am Obermarkt und Büros in einem Haus in der Parkstraße. „Dafür wäre das alte Kondensatorenwerk ideal“, erklärt Albrecht und nennt neben der exakt passenden Größe und dem einmaligen Ambiente die Lage in nur 900 Metern Entfernung vom Campus und auf halbem Weg zwischen Campus und Wohnheim als Hauptargumente. „Die Hochschule würde in die Mitte der Stadt rücken, aber gleichzeitig könnte der Campus 2 vom Hauptcampus aus verwaltet werden, weil er so nah dran ist“, sagt Albrecht.

In der Tat gibt es für das Kondensatorenwerk derzeit keine anderen Nutzungspläne. „Momentan liegt alles auf Eis“, bestätigt Architekt Wolfgang Kück. Er hatte für den österreichischen Besitzer der alten Fabrik die Pläne für einen Umbau zum Hotel erstellt. „Leider haben die Banken das Ganze nicht finanziert“, bedauert Kück. Nun müsse neu überlegt werden. Einen Verkauf erwäge der Besitzer jedenfalls nicht. Auch ein Komplettabriss kommt nicht infrage: „Wenn ein Plan für den Rest der Gebäude da ist, könnte man vielleicht einzelne Teile abreißen, aber doch nicht vorher“, sagt der Architekt. Stattdessen habe der Besitzer neue Überlegungen, aber die seien noch längst nicht spruchreif.

Die Stadt würde ihn gerne unterstützen. „Wir haben das ganze letzte Jahr um die Finanzierung gekämpft und die Hoffnung erst vor Kurzem aufgegeben“, sagt Bürgermeister Michael Wieler. Mit dem Investor gekämpft habe die Stadt aus mehreren Gründen: Weil eine Förderung der Sächsischen Aufbaubank (SAB) mit guten Konditionen geplant war, weil die Stadt ein nobles Hotel an dieser zentralen Stelle sehr begrüßt hätte, aber auch, weil ansonsten wieder die Frage steht, wie es überhaupt weitergeht. „Wir haben innerhalb von wenigen Wochen die Baugenehmigung erteilt, und auch die Behörden des Landkreises haben gut mitgespielt“, erklärt Wieler.

Jetzt ist wieder der Punkt erreicht, an dem sich die Frage stellt, wie es überhaupt weitergehen kann. „Wir sind mit dem Eigentümer im Gespräch und würden uns wünschen, dass ein anderer die Investition übernimmt“, so Wieler. Das schließt der Eigentümer nicht aus. Die Stadt hingegen könne nicht an Kauf und Investition denken, denn sie selbst benötigt keine Räume. Da blieben nur Kauf, Abriss und Fortführung des Uferparks. Der Abriss aber ist bisher denkmalrechtlich ausgeschlossen. Also begrüßt Wieler die Idee der Hochschule: „Dem stünde der Eigentümer offen gegenüber.“ Sorgen wegen der Lage am Fluss hat er nicht: „Für den Hochwasserschutz liegen ein Konzept, eine Genehmigung und sogar eine Versicherungsbestätigung vor.“ Auch Kück betont, dass Hochwasser kein Problem wäre: „Das Werk ist nicht unterkellert und wird es auch künftig nicht sein.“ Überirdisch lasse sich heutzutage alles mit Schotten, Fluttoren und anderen technischen Möglichkeiten abdichten. So war es jedenfalls für das Hotel geplant.

Nun muss Albrecht noch den Freistaat überzeugen, dass das alles tatsächlich kein Problem ist. Prinzipiell nämlich erklärt der Freistaat immer wieder, dass er nicht in hochwassergefährdeten Zonen investiert. Deshalb ist sich Albrecht auch nicht sicher, ob sein Traum vom „Campus 2“ Wirklichkeit wird. Mit einer ganz flinken Entscheidung sei ohnehin nicht zu rechnen. Im Juli will die Hochschule das Konzept für den Standort Zittau fertig haben und das „bauliche Gesamtentwicklungskonzept“ für beide Standorte einreichen. Dann muss sie auf eine Entscheidung warten. Spricht sich der Freistaat gegen das Kondensatorenwerk aus, bliebe immer noch die Erweiterung des jetzigen Campus als Ausweichvariante.