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Zieht Jüdisches Museum in Alten Leipziger Bahnhof?

Grobe Pläne dafür gibt es bereits. Jetzt will eine Partei das Projekt beschleunigen. Doch das Gelände gehört noch dem Handelsunternehmen Globus.

Im Alten Leipziger Bahnhof könnte ein Jüdisches Museum und Kulturzentrum entstehen.
Im Alten Leipziger Bahnhof könnte ein Jüdisches Museum und Kulturzentrum entstehen. © René Meinig

Dresden. Die Idee, ein repräsentatives Museum und Zentrum für jüdische Kultur in Dresden anzusiedeln, gibt es seit einer Weile. Nun gibt es einen konkreten Standort und eine Idee, wie es möglich wäre.

Die Grünen kommen nun mit einem Vorstoß und wollen andere überzeugen. Dresden und der Alte Leipziger Bahnhof wären aus vielerlei Sicht für die Grünen besonders geeignet. 

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"Es geht darum, jüdische Menschen nicht nur als Opfer darzustellen", sagt Grünen-Stadträtin Agnes Scharnetzky. "Sie haben zur Finanzierung der Bahnstrecke beigetragen." Das gehöre auch zur jüdischen Geschichte in Dresden.

Der Alte Leipziger Bahnhof war der erste Kopfbahnhof der Fernbahnstrecke, die 1835 gebaut wurde. Es ist eines der ältesten Bahnhofsgebäude in Deutschland. Allerdings sind die erhaltenen Gebäude wie die alte Empfangshalle, Schuppen und auch Gleisanlagen ruinös. 

Bund und Land sollen das Museum finanzieren, sagen die Grünen. Dresden käme aber eine entscheidende Rolle zu. "Wir wollen ein Bekenntnis des Stadtrats dazu und den Oberbürgermeister auffordern, das Anliegen politisch in die Hand zu nehmen", sagt Grünen-Stadtrat Thomas Löser.

Die Stadt solle das Grundstück kaufen. Der Eigentümer, Globus, kann seinen ursprünglichen Plan nicht mehr umsetzen, dort einen großen Einkaufsmarkt zu errichten. Das sei politisch nicht gewollt. Stattdessen wird ein Ausweichstandort diskutiert. Die Stadt könne dann das Grundstück in die Stiftung für das Museum einlegen.

Jüdisches Café denkbar

In die ehemalige Empfangshalle könne das jüdische Museum einziehen. "Ein jüdisches Café wäre denkbar und Veranstaltungen, damit das jüdische Leben wieder eine größere Öffentlichkeit erhält", so Löser.

Natürlich gehe es bei dem Museum auch um die Nazi-Zeit. Vom Alten Leipziger Bahnhof wurden Juden deportiert. Daran müsse in dem Museum erinnert werden. Aber es gehe auch darum, an das sonstige jüdische Leben in ganz Sachsen zu erinnern, dazu gehören in den alten Grenzen auch Böhmen und Schlesien. Deshalb könnte die Geschichte der Juden in Polen und Tschechien integriert werden.

Die Jüdische Gemeinde aus Dresden sei auf Löser zugegangen. "Das war im Rahmen der Gedenkfeier für die Befreiung von Auschwitz im Landtag", erzählt er. Löser ist Stadtrat und Landtagsabgeordneter. "Ich wurde gebeten, mich für ein Bekenntnis des Stadtrates zu den Plänen einzusetzen, damit die Idee nicht in der Schublade verschwindet."

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Das setzen Scharnetzky und Löser nun um. Für ihren Antrag wollen sie in der kommenden Woche Gespräche mit CDU, Linke, SPD und FDP führen, um möglichst breite Zustimmung zu erhalten. Dann wird dieser eingereicht und schließlich entscheidet der Rat darüber. Die geplanten Wohnungen in dem Areal könnten trotzdem entstehen, sagen die Grünen.

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