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Zieht sich Flixbus aus der Oberlausitz zurück?

Das Unternehmen denkt darüber nach, sein Netz zu verkleinern. Auf der Streichliste stehen drei Haltestellen der Region.

Das Busunternehmen Flixbus prüft derzeit, ob Haltestellen gestrichen werden. Dabei geht es auch um den Stopp in Bautzen.
Das Busunternehmen Flixbus prüft derzeit, ob Haltestellen gestrichen werden. Dabei geht es auch um den Stopp in Bautzen. © Steffen Unger

Bautzen. Als die ersten grünen Busse in Bautzen, Görlitz und Hoyerswerda hielten, da war die Euphorie groß. Ein bisschen Großstadtfeeling lag in der Luft. Endlich hatten die Bewohner der Oberlausitz etwas, das bislang nur den Großstädtern vorbehalten war. Sie konnten günstig mit einem Fernbus quer durch Deutschland fahren. Im Mai 2015 verband der gelbe Postbus Städte wie Bautzen und Görlitz mit den Metropolen an Rhein und Ruhr, später auch mit München. Im Herbst 2015 rollte der grüne Flixbus von Bautzen aus nach Berlin – anfangs bis zu viermal am Tag. Doch inzwischen gibt es den Postbus nicht mehr. Das Angebot in der Region schrumpft – und es könnte jetzt noch schlimmer kommen.

Der Fernbusanbieter Flixbus denkt aktuell darüber nach, sein Streckennetz zu verkleinern. Grund dafür ist eine Regelung der Bundesregierung, die im kürzlich verabschiedeten Klimapaket festgeschrieben ist. Demnach soll die Mehrwertsteuer im Fernverkehr der Deutschen Bahn ab Neujahr von 19 auf 7 Prozent sinken. Die Bahn hat bereits angekündigt, den Vorteil an die Kunden weiterzureichen. Das wiederum würde dazu führen, dass Tickets rund zehn Prozent günstiger werden. Bei Flixbus-Fahrkarten werden hingegen weiterhin 19 Prozent fällig. Das Unternehmen sieht sich deshalb diskriminiert. Die Regelung stelle eine „einseitige und deutliche Bevorteilung eines Wettbewerbers dar“, erklärt Unternehmenssprecher Sebastian Meyer. Zumal der Fernbus wie der Zug auch zu den umweltfreundlichen Verkehrsmitteln gehöre, argumentiert das Unternehmen. Nach eigenen Angaben liege der Fernbus sogar noch vor der Bahn, wenn es um einen möglichst geringen CO2-Ausstoß pro Person geht. „Wir wünschen uns daher, dass auch der Fernbus als wichtiger Verkehrsträger für die Mobilität der Zukunft bei Steuerentlastungen entsprechend berücksichtigt wird “, so Meyer.

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Absage an den ländlichen Raum?

Doch was hat dieser Streit mit der Oberlausitz zu tun? Sehr viel. Das Problem ist, dass Flixbus bereits erste Konsequenzen angekündigt hat. „Die Bevorteilung eines Wettbewerbers würde dazu führen, dass wir unser Angebot kritisch prüfen müssten“, erklärt Sebastian Meyer und spricht davon, dass das Busnetz von Flixbus schrumpfen könnte. 30 Prozent des Netzes wären von einer möglichen Streichung betroffen, erklärt er. Konkret heißt das, es könnten demnächst Haltestellen wegfallen. „Auch Halte in Sachsen stehen zur Diskussion – vor allem im ländlichen Raum“, sagt er. Deutschlandweit hat Flixbus 400 Haltepunkte. Die Oberlausitz ist vor allem mit Bautzen, Görlitz und Hoyerswerda vertreten. Alle drei sind Kandidaten für die Streichliste. Sebastian Meyer nennt vor allem Bautzen und Görlitz. „Über die müssen wir sprechen“, sagt er.

Wer im kommenden Jahr noch eine Reise mit dem Fernbus plant, der kann erst einmal beruhigt sein. Die Streichungen würden laut dem Unternehmen voraussichtlich 2021 in Kraft treten. Eine finale Entscheidung gebe es aber noch für keine der genannten Haltestellen. Man wolle erst die Entwicklung 2020 abwarten.

Die Streichung der Haltestellen käme für die Oberlausitz überraschend. Erst im Februar war sogar von neuen Fahrzielen die Rede, die eventuell ab Bautzen angeboten werden könnten. Und auch bei der Stadt geht man bisher davon aus, dass die Haltestelle erhalten bleibt. Schon seit einer Weile ist die Kommune mit Flixbus im Gespräch. Das hat vor allem etwas mit dem Standort der Halstestelle zu tun. Einst rollten die grünen Busse über den August-Bebel-Platz. Doch aufgrund von Bauarbeiten wurde die Haltstelle im April 2016 auf den Touristenparkplatz an der Schliebenstraße verlegt. Von dort aus startet der Flixbus auch heute noch. Ein Zustand, den das Unternehmen schon lange ändern wollte. Man würde gern an den alten Standort zurückkehren, weil dieser zentraler ist, erklärte Flixbus bereits vor drei Jahren.

Vier Busse pro Tag

Diesen Wunsch kennt man auch bei der Stadtverwaltung. Demnächst soll es einen Termin mit dem Ordnungsamt und Vertretern von Regiobus geben, teilt Bautzens Stadtsprecher André Wucht mit. „Wir gehen davon aus, dass wir dem Reiseunternehmen zeitnah einen Vorschlag unterbreiten, der dann bei Flixbus geprüft und in den Fahrplan eingearbeitet werden muss“, so André Wucht.

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