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Zimmer frei

Rekordjahre im Tourismus ziehen neue Hotels an. Doch das lohnt sich für die Dresdner Hoteliers immer seltener.

Von Klemens Deider

Zu wenige Touristen legen sich ins gemachte Bett. Darin sind sich Hoteliers, Tourismusverband und Stadtmarketing in Dresden einig. Fast jedes zweite Gästebett bleibt leer. In den ersten vier Monaten dieses Jahres sank zudem die Zahl der Übernachtungen in der Stadt. Doch auch in den fünf Rekordjahren davor stieg die Bettenauslastung nicht stark. Der Grund: Viele Hotels eröffneten zuletzt wie das Star Inn am Altmarkt. Andere, wie das Hostel im Palais Hoym am Neumarkt, folgen.

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Marco Bensen, bis vor Kurzem Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes in Dresden, sieht die Entwicklung skeptisch: „Grundsätzlich bereichern neue Hotels den Standort. Allerdings ist die Ertragslage in Dresden mit die schlechteste in Deutschland. Das liegt an den Belegungszahlen, die nicht so gut sind.“ Das sieht Johannes Lohmeyer, Tourismusverbandsvorsitzender und Chef zweier Hotels, genauso. „Mittlerweile kriecht der Tourismusmarkt dem Hotelwachstum hinterher. Die Zimmerpreise gehen zurück. Dresden ist Schlusslicht, noch hinter Leipzig.“

Was die Touristen freut, geht zulasten der Unternehmen. Übers Jahr betrachtet und auf ein Zimmer gerechnet, erzielen Dresdens Hotels und Pensionen im Schnitt 48 Euro Umsatz pro Tag. Davon gehen noch die Kosten ab. „Vielleicht verdienen einige Projektentwickler ganz gut. Aber von den Hotels ist keines mehr rentabel“, so Johannes Lohmeyer. Ganz so schlimm kann es für die Branche in Dresden aber noch nicht sein, von reihenweisen Schließungen hört man bislang noch nichts.

Für Marco Bensen, bis Juli Chef des Innside-Hotels am Neumarkt, steigt die Gefahr, dass Betriebe schließen: „Mit jedem weiteren Hotel verteilt sich das Geschäft. Gerade kleinere Häuser, wie Pensionen, die in Familienhand geführt werden, sind bedroht.“ Regina Tutewohl führt seit 25 Jahren mit ihrem Mann die Pension Andreas in Blasewitz. Gegen Konkurrenzdruck setzt sie auf Service und Freundlichkeit – einen Preiskampf könne sie sich nicht leisten.

Doch warum zieht es neue Hotels nach Dresden? Für Reiner Bauch, Geschäftsführer der Star-Inn-Hotelgruppe mit dem neuen Hotel im Haus Altmarkt, ist optimistisch: „Dresden ist sicher nicht der lukrativste Markt, aber wir sind hergekommen, um Gewinne zu machen. In Dresden wird man nur über Klasse anstatt über Masse erfolgreich sein können.“

Für die Stadt spielt die Konkurrenz bei der Genehmigung neuer Bauten keine Rolle. Laut Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) hänge es vom Gebietscharakter ab, ob ein Hotel genehmigt werde. Erfülle ein Bauherr die Vorgaben, darf er bauen.