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Zirkus tourt wieder

Der Zirkus Stefano hat sein Winterlager auf dem Sonnenstein abgebrochen – und wird wohl auch nicht wiederkommen.

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Von Christian Eißner

Sie waren plötzlich weg. Packten ihre Tiere in die Wagen und verschwanden. Die Leute vom Zirkus Stefano sind seit etwa zwei Wochen wieder auf Tournee, nur einen einsamen Zirkuswagen haben sie auf dem Gelände hinter dem Schloss Sonnenstein stehen lassen, wo sie den gesamten Winter verbrachten. „In dem Wagen sind einige Gerätschaften, die wir im Moment nicht brauchen“, sagt Zirkuschef Stefan Spindler. „Wir wollen ihn nicht immer mit über Land ziehen.“

Die Saison 2005 hat spät begonnen für den kleinen Familienzirkus, noch immer gibt es Probleme. Die 7 000 Euro, um das kaputte Zirkuszelt zu reparieren, kann die Familie Spindler nach wie vor nicht aufbringen. Also wird im geliehenen Tierzelt, in das maximal 50 Zuschauer passen, ein abgespecktes Programm dargeboten.

Entsprechend klein sind die Orte, in denen man den Zirkus Stefano in den vergangenen Wochen antreffen konnte. Über Liebstadt zog der Zirkus ins Osterzgebirge, zuletzt spielte er in Zinnwald, in dieser Woche steht Bienenmühle auf dem Plan. „Unsere Vorstellungen können wir nur notdürftig abhalten“, erzählt Stefan Spindler. „Trotzdem mussten wir weg vom Sonnenstein, weil wir dort absolut keine Möglichkeit hatten, unser täglich Brot zu verdienen.“ Mit der Tour durch die kleinen Städte und Dörfer sei zumindest der Lebensunterhalt für Mensch und Tier gesichert.

Rolf-Dieter Stüllenberg, Objekt-Betreuer auf Schloss Sonnenstein, ist auf die Zirkusfamilie inzwischen nicht mehr so gut zu sprechen. „Sie sind in einer Nacht- und Nebelaktion abgefahren, ohne ihren Standplatz und die Scheunen sauber zu machen“, erzählt er. „Ich bin ein bisschen enttäuscht.“ Die jetzigen Eigentümer des Schlossgeländes hatten dem Zirkus die Scheunen kostenlos zur Verfügung gestellt. „Es liegt immer noch eine Menge Abfall herum. Ich weiß nicht, ob sie unter diesen Umständen noch einen Winter hier bleiben können“, sagt Stüllenberg.

Über den nächsten Winter macht sich die Zirkusfamilie im Moment noch keine Gedanken. Was zählt, ist das Weiterkommen von einem Tag zum nächsten und die Hoffnung auf bessere Zeiten. Im Winterquartier in Pirna, betont Zirkuschef Stefan Spindler allerdings, habe die Familie sehr viel Unterstützung erfahren. Dafür sei sie dankbar. Viele Menschen hatten Futter und Geld gespendet, ein Tierarzt kümmerte sich um die Gesundheit der Zirkus-Ziegen und der Kamele, eine Pirnaer Werkstatt machte einen Lkw flott.

Der Zirkus war auf dem Sonnenstein gestrandet, nachdem im November 2004 ein Sturm in Wilsdruff das Zelt zerfetzt hatte. Zunächst campierte „Stefano“ in Dresden auf Parkplätzen. Weil die einzige Zugmaschine vor Altersschwäche kaum noch fahren konnte, hatte die Familie keine Chance, mit ihren Tieren das Winterquartier in Brandenburg zu erreichen. Auf dem Gelände des Schlosses Sonnenstein in Pirna bekam der Zirkus schließlich Asyl über die Wintermonate. Regelmäßig sammelte die Familie mit dem Kamel Suleika Geld in der Fußgängerzone.