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Zirkusladen für junge Leute öffnet in Görlitz

Für Einradfahrer, Akrobaten und Jonglagefans gibt es ab sofort an drei Tagen pro Woche eine neues Angebot. Der Leiter ist für viele Kinder ein alter Bekannter.

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Von Ingo Kramer

Bloß nicht mit den Händen den Sattel festhalten! Das ist die erste Botschaft, die Valentin Hacke seiner Schülerin vermittelt: „Beim Einradfahren brauchst Du beide Hände zum Balancieren. Und dann ist das Wichtigste: Treten, treten, treten.“ Mit diesen Worten im Ohr legt Charlotte los. Und die Achtjährige kommt tatsächlich ein paar Meter weit, bevor ihr das Rad entgleitet.

Doch zum Lernen hat sie noch viel Zeit. Seit dieser Woche nämlich gibt es in der Weberstraße 21 einen Zirkusladen, der an drei Tagen pro Woche geöffnet ist. Dienstags geht es um Einrad und Jonglage, mittwochs um Akrobatik und ein Jugendvarieté, am Donnerstag noch einmal um Jonglage. „Es war der Wunsch von vielen Kindern und Jugendlichen, nicht nur im Sommer Zirkus zu machen“, sagt Valentin Hacke. Der 29-Jährige ist Zirkuspädagoge und hat in Görlitz, Zgorzelec und Umgebung schon sechs Sommer lang die deutsch-polnischen Zirkusworkshops des Kulturbrücken-Vereins geleitet. Viele Teilnehmer kamen jedes Jahr wieder. Und haben sich erkundigt, ob nicht auch im Rest des Jahres ein Zirkusangebot einzurichten ginge.

Möglich wurde das, als Valentin Hacke voriges Jahr von Amsterdam nach Görlitz gezogen ist, um hier ein Studium zu beginnen. Drei Monate lang gab er vorigen Winter am Fischmarkt Zirkuskurse, allerdings ohne Schaufenster und eher im Verborgenen. Jetzt ist alles anders. „Wir haben den Laden in der Weberstraße für vorerst sechs Monate angemietet“, sagt der gebürtige Weimarer, der beim dortigen Kinder- und Jugendzirkus Tasifan auf das Hobby gestoßen ist. Eine große Schaufensterscheibe zu haben, war ihm wichtig, denn der Laden soll Aufmerksamkeit erregen und neue Teilnehmer anlocken.

Da, wo es einst in „Kästners Einkaufsmeile“ Lebensmittel zu kaufen gab und später kurzzeitig historische Möbel gehandelt wurden, steht jetzt „Cyrkus“ an der Schaufensterscheibe – ein Wortspiel aus dem polnischen „Cyrk“ und dem deutschen „Zirkus“. Der Kulturbrücken-Verein bewirbt das Angebot auf beiden Neißeseiten und die bisher angemeldeten Teilnehmer kommen so ziemlich halb und halb aus beiden Ländern. Deutsche zahlen 15 Euro pro Monat, Polen 50 Zloty. Bei Geschwistern gibt es Rabatt. „Da, wo die Familien wenig Geld haben, versuchen wir individuelle Lösungen zu finden“, sagt Valentin Hacke. Allerdings sind die Teilnehmerbeiträge neben der Unterstützung durch die Stadt und das Deutsch-Polnische Jugendwerk ein wichtiger Baustein, um Ladenmiete, Material, Versicherungen und andere Kosten zu finanzieren.

Charlotte ist froh, dass es das Angebot gibt. „Ich habe bei einem Workshop im Bahnhof mit dem Einradfahren angefangen“, sagt die Achtjährige. Zu Weihnachten hat sie ein eigenes Einrad bekommen: „Ich habe es dann zu Hause versucht, aber das hat nicht so gut geklappt.“

Jetzt will sie jede Woche in die Weberstraße kommen. Und wenn sie gut fahren kann, will sie anfangen zu jonglieren. „Und dann beides zusammen“, hofft sie.

Kontakt unter 017631163778

[email protected]