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Baby Christa-Marie rettet Mama vor Betrug

Die Zittauerin Maria Burkatzki bekommt einen ominösen Anruf aus Schweden. Doch ihr Säugling hat offenbar den 7. Sinn.

Die zwei Monate alte Christa-Marie hat ihre Mama Maria Burkatzki vor einem möglicherweise teuren Fehler bewahrt.
Die zwei Monate alte Christa-Marie hat ihre Mama Maria Burkatzki vor einem möglicherweise teuren Fehler bewahrt. ©  Rafael Sampedro

So ein paar Minuten Ruhe. Das ist schon was, wenn man Mutter eines zwei Monate alten Säuglings ist. Diese Ruhe genoss auch die Zittauerin Maria Burkatzki zur Mittagstunde. Töchterchen Christa-Marie schlummerte auf dem Sofa, die Mama konnte derweil ein bisschen am Computer arbeiten. Da klingelte das Telefon - und weckte bei Baby Christa-Marie offenbar eine Art 7. Sinn.

Eine eigenartige Nummer erschien da auf dem Telefon-Display, Vorwahl 0046. Maria Burkatzki erkannte das als einen Anruf aus Schweden. "Ich kenne zwar niemanden aus Schweden, aber ich dachte, vielleicht sind es Bekannte meiner Eltern, die mir verspätet zur Geburt gratulieren wollen, die sind gerade in Schweden", sagt sie. Aber die Stimme am anderen Ende der Leitung klang weder bekannt, noch schwedisch. "Da hat sich ein englisch sprechender Mann als ,Microsoft Security Service' gemeldet. Ich habe gehört, dass er kein englischer Muttersprachler war", erzählt Mari Burkatzki.

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Der Mann habe ihr gesagt, sie habe auf ihrem Computer eine Fehlermeldung von Microsoft bekommen. "Weil ich diese angeblich ignoriert hätte, würde er nun anrufen, um den Fehler zu beheben", sagt sie. Das war der Moment, in dem sie ein bisschen unsicher wurde. Wie Millionen von Menschen hat auch Maria Burkatzki einen Computer mit Microsoft-Betriebssystem, aber hatte sie wirklich eine Fehlermeldung von dem Unternehmen bekommen? 

Der Trick mit der gefälschten Nummer

"Ich spreche schlecht englisch und wollte das Gespräch schnell abwürgen, weil Christa-Marie in dem Moment auch unruhig wurde", erzählt die 38-Jährige. Doch so schnell ließ sich der Fremde nicht abschütteln. Der Mann sei auch durchaus freundlich gewesen. "Der klang schon nach geschultem Hotline-Personal", sagt sie. 

Er habe sich den Aufbau ihrer Tastatur beschreiben lassen und sie dann aufgefordert, die Taste mit dem "Windows"-Symbol in Kombination mit dem "r" zu drücken. Diese Anweisung verstand Maria Burkatzki falsch. "Ich habe die Tasten nacheinander gedrückt, statt zusammen. Dadurch erschien auf meinem Bildschirm das Programm für den Taschenrechner", erzählt sie. Diese Bildschirmanzeige hat den Fremden offenbar verwirrt. "Und in dem Moment fing Christa-Marie an zu schreien. Ich habe dem Mann gesagt, ich müsse jetzt Schluss machen und er hat gefragt, ob er später noch mal anrufen könne", erinnert sie sich.

Der Baby-Schrei kam zur rechten Zeit. Denn kurz später kam Maria Burkatzkis Ehemann Eckhard Burkatzki von der Arbeit heim. Und als sie ihm von dem Anruf erzählte, ahnte der sofort, dass seine Frau gerade so einer ausgetricksten Betrugsmasche entkommen war. Eckhard Burkatzki ist promovierter Soziologe und arbeitet als Dozent am Internationalen Hochschulinstitut Zittau, einer Einrichtung der TU Dresden. Dort ist er Experte für "Corporate Social Responsibility", zu deutsch "Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung". 

"Einer meiner Forschungsschwerpunkte in diesem Rahmen ist die Kriminologie", sagt er. Zu seinem Fachgebiet gehört nämlich etwa auch die Abwehr krimineller Cyber-Angriffe auf Unternehmensnetze. "Organisierte Kriminalität ist auch eine Art Unternehmung", sagt Eckhard Burkatzki. So weise das "Bundeslagebild Cybercrime" des Bundeskriminalamtes auf Bedrohungen durch organisierten Computerbetrug hin. 2014 habe es eine Festnahmewelle in Indien gegeben.

So können Sie sich vor dem Betrug schützen

Indien vermutet Eckhard Burkatzki auch als das wahre Ursprungsland des ominösen Anrufs bei seiner Frau. "Die schwedische Nummer war ganz gewiss gefälscht. Und diese Gruppen arbeiten ganz absichtlich nicht mit unterdrückten Rufnummern, um beim Empfänger seriös zu wirken", sagt er. Er weiß auch, worauf der Anrufer eigentlich hinauswollte. Drückt man nämlich auf der Computer-Tastatur die Tasten mit dem "Windows"-Symbol und das "r" gleichzeitig, erscheint eine Eingabemaske. 

"Wenn man dort nach Aufforderung des Anrufers ein bestimmtes Programm eingibt und das bestätigt, kann der Computer ferngesteuert werden", erklärt Burkatzki. So könnten Kriminelle etwa verborgene Programme aufspielen - sogenannte "Trojaner" oder "Phishig-Software" - die unbemerkt vom Nutzer sensible Daten, Kennwörter oder auch den Zugang zum Online-Banking ausspähen. Aus der Ferne plündern die Täter dann Konten, bestellen Waren im Internet oder stehlen ganze Identitäten.

So weit muss es gar nicht kommen. Manchmal stecken auch Tätergruppen dahinter, die als angebliche Microsoft-Mitarbeiter ihre Opfer überzeugen, ein maßlos überteuertes Software-Wartungspaket per Fernwartung installieren zu dürfen. Vor dieser Masche warnt etwa der Verbraucherschutz auf dieser Internetseite und gibt Empfehlungen, wie man sich schützt. Auch Microsoft ist das Problem bekannt. 

Das Unternehmen gibt auf dieser Internetseite Tipps. Dort teilt Microsoft unter anderem mit: "Microsoft sendet keine unerwünschten E-Mails und führt keine unerwünschten Anrufe durch, um persönliche oder finanzielle Informationen anzufordern oder um Support für Fehler auf Ihrem Computer anzubieten." Sollte eine Benachrichtigung mit einer Telefonnummer angezeigt werden, sollte man diese Nummer nicht anrufen. "Fehler- und Warnmeldungen von Microsoft enthalten niemals Telefonnummern", schreibt das Unternehmen.

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Update 9. Dezember, 10.22 Uhr: In einer früheren Version dieses Textes haben wir fälschlicherweise berichtet, dass Herr Eckhard Burkatzki Mitarbeiter der Hochschule Görlitz/Zittau sei. Das haben wir korrigiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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